Sutirtho Patranobis


Lankas Krieg gegen Schuld & Sühne 

Sutirtho Patranobis am 25. Juni 2011 in der Hindustan Times

Präsident Mahinda Rajapakse konnte sich erwartungsgemäß versichert gefühlt haben, vorletzte Woche nach einem Treffen mit den Freunden Hu Jintao und Dmitri Medwedew, anläßlich eines Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg, Russland. Jeder kann es Rajapaksa nachsehen, dass es in letzter Zeit ein wenig heiß unter dem Kragen seines gestärkten weißen Hemdes und üblichen roten Schal geworden war.

Die letzten drei Monate waren besonders hart für Rajapaksa und seinem Ruf des starken Mannes – sich mit mächtige Freunde zu treffen ist ein Weg, aus der dunklen, diplomatische Ecke zu drücken, in die er wegen Fragen des Menschenrechts in Sri Lanka geschoben wurde.

Zuerst kam im April der vernichtende Panel-Bericht der von Moon einnerufenen UN-Experten; im Mai, folgte, zum zweiten Jahrestag des Kriegsendes kam eine Buch, „The Cage“ von dem ehemaligen UN-Mitarbeiter Weiss. Dann, gemein von hinten, kam im Juni dann der schwerste Schlag für des Präsidenten Ruf: Channel 4 veröffentlicht die Dokumentation „Sri Lanka’s Killing Fields“ – alle drei Publikationen sehen die Schuld direkt bei der srilankischen Regierung und ihrer Armee für den vorsätzlichen Beschuss und das Töten von Tausenden von tamilischen Zivilisten.

Der UN-Bericht sprach über „glaubwürdige Behauptungen“ von Kriegsverbrechen während der Dokumentarfilms grausame Handy-Filme über Hinrichtungen im militärischen Stil zeigte sowie die nackten Körper von toten Frauen, die auf einen LKW geworfen werden, nachdem sie angeblich vorher missbraucht wurden.

Mehrere anonyme Befragte sprachen in dem 50-minütigen Dokumentarfilm darüber, wie es SLA-Granaten regnete auf zivile Bereiche und Krankenhäuser, erzählten von systematischen Vergewaltigungen und Missbrauch und akuten Mangel an Nahrung und Obdach.

Der letzte Teil ist es, der am meisten verstört: Es zeigte Hinrichtungen von Männern und Frauen, nackt und geknebelt mit gefesselten Händen; Soldaten scherzen über die Toten. Einer sagt in Sinhala mit einem finsteren Kichern, dass eine bestimmte tote Frau“bestimmt jemandes Sekretärin gewesen ist, weil sie so viele Kugelschreiber und Bleistifte trägt.“

Channel-4 hatte die einstündige Dokumentation bereits am 3. Juni vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen gezeigt. Der UN-Sonderermittler für außergerichtliche Tötungen, Christof Heyns AP sagte: „.. Es ist sehr selten, dass man tatsächliche Aufnahmen von Menschen, hat die gerade getötet werden. Das ist schon etwas anderes als Verkehrskamera-Material. Dies ist eine echte Kriegs-Trophäe“, sagte Heyns und fügte hinzu, das Video zeige „definitive Kriegsverbrechen“, die, wie er glaube, im Mai 2009 stattgefunden haben.

„The Cage“-Autor Gordon Weiss, der ehemalige UNO-Sprecher in Colombo in den letzten Monaten des Kampfes im Frühjahr 2009, zitiert Kollegen, die davon sprachen, dass Hunderte von Granaten auf die Krankenhäuser in der NFZ (No-Fire-Zone) von srilankischen Standorten aus, die Zivilisten bislang ungestraft zerschredderten.

Auch die Tamil Tigers werden der abscheulichsten Kriegsverbrechen beschuldigt – einschließlich gezielter Angriffe auf Zivilisten sowie Zwangsrekrutierung von Kindern. Aber es war erwartungsgemäß: die demokratisch gewählte Regierung in Colombo bekam auch der Löwenanteil der Schuld.

Schlimmer noch, die Regierung wird beschuldigt, Zivilisten in die von Armee abgegrenzten „No Fire Zonen“ (NFZs) gelockt zu haben mit dem Versprechen von Sicherheit. Um dann genau das Gegenteil tun – sie gezielt in Vergessenheit zu bomben.

„Lieber Vanni- (ein großer Teil des Landes im Norden Sri Lankas) Bürger: Wir führen einen letzten Krieg, um die Menschen, die durch die rücksichtslose Terrorakte der LTTE im Vanni leiden, zu befreien… Wir, die Regierung von Sri Lanka werden unser Bestes tun, um Verluste an Menschenleben in diesem Krieg zu vermeiden… deshalb fordern wir Sie auf – die geliebte Tamilen -, sofort in die von der Regierung befreiten Gebiete zu kommen, um sich von dieser Katastrophe zu schützen“, der UNO-Bericht zitiert aus einem Flugblatt, das von der srilankischen Luftwaffe (SLAF) auf Kilinochchi im August 2008 massenhaft abgeworfen wurde.

Selbst als Anschuldigungen wegen Kriegsverbrechen immer häufiger wurden, hielt die srilankische Armee (SLA) stolz ein Seminar ab, um ihre Erfahrungen zu teilen mit anderer Länder Armee-Vertretern über die Grundlagen der Auslöschung einer „terroristischen Vereinigung“ in einem Akt der „humanitäre Operation – ohne Schaden für auch nur einen einzigen Zivilisten.“

Es war interessant zu beobachten, wie die selbe Veranstaltungen, unterschiedlich interprtiert wurde – sei es von der SLA selbst, in dem UN-Bericht oder in „The Cage“.

In seinem Vortrag auf diesem Armee-Seminar, beschrieb Major General Shavendra Silva, Leiter der eine entscheidenden Division während der letzten Schlacht gegen die LTTE, die SLA-Manöver in glühenden Worten und schilderte die LTTE als verzweifelte Verlierer mit Zivilisten als menschliche Schutzschilden vor ihren Waffen.

„Auch innerhalb der NFZs, die für die Sicherheit der Zivilbevölkerung erklärt worden waren, setzte die LTTE menschliche Schutzschild ein, indem sie aktive Kriegs- Materialien in den zivilen Zonen platzierten. Die Defensiv-Stellungen der LTTE und ihre Bunker befanden sich, wie beobachtet wurde, zwischen den behelfsmäßigen Hütten der Zivilisten und in aufeinander folgenden Zeilen in regelmäßigen Abständen in den NFZs. Diese Liste der LTTE-Stationierung von Waffen wurde ergänzt um das Krankenhaus in Udararkadu, das temporäre Krankenhaus in Valipunam und IKRK-Büro Udarakadu, die UN-Kommunikationszentrale in Valipunam und das sichere Haus der UN-Humanitarian Mission in Puthukudiyiruppu.“

Nachfolgend, die UN-Version der Ereignisse um die gleiche Zeit: „Am oder um den 19. und 21. Januar trafen Granaten der srilankischen Armee das Valipunam Krankenhaus und töteten Patienten. Während der Endphase des Krieges, wurde praktisch jedes Krankenhaus im Vanni, ob festes Gebäude oder Notbehelf, durch Artillerie getroffen . . Besonders jene, die verwundet LTTE-Kader enthielten, wurden wiederholt beschossen und getroffen.“

Die Reaktionen der Regierung auf die Anschuldigungen war zu erwarten: Die UN-Bericht seien „grundfalsch“ und der Dokumentarfilm war offensichtlich ein „fake“ und gemacht auf Geheiß der tamilischen Diaspora. Der grausige Inhalt des Dokumentarfilm sei kaum geeignet etwas für die Versöhnung Sri Lankas nach dem Krieg zu tun, sagte die Regierung und fügte hinzu, dass der Dokumentarfilm nur Hass zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Sri Lanka schüren würde.

Generalstaatsanwalt Mohan Peiris sagte, er sei nicht darüber klar, ob die Regierung rechtliche Schritte gegen den britische TV-Sender plane, aber, er war sich zumindest sicher, dass sie „geeignete Maßnahmen ergreifen“ werde. Peiris kämpft für Sri Lankas Fall in diesem Monat vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf und argumentierte dabei, dass internationale Agenturen und Medien Organisationen vor den innerstaatlichen Mechanismus der Gelernte Lektionen -und Versöhnungskommission (LLRC) aussagen sollten und dabei mit Belegen Unrecht bezeugen.

„Dies ist eine Negativ-PR-Aktion, die von einem kleinen Teil der internationalen Medien auf Geheiß von bestimmten Parteien mit eigenen Interessen durchgeführt wird, und es spielt nur den Interessen der separatistischen Kräfte in die Tasche, die außerhalb Sri Lanka leben, un die das Endziel haben, Sri Lanka Push wieder in den Krieg zu zerren, in dem man die Wunden aufreißt, die das Land versucht zu heilen.

Der Channel 4-Film hat das Potenzial, Hass unter den verschiedenen Gemeinschaften in Sri Lanka zu entzünden, einschließlich den künftiger Generationen und dadurch den laufenden Prozess der nationalen Aussöhnung zu beeinträchtigen, hieß es in einer Regierungserklärung. Das Argument ist kompletter Unsinn, sagten Kommentatoren dazu.

„Ich glaube nicht, dass der Dokumentarfilm zu weiterer Spaltung in den Gemeinschaften führt, noch ist der derzeitige Bruch nicht unheilbar. Das größte Hindernis ist heute die Regierung selbst und ihre rhetorischer Abhängigkeit von der Ablehnung der Tragödie und den massiven Einsatz von Staatsgewalt, um singhalesische, ideologische Ansprüche zu verstärken ansatt den Opfern zu helfen. Diejenigen, die glücklich damit sind bei der Suche nach neuen Gründen zu diskreditieren, sind fast froh darüber, was in der Dokumentation gezeigt. Viele andere, darunter Singhalesen, wissen ganz genau, was passiert ist. Offizielle Dementis bietet Schutz für diejenigen LTTE-Unterstützer, die sprechen wollen über den enormen Beitrag zu der Tragödie wegen der Unterstützung der LTTE Propaganda durch die Diaspora, der vorgegaukelt wurde, dass die gefangenen Zivilisten glühende Anhänger der LTTE seien und sich freiwillig als menschliche Schutzschilde für ihre Führer hingestellt hatten,“ sagte Rajan Hoole, von der angesehenen Menschenrechtsorganisation University Teachers for Human Rights (Jaffna) via E-Mail.

Kolumnist Tisaranee Gunasekara teilt die gleiche Ansicht. „Kein Verdienst wie auch immer (im Argument der Regierung), es ist nur ein Vorwand, das zu behaupten. Die Kluft ist da, es war nie weg. Der einzige Weg, sie zu überbrücken und zu heilen kann nur der sein, wenn es eine offene Diskussion auf verschiedenen Ebenen über das gibt, was tatsächlich passiert ist… Eine solche Übung würde einen kathartischen Wert haben. Die Tamilen brauchen den Platz, um ihre Toten zu betrauern. Wenn Trauer unzulässig wird, wird Trauer sich in Wut verwandeln. Was wir nicht so sehr brauchen, ist die Schuldigen zu bestrafen (weiß der Himmel, es gab keine Unschuldigen in diesem Krieg), aber wir müssen einen Abschluss erreichen. Solange sich die Singhalesen an den Mythos vom sauberen Krieg klammern, und Tamilen gezwungen werden, ihre Verluste zu und die damit verbundene Schmerz verleugnen müssen, wird es diesen Abschluß nicht geben“, sagte Gunasekara.

Beide Hoole und Gunasekera teilten ihre Ansichten mit diesem Autor unter dem erheblichem persönlichen Risiko staatlicher Zensur. Doch Dr. Rayappu Joseph, Bischof von Mannar, lehnte es ab, mit mir zu sprechen.

„Zu gefährlich für mich zu sprechen,“ sagte er. Es ist leicht zu verstehen, warum. Im vergangenen Jahre hatte Joseph die Frage erhoben über den Verbleib von mehr als 1460 vermissten Personen in Nord-Sri Lanka.

„Basierend auf Informationen aus den Kacheris (Kreisverwaltungen) von Mullaitvu und Kilinochchi über die Bevölkerung im Vanni Anfang Oktober 2008 und die Zahl der Menschen, in das von der Regierung kontrollierte Gebieten danach kamen, scheinen mir146679 vermisst zu sein, “ sagte der Bischof damals vor der Kommission.

Fazit

Im Anschluss an die Vorführung des Dokumentarfilms, erneuerte das Vereinte Königreich seine Forderung nach einer internationalen Untersuchung der Kriegsverbrechen-Vorwürfe. Premierminister David Cameron sagte in einer Erklärung, dass der Dokumentarfilm “ einige sehr beunruhigende Ereignisse zeige, die angeblich stattgefunden haben sollen. Die srilankische Regierung muss dies untersuchen und die UN will dies untersucht haben. Wir müssen sicherstellen, dass wir auf den Grund dessen gehen, was passiert ist und dass daraus gelernt werden kann.“

„Wir sind tief besorgt über glaubwürdige Anschuldigungen wegen Vergehen gegen das humanitären Völkerrechts und Menschenrechtsverletzungen in Sri Lanka. Wir unterstützen eine umfassende Bilanzierung und die Verantwortlichkeit derer, die für diese Handlungen verantwortlich sind, die internationalen Menschenrechtsnormen und das humanitäre Völkerrecht verletzen“, sagte ein US-Botschaftsangehöriger in Colombo letzte Woche der Zeitung The Sunday Leader.

Die indische Antwort wurde auch schon stummgeschaltet. In einer kürzlichen gemeinsame Indo-Lanka-Erklärung, drängte New Delhi Colombo, Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen und noch immer geltenden drakonischen Notstandsgesetze endlich zu widerrufen. Aber Indien war ausweichend hinsichtlich er Spezifkation der Untersuchung.

Der Nationaler Sicherheitsberater, Shiv Shankar Menon, sagte indischen Reportern am 11. Juni, dass Indien nicht möchte, dass internationale Agenturen auf einzelnene Staaten (Sri Lanka) herumhacken.

Es ist einfach, New Delhi Stands zu erklären: seine Kultur, die vielen Mensch zu Mensch-Kontakte und die historischen Verbindungen Lanka sind stärker, schon wegen der Geographie, aber Chinas tiefe Taschen und sein wahrnehmbarer Mangel an Interesse für die drängenden, internen Fragen eines Landes gibt der Situation aus indischer Sicht eine sher harte Kante, die Kontroverse im Lande bezüglich Sir Lanka wird schärfer.

Es ist merh als unwahrscheinlich, dass das Rajapaksa-Regime irgendeine eine Untersuchung der Vorwürfe einleiten wird.

Die Allzweckwaffe der Regierung gegen alle Vorwürfe heißt LLRC – die vom Präsident eingesetzt Kommission, von der die UNO sagt, sie sei „zutiefst korrumpiert in Konzept wie Praxis. Das Konzept ist dies, weil die Verantwortlichkeit ausgeklammert wird. In der Praxis ist sie es, weil die Kommission keinem internationalen Standard entspricht in Sachen Transparenz des Vorgehens, der Unabhängigkeit der Mitglieder noch dem Schutz und der Behandlung von Zeugen.“

Aber: Rajapaksa kann möglicherweise zunächst aufatmen. Mit Jintao und Medwedew, die scheinbar bereit stehen, ihm aus der Patsche helfen und gegen einen möglichen Beschluss des UN-Sicherheitsrats zustimmen – und Indien bereit, ihn mit ihrer stillen Unterstützung in internationalen Forum zu helfen – ist es unwahrscheinlich, dass der Tod einer unbekannten Zahl von Menschen in den letzten Monaten des Krieges in absehbarer Zeit bekannt wird.

Anstatt zu heilen, wird die Wunde verborgen bleiben.

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