Savi Hensman


Die Antwort auf Kriegsverbrechen in Sri Lanka 

Von Savi Hensman am 15. Juni 2011

In der Nacht des 14. Juni, strahlte die britischen TV-Firma Channel 4 detaillierte Beweise für Kriegsverbrechen in Sri Lanka aus. Sowohl Regierungstruppen als auch Rebellen der Liberation Tigers of Tamil Eelam begingen schwere Misshandlungen und Gräueltaten während des Konflikts, verstärkt während der letzten Phase des Krieges.

Der Dokumentarfilm „Sri Lankas Killing Fields„, konzentriert sich auf die Zeit zwischen Ende 2008 und Mai 2009 . Die Tigers schickten Kinder in die Schlacht und verwendet tamilische Zivilisten als menschliche Schutzschilde, während der Staat rücksichtslos in der Verfolgung seines Siegeszugs war. Experten haben die ausgestrahlten Bilder authentifiziert, die weitgehend auf kleinen Kameras und Handys gemacht wurden.

Es sind Szenen, in denen die Regierung hilflose Männer, Frauen und Kinder in so genannten „No-Fire Zones und Krankenhäuser unter Beschuss nimmt, scheinbar absichtlich und gezielt. Die Tamil Tigers waren berüchtigt für ihre Selbstmordattentate, und die Folgen einer Explosion in einer Regierungs-Zentrum für die Vertriebenen wurde gezeigt. Es gab auch „Trophäen“-Filmmaterial zu sehen, aufgenommen von Soldaten der staatlichen Truppen, Morde an gefesselte Gefangenen, einige von ihnen nackt. Es scheint, dass einige der Frauen Gefangenen sexuell missbraucht wurden, bevor sie getötet wurden.

Blut und Leichen wurden gezeigt , aber vielleicht noch trauriger, der Schrecken und die Not der Überlebenden, von denen viele ihre Lieben sterben sahen. Es gab auch Szenen der Güte und des Heldentums, insbesondere durch die Mediziner, Administratoren und die Freiwilligen, die die Kranken und Verletzten in Lazaretten versorgt mit minimalem Versorgungsgütern und Ausrüstungsgegenständen, auf die Gefahr ihres eigenen Lebens hin.

Der Channel 4 Film – er wurde bereits beim Menschenrechts-Rat der Vereinten Nationen Ende Mai gezeigt – wird erneuert den Druck erhöhen, endlich Maßnahmen zu ergreifen, um die Täter vor Gericht zu bringen. Ein UN-Menschenrechts-Panel Bericht im April veröffentlicht, hatte bereits starke Beweise für Kriegsverbrechen durch den Staat und die Tiger hervorgehoben, und gab eine Reihe von Empfehlungen ab.

Insbesondere wurde die srilankische Regierung aufgefordert, eine effektive Verantwortlichkeits-Prozess voranzubringen, beginnend mit echten Untersuchungen. Die Gelernte Lektionen- und Versöhnungskommission, die die Regierung eingerichtet hat, wird weithin als unwirksam angesehen.

Aber es gibt ernsthafte Hindernisse. Zunächst sind viele der Anführer der Tiger tot, und damit außerhalb der Reichweite der menschlichen Gerechtigkeit, auch wenn einige glauben werden, dass sie sich vor einem höheren Richter verantworten müssen, oder in das nächste Leben reisen, um ein sehr schlechtes Karma zu tilgen. Einige der Tiger-Anhänger – zumindest im Ausland – meinen noch immer, nicht für das Elend verantwortlich zu sein, dass sie nach Sri Lanka und zu allen ethnischen Gemeinschaften gebracht haben, vor allem aber den Tamilen. Sie behaupteten noch immer, für die Tamilen zu sein, die sie mit solch verheerenden Folgen zu beherrschen versuchten.

Die Regierung Sri Lankas ist nicht viel besser, auch sie sträubt sich zuzugeben, dass sie vielleicht etwas falsch gemacht haben könnte. Der Präsident, Mahinda Rajapakse, und sein Bruder Gotabhaya, der Verteidigungsminister, machen sich stark dafür. Sie sind auch unter den Mitgliedern der singhalesischen Mehrheit beliebt, viele von ihnen sind so dankbar für das Ende des Tiger-Terrorismus, dass sie sich weigern, die menschlichen Kosten der Taktik, die in den letzten Phasen des Krieges eingesetzt wurde zu kritisieren. Der Präsident ist erfolgreich bei der (Selbst-) Darstellung als Opfer der internationalen Gemeinschaft, und jede Kritik an ihm wird weithin als Versuch angesehen, einen Schandfleck auf Sri Lankas weißer Weste zu hinterlassen. Es wurde auch, faktisch richtig, darauf hingewiesen, dass westliche Regierungen sich auch schuldig gemacht haben, beim brechen der Regeln des Krieges – auch wenn nicht klar ist, wie und warum diese Missbräuche die in Sri Lanka rechtfertigen sollen. Einige in Sri Lanka haben wohl auch das Gefühl, dass es am besten sei, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Es gibt Menschenrechtsaktivisten innerhalb aller Gemeinden, aber viele von ihnen haben Angst vor einer Regierung, die sich tödlich rachsüchtig zeigt, wenn Dissens geäußert wird.

Journalisten, die die „offizielle Version“ der Kriegsereignisse in Frage stellen, haben mit Belästigung, Verhaftung und sogar mit Mord zu rechnen.

Das, was jetzt am dringendsten gebraucht wird, ist vielleicht nicht, die Täter zu bestrafen, sondern die Probleme der Überlebenden zu lindern und das Risiko weiterer Gewalt zu verhindern.

Denn früher oder später, wenn die Reaktion der Regierung auf Ablehnung stets nur Repression ist, wird die Unzufriedenheit in dem einen oder anderen Teil der Insel überkochen. Ein Blutbad wäre die wahrscheinliche Folge, es sei denn, die Demokratie wird gestärkt und der Militarismus in Frage gestellt.

Sri-Lanker im Ausland, und alle anderen in der Welt, die sich um das Wohl der Menschen in Sri Lanka kümmern, können ein Teil sein bei dem Versuch, durch diese Wand der Verleugnung zu dringen. Zwar gab es wohlmeinende Menschen in den Reihen der Tigers und bestimmt auch noch immer in den Streitkräften, doch muss festgestellt werden, dass sich die Top-Führungskräfte beider Seiten in einer Weise verhielten, die Nichtkombattanten schrecklichen Schaden zufügte. Ob die Täter des Missbrauchs bestraft werden oder nicht, die Trauer und das Leiden derer, die verletzt wurden verdient anerkannt zu werden, und es müssen Anstrengungen unternommen werden, um sicherzustellen, dass sie eine sichere Zukunft haben.

Dazu gehört auch die Bekämpfung ethnischer Nationalismus, und der aburden Vorstellung, dass Menschen einer ethnischen Gemeinschaft irgendwie weniger wert als die der anderen wären. In diesem Fall muss darauf bestand werden, dass die Tamilen, die Muslime und die andere Minderheiten, genauso Srilanker sind wie ihre singhalesischen Nachbarn, und ihre Arbeit für volle Gleichberechtigung in einer Gesellschaft, in der kulturelle und politische Vielfalt ausdrücklich begrüßt wird.

Dahinter steht die Notwendigkeit, in Sri Lanka aber auch anderswo, eine Kultur der Achtung der Menschenrechte und des Schutz von Nicht-Kombattanten im Laufe des Konflikts zu stärken. Glaubens- und Gemeindegruppen, zusammen mit Humanisten und Atheisten, können darin eine Rolle spielen beim Erkennen und Bewältigen der starken sozialen und psychologischen Kräfte, die Menschen dazu bringen, ihre „Feinde“ mit entsetzlichen Grausamkeit oder Gleichgültigkeit zu behandeln.

Der Channel 4 Filmmaterial zeigte anschaulich, was passiert, wenn gewöhnliche Menschen als bloße Schachfiguren benutzt werden, die in einem Wettbewerb zwischen rivalisierenden Kommandeuren geopfert werden. Und dabei das wichtigste vergessen wird: alles menschliche Leben ist kostbar.

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