Rasika Jayakody


Postmortem auf ein Terrorismus-Seminar

von Rasika Jayakody für Groundviews am 5. Juni 2011

Colombo – Das dreitägige Seminar mit dem Titel „Überwindung des Terrorismus – die srilankische Erfahrung“, durchgeführt von der SL-Armee und dem Verteidigungsministerium wurde kürzlich abgeschlossen. Auf der Veranstaltung sprachen hohe militärische und zivile Beamten zu den der internationalen Delegierten und tauschten ihre Erfahrungen in Bezug auf den „Sieg über den Terrorismus“ aus. Allerdings gibt es viele Ansichten, Meinungen, Zweifel und Spekulationen über das Ergebnisse des Seminars. Bleibt zu hoffen, dass dass große Rad der Zeit künftig befriedigende Antworten auf viele dieser offenen Fragen bringen wird.

Abgesehen davon, würde Ich gerne auf etwas hinweisen, ein weiteres sichtbares Problem während des ganzen Seminars, das mir als relevant erscheint. Alle Redner, die bei diesem Seminar auftraten, vermieden auffällig einen signifikanten Namen. Diese besondere Name wurde „unerwähnt“, er war „unaussprechlichen“, und es war natürlich der „ehemaliger Befehlshaber der Armee, Ex-General Sarath Fonseka“. Wie wir alle wissen, war Fonseka verantwortlich für die Taktik, die zum militärische Sieg führte, indem er seine Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen im Kampf einbrachte. Gleich nach dem Krieg wurde er gelobt und geehrt als „Bester Armee-Befehlshaber der Welt“ und wurde in den Rang eines „Vier-Sterne-Generals“ erhoben. Fonseka wurde somit einer der ersten aktiven Vier-Sterne-Generale in der Geschichte der srilankischen Armee.

Die Entscheidung, seinen Namen vom Seminar fernzuhalten, ist ganz offensichtlich eine politische Entscheidung. Daran gibt es keinen Zweifel. Fonseka, der in Welikada gefangen ist und in mehreren Fällen vor Gericht steht, wurde zum Opfer – wegen seiner Politik. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass Sarath Fonseka ein politischer Gefangener ist. Als erstes Ergebnis dieses politischen Prozesses verlor Sarath Fonsekas seinen militärischen Rang, seine Uniform, seine Medaillen, seinen Rentenanspruch, etc. Sein Name wurde von Plaketten, Tafeln und Denkmälern entfernt. Das notorische Nichterwähnung seines Namens in diesem Seminar ist nur ein weiterer Schritt im selben Prozess.

Als jemand, der Demokratie nicht nur praktiziert, sondern auch bewundert, habe ich persönlich einige ernsthafte Zweifel und Ängste wegen Sarath Fonsekas Eintritt in die Politik. Keine Frage: die Kenntnis der Geschichte erlaubt es uns nicht, militärischen Führer zu vertrauen, wenn es um Politik geht. Deshalb fällt „General“ Sarath Fonseka in die gleiche Kategorie.

Einige Bemerkungen, die er als Präsidentschaftskandidat machte und einige der Anschuldigungen, die gegen ihn während seiner Amtszeit als Befehlshaber der Armee erhoben wurden, unterstützen dieses Vorurteil (ich bin mir ziemlich sicher, dass der auch Führer der Opposition, Ranil Wickramasinghe sich dessen während des Wahlkampfs sehr wohl bewusst war). All dies aber ist kein Grund sich an Fonseka in so brüsker wie unkluger Art und Weise zu rächen. Die Regierung und auch die UNP (irgendwann einmal) sollten ihn „politisch“ konfrontieren im politischen Bereich, ohne törichte Spiele zu spielen, die möglicherweise katastrophale Auswirkungen haben können.

Trotz all diesen Fragen und Bedenken ist Sarath Fonsekas Beitrag zum militärischen Sieg unwiderlegbar. Dieses besondere Seminar, das von der Armee organisiert wurde, um den Anschuldigungen zu begegnen, die in der internationalen Domäne anstiegen, war eine großartige Gelegenheit, die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft in Sri Lanka um sich zu versammeln. Diese Unterstützung aber kann nicht durch politische Entscheidungen gewonnen werden, die unternommen werden, um kleinliche politische Wunschgedanken zu erfüllen.

Internationale Unterstützung sollte vielmehr durch Klugheit, Verantwortung, Seriosität und Verantwortung gewonnen werden. Wenn die Regierung den Glauben an diese vier Faktoren hat, dann ist es nicht allzu schwierig, den Herausforderungen so erfolgreich wie effektiv zu begegnen. Aber leider zeigt dieses Verhalten nur, wie schlecht es um die politischer Weitsicht der Regierung steht, vor allem, wenn es um heikle und wichtige Fragen geht.

Die internationale Gemeinschaft ist sich sehr bewusst darüber, wie Präsident Rajapaksa und seine Brüder Sarath Fonseka behandeln. Sie sind sich seiner Inhaftierung bewußt, der Prozesse und all der anderen Misshandlungen. Solche Dinge kann man nicht vor der Welt versteckt. Ganz offensichtlich haben die internationalen Delegierten, die an diesem Seminar teilnahmen, die Entfernung von Sarath Fonsekas Namen aus dieser Phase der Geschichte bemerkt, besonders, weil er eine so wichtigen und unverzichtbaren Rolle darin spielte.

Das verheißt nichts Gutes für die Regierung, vor allem nicht im Hinblick darauf, Unterstützung gewinnen zu wollen. Gleichzeitig sollten wir nicht vergessen, dass einige mächtige Staaten gezielt diese Veranstaltung boykottierten, um ihre Skepsis gegenüber der Regierung zu äußern bezüglich ihres Vorgehens in Fragen verantwortlicher Rechenschaftspflicht. Die Art von Eselei der Regierung in der Handhabung dieser Sache bekräftigt deren Überzeugung noch.

Genauso, wie sie Sarath Fonseka weggeliessenen aus ihren Reden, ist es nicht möglich, wichtige Ereignisse, die angeblich stattgefunden haben in der Endphase des Krieges, zu verstecken. Ist es denn möglich für die Regierung, Geschichte zu ihren Gunsten zu „reparieren“? Ebnet dieses Verhalten den Weg für einen ehrlichen und offenen Dialog zwischen der Regierung und der internationalen Gemeinschaft? Und ist dies dann ein echter „Erfahrungsaustausch“? Ist dieses Seminar nicht eine weitere Trocken-Übung um Zeit zu schinden, indem man sich selbst über den grünen Klee lobt und Dinge rosig übertreibt, während man versucht, die Wahrheit zu verbergen?

Diese Fragen werden in den Köpfen der Delegierten entstehen, die nach Sri Lanka kamen, um als Repräsentanten ihrer eigenen Länder an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Sie sind die Augen und Ohren ihrer Nationen auf diesem Gebiet und deshalb werden sie zweifellos diese Botschaft in die Welt hinaus tragen. Mit anderen Worten, sie könnten ihren Glauben an die gesamte Veranstaltung verlieren und sie als eine bloßes politische Ereignis wahrnehmen, das durchgeführt wird, um die internationale Gemeinschaft zum Narren zu halten.

Doch wer wird am Ende der Narr sein?

Deshalb, glaube ich, sollte die Rajapaksa Regierung die richtigen Strategien finden um sich offen den globalen Herausforderungen des Augenblicks zu stellen. Diese Strategien sollten nicht von Emotionen entworfen werden, sondern durch Intelligenz. Letztlich würden emotional gesteuerte politische Entscheidungen nicht die gewünschten Ergebnisse liefern und alle Bemühungen wären eine völlige Verschwendung von Zeit. Die Regierung, insbesondere Präsident Mahinda Rajapaksa und sein Bruder, Verteidigungs-Staatssekretär Gotabhaya Rajapaksa, sollte dies erkennen und ihre Vorgehensweise gegenüber des ehemaligen Befehlshabers der Armee, Sarath Fonseka, revidieren.

Ohne die Verwirklichung der zwischenmenschlichen Versöhnung, können sie die Nation nicht in die inter-ethnischen Versöhnung führen. Inter-persönliche Versöhnung (zwischen den Rajapaksas und ihre politischen Rivalen) würde eine robuste Grundlage für die nationale Aussöhnung legen. Und auf der anderen Seite, würde es verfestigen, dass das Rajapaksa-Regime tatsächlich bereit ist für eine nachhaltige Aussöhnung – und damit müsste sie die internationale Gemeinschaft unterstützen.

Aber, wie wir alle wissen, werden diese Strategien in der Realität nicht verwirklicht werden, da die „Leute ganz oben“ in der Regierung zu sehr auf Parteipolitik fixiert sind und persönliche Gewinne und Interessen nicht beschränken wollen. Sie sind nicht dazu bereit, aus ihrer „Box“ zu kommen und sich den Herausforderungen in ehrlicher Weise zu stellen. Also werden absehbar die Probleme und Sorgen, denen sie sich auf täglichen Basis widmen müssen, weiter verschlechtern und verschlimmern. Am Ende des Tages werden all‘ ihre Methoden und Strategien keinerlei Resultate bringen und schließlich werden wir Bürger den Preis dafür zu zahlen haben.

Das wird eine der tragischen „Rückwirkungen“ ihrer derzeitigen Politik sein, die wir alle eines Tages zu spüren bekommen werden.

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