Pearl Thevanayagam


Unabhängigkeit und Pressefreiheit 

von Pearl Thevanayagam vom aus dem Sri Lanka Guardian vom 4. Februar 2012

London – Die Differenzierung zwischen Unabhängigkeit und Freiheit ist wichtigst, während wir die Unabhängigkeit von der britischen Herrschaft heute feiern. Welche Möglichkeiten der Freiheit hat der durchschnittliche Srilanker heute? Hat die Unabhängigkeit, die ohne einen Tropfen Blutvergießens gelang, dem Durchschnitt Ceylonesen die Freiheiten gegeben, zu der er / sie in einer Demokratie berechtigt sind?

Vom „Sinhala Only“- Dekret im Jahre 1956 bis zum zwangsweisen Lernen des Singhalesischen um beispielsweise im öffentlichen Dienst überhaupt befördert zu werden, von der zwangsweisen Änderung englischer Nummernschildern von Fahrzeugen zu singhalesischen bis hin zur Abschaffung des bewähreten englischen Bildungs- nd Schul-Systems, was die Burgher Gemeinschaft besonders betraff sund die die erste Massenflucht von Proffessionellen und Intellektuelle in der 60ern führte, ist unsere Freiheit durch aufeinanderfolgende Regierungen Stück für Stück beschnitten werden.

Die Verweigerung, den ländlichen Studenten englischen Erziehung zu gewähren, führte zum erste singhalesische Aufstand der Jugendlichen im Jahr 1971, denen die White-Collar-Jobs verweigert wurden, selbst nach einem erfolgreichen Abschluss ihrer Hochschulausbildung in der singhalesischen Landessprache. Sirimavo Bandaranaikes Normungspolitik und die dazugehörigen Gesetze, entfremdeten die tamilische Minderheit und weckte schließlich bei der tamilische Jugend die bewaffnete Rebellion gegen den Staat und das Land stürzte in scheinbar ewig währende Unruhe und Schrecken.

Bandaranaike wird auch in die Geschichte eingehen als die Führerin, die zuerst den JVP-Aufstand vernichte hat und dabei eine beträchtliche Anzahl von singhalesischen Jugendlichen vernichtete – doch sie erhoben sich in den achtziger Jahren nocheinmal, nur um nocheinmal, diesesmal von der nachfolgenden UNP-Regierung unter J.R. Jayewardene und Ranasinghe Premadasa, zertreten zu werden. Serendib Isle wie Ceylon damals auch genannt wurde, hat seine Strahlende Schönheit und Unschuld längst verloren, egal wie oft der Begriff in touristische Broschüren breitgetreten wird wird.

Von all den Freiheiten, die in Ceylon bis zu den frühen 80er Jahre genossen werden konnten, erlitt die Pressefreiheit seither den schlimmsten und traurigsten Rücksschlag. Bis in die achtziger Jahre hinein erlaubte die Regierungen die Freie Rede – dann kam Präsident Premadasa und das bedeutete den Todesstoß für die Redefreiheit und die Demokratie und tragisch die Morde an Journalisten, beginnend mit dem brutalen Mord an dem vielseitigen Schauspieler, Moderator und Journalist Richard de Soysa der am helllichten Tag aus seinem Haus im Herzen von Colombo von uniformierten Männern gezerrt wurde und dessen toten Körper man einfach am Strand liegen ließ.

Während der Marxismus und die kommunistischen Ideologien mit ihrer Infiltration der Jugend begann, so begann auch die Regierungen Russlands Strategien bei der Knebelung der Presse zu übernehmen. Heute erscheint das einst kommunistische Russland oder selbst China demokratischer als jene Länder, die die Freiheit der Meinungsäußerung in ihrer Verfassung verankert haben – einschließlich der srilankischen.

Aber mehrere Gesetze im Parlament verabschiedet, einschließlich der PSO (Public Service Ordnance) von 1956 gefolgt von OSA (Official Secrets Act) und PTA (Prevention of Terrorism Act) von 1972 strangulierten die Pressefreiheit immer weiter und die aufeinander folgenden Regierungen setzten diese Werkzeuge immer erfolgreicher ein, um Journalisten und Schriftsteller mundtot zu machen.

Soysas Tod schuf den Präzedenzfall für künftige Morde an Journalisten, darunter Keerthi de Alwis, Sivaram alias Taraki, BBC-Korrespondent Nimalarajan, Aiyathurai Nadesan, der Batticaloa-Korrespondent für mehrere nationale Zeitungen, Atputharaja aus Thinamurasu und last but not least Lasantha Wickrematunga. Indizien und Belege bei all diesen Tötungen deuten auf staatliche Komplizenschaft – schon allein deshalb, weil keinerlei Anstrengungen durch den Staat gemacht wurden, diese Morde zu untersuchen, noch wurden sie je gelöst.

Die Morde verschickten Warnsignale an diese Möchtegern-Antikorruptionisten und Dreckspatzen (Muckrakers) – als was investigative Journalisten im Volksmund bekannt sind – den Mund zu halten oder auszuwandern, oder…

Übrigens war es Präsident Theodore Roosevelt, der am 14. April 1906, anlässlich der Einweihung des Bürogebäudes des US-Repräsentantenhaus, in Bezug auf eine Figur in John Bunyans 1678er Klassiker „Pilgrims Progress“ sagte: „Sie kennen die Beschreibung des Mann mit der Mistforke, der Mann, der nichts kennt, außer nach unten zu sehen, sondern immer nur auf die Mistforke in seinen Hände schaut; Ihm wurde eine himmlische Krone für seine Schmutzarbeit angeboten, aber er konnte weder aufblicken noch die Krone betrachten, die ihm angeboten wurde, und er begann weiter zu harken, um den Schmutz des Bodens weiter zu sich zu ziehen.

Roosevelt warnt gleichzeitig vor allen möglichen Fallstricke dabei, die Aufmerksamkeit stets auf dem Boden (der Tatsachen) zu behalten, also „auf dem Mist“ (on the muck); Roosevelt betonte die gesellschaftliche Nutzen der investigativen Berichterstattung (engl. muckraking) mit den Worten:

„Es gibt, in jedem politischen Körper, ob im wirtschaftlichen oder sozialen Bereich, viele schwerstee Übel, und es gibt die dringende Notwendigkeit den strengsten Krieg gegen all diese Übel zu führen. Es muss unerbittliche Entblössung geben und pausenlose Angriffe auf böse Mensch, ob Politiker oder Geschäftsmann, auf jede böse Praxis, ob in der Politik, in der Wirtschaft oder im sozialen Leben. Ich heiße als Wohltäter willkommen jeden Schriftsteller oder Redner, jeden Mann, der, auf dem Bahnsteig oder im Buch, in der Zeitschrift oder Zeitung, mit gnadenloser Härte solche Attacke macht, immer vorausgesetzt, dass er seinerseits sich stets daran erinnert, dass die Verwenung eines solchen Angriffs nur dann wirklich sinnvoll ist, wenn sie absolut ehrlich und wahrheitsgetreu ist.“

Obwohl es Sache Journalisten ist, mit der gebotenen Verantwortung zu schreiben und Rücksicht gegenüber der nationalen Sicherheit zu walten, sollte es ihn nicht davon abhalten, zur Aufdeckung und Entblösung von Korruption und Missbrauch, von Ungerechtigkeit und Betrug beizutragen, ob diese in Politik, Wirtschaft oder der Gesellschaft als Ganzes stattfinden.

Was eine Plage ist in unserem Land ist die vorherrschende Straflosigkeit, mit der sie vor allem durch die familiengeführte Dynastie der Rajapakses und während wir uns über die Unabhängigkeit freuen, die uns geschenkt wurde, müssen wir für Freiheit eines jeden Bürgers auf freie Meinungsäußerung aufstehen und kämpfen.

Und genau deshalb haben wir einen Punkt ohne Wiederkehr erreicht und sind nun gezwungen, die internationale Gemeinschaft aufzufordern, sich ein Urteil über die Regierung zu bilden wegen ihrer Kriegsverbrechen.

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Kriegsverbrechens-Vorwürfe stehen 2012 im Vordergrund 

Von Pearl Thevanayagam aus dem Sri Lanka Guardian im Januar 2012

London – Es sind weniger als drei Monate bevor Sri Lanka schwere Kriegsverbrechens-Vorwürfe vor dem ICC (International Crimes Court) bestehen muss. Die Regierung wird behaupten, dass sie nicht zu den Unterzeichnerstaaten des Rom-Statuts gehöre, unter welchem Täter wegen schwerer Verbrechen, die auch Kriegsverbrechen umfassen, strafrechtlich verfolgen werden können. Doch obwohl der UN-Sicherheitsrat Sri Lanka bisher nicht an den IStGH verwiesen hat der UN-Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki Moon seine eigenen Panel-Bericht mit 12 schweren Vorwürfe von Gräueltaten gegen tamilische Zivilisten oder gefangen LTTE-Kader während des Krieges weitergeleitet.

Das Experten-Panel des UN-Generalsekretärs hat spezifische Anschuldigungen gegen die Regierung vorgelegt; diese sind:

• Das srilankische Militär setzte großflächigen und weit verbreitete Beschuss ein und verursacht eine große Zahl von zivilen Opfern. Dies stellte eine gezielte Verfolgung der Bevölkerung des Vanni dar.

• Die srilankische Regierung versucht, die Medien einzuschüchtern und zum Schweigen der Medien bringen und andere Kritiker des Krieges mit einer Vielzahl von Bedrohungen und Maßnahmen auf Linie zu bringen, einschließlich der Verwendung von weißem Transporter (White Vans), um sie zu entführen und um die Kritiker verschwinden zu lassen.

• Das srilankische Militär beschoß in großem Maßstab die drei „sicheren Zonen“, wohin es die Zivilbevölkerung aufgefordert hatte, sich zu bewegen. Sie tat dies auch dann noch, als es offizielle hieß, sie würdenkeine schweren Waffen mehr benutzen.

• Das srilankische Militär beschossen die UN-Basis, die Verteilungsstellen von Nahrungsmitteln und Rot-Kreuz-Schiffe, die kamen, um die Verwundeten und deren Angehörige zu retten. Sie tat dies trotz Meldungen durch die UN, Rotes Kreuz und anderen.

• Die meisten der zivilen Opfer wurden durch srilankische Militär-Granaten verursacht.

• Das srilankische Militär hat systematisch Krankenhäuser an der Front bombardiert. Alle Krankenhäuser in der Region Vanni wurden von Mörsern und Artillerie getroffen, manchmal wiederholt, trotz des Wissen des srilankischen Militärs, wo deren Standorte sind.

• Die Regierung von Sri Lanka systematisch die Zivilisten in der Konfliktzone der humanitären Hilfe in Form von Nahrung und medizinische Versorgung beraubt, und damit deren Leiden verstärkt. Die Regierung hat absichtlich die Zahl der Zivilisten unterschätzt, um sie der humanitären Hilfe zu berauben.

• Zehntausende von Zivilisten wurden zwischen Januar und Mai 2009 getötet. Viele starben anonym in den letzten Tagen.

• Die Regierung Sri Lankas hat die Zivilisten, die der Konfliktzone entkamen weiteren Entbehrung und Leid unterzogen.

• Das „Aussieben“ der Tamil Tigers unter den Flüchtlingen erfolgte ohne Transparenz oder externe Kontrolle. Einige derer, die ausgesucht wurden, wurden standrechtlich erschossen, während Frauen wurden vergewaltigt wurden. Andere sind einfach verschwunden.

• Alle Vertriebenen wurden in geschlossenen, überfüllten Lagern festgehalten, wo sie ihrer grundlegenden Rechte beraubt wurden. Die Bedingungen in den Lagern führte zu vielen unnötigen Todesfällen.

• Es gab Verhöre und Folter in den Lagern. Bei Verdacht auf Mitgliedschaft bei den Tamil Tigers wurden Menschen zu andere Einrichtungen verbracht, in denen sie weiterem Missbrauch unterlagen.

Die Vorwürfe des UN-Panels gegen die LTTE sind wie folgt:

• Die Tamil Tigers weigerte sich, die Zivilisten das Kampfgebiet verlassen zu lassen und hielten sie als Geiseln. Die Zivilisten wurden als menschliche Schutzschilde benutzt.

• Die Tamil Tigers rekrutierten gewaltsam Mitglieder während des ganzen Bürgerkriegs aber verstärkt in der Endphase des Krieges. Einige der Rekruten waren jünger als 14 Jahre.

• Die Tamil Tigers zwangen Zivilisten, Gräben auszuheben, und riskierten dabei, dass sie aussehen wie Kombattanten.

• Die Tamil Tigers kämpfte weiter, auch als es klar wurde, dass sie verloren hatten, um das Leben ihrer Führer zu retten. Diese sinnlosen Verlängerung des Konflikts führten zum unnötigen Tode von viele Zivilisten.

• Die Tamil Tigers erschoßen gnadenlos Zivilisten, die versuchten, die Konfliktzone zu verlassen.

• Die Tamil Tigers feuerte Artillerie ab aus der Nähe von Zivilisten. Sie haben auch militärische Ausrüstung in der von Nähe Zivilisten und zivile Strukturen wie Krankenhäuser stationiert.

• Die Tamil Tigers führten Selbstmordanschläge gegen Zivilisten außerhalb der Konfliktzone durch – sogar während der Endphase des Bürgerkrieges.

Die Tamil Tigers hielten 330.000 Zivilisten als Geisel auf der Flucht vor dem Beschuss auf einer immer kleiner werdenden Fläche gefangen.

Im Mai 2009 haben 17 Länder versucht, die 11. Sitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen (Human Rights Council) dazu zu bewegen, die Kriegsverbrechen in Sri Lanka zu untersuchen, aber dank China, Russland und Indien, ja, auch Indien und anderen Entwicklungsländern gelang es Sri Lanka der UNHRC-Untersuchunge zu entgehen. Während die US-Regierung Ausflüchte wegen der Kriegsverbrechens- Ermittlungen machte, so hat sie doch die srilankische Regierung aufgefordert, glaubwürdige und verlässliche Vorwürfe, dass sie direkt in Kriegsverbrechen verwickelt sei, zu rechtfertigen.

Weniger bekannt, aber vor allem entscheidend für eine Kriegsverbrechens-Untersuchung ist das Ständige Volkstribunal (Permanent People’s Tribunal) mit 11 Richtern, die eine Sitzung in Dublin, Irland, abhielten nachdem sie Berichte der NGOs und Menschenrechtsgruppen, Opfer Zeugnisse, Augenzeugenberichte, einschließlich von Mitgliedern der Armee Sri Lankas, Gutachten, Medien-Berichte, Videos und Fotos erhalten hat. Teile des Tribunals wurden von Kameras festgehalten, um die Identität der Zeugen zu schützen. Das Tribunal kam zu dem Schluß, dass die srilankische Regierung schuldig ist, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben.

Wie die Regierung sich aus einer solchen schwerwiegenden Anschuldigungen befreien konnte, bleibt ein Rätsel. Es bedarf keiner Boole’schen Algebra, diese Regierung für das ganze Elend, das sie unschuldigen tamilischen Zivilisten zuteil werden ließ, festzunageln. Indien, USA, Großbritannien und anderen Nationen, die den Krieg gegen die Tamilen wegen ihrer eigenen egoistischen Handels-Interessen angeheizt werden dem Schwert der Gerechtigkeit ebenfalls nciht entweichen können.

Sühneopfer und eine Änderung des Regimes tun Not, andernfalls scheint eine internationale Intervention unvermeidlich zu sein.

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 Hoffnungen aus der Hölle

Von Pearl Thevanayagam aus dem Sri Lanka Guardian vom 17. September 2011

London – Der UNHRC (United Nations Human Rights Council – Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen) wurde in der Generalversammlung am 15. März 2006 durch die Resolution 60/251 gegründet; der UNHRC sollte die Human Rights Commission ersetzen, die ineffektiv geworden war bis zum Jahr 2011 alle 192 Mitgliedsstaaten der UN unter Universal Periodic Review überprüft und bewertet hatte. Jeder Staat wird weiterhin alle vier Jahre überprüft und Sri Lankas zweite Runde in dieser Überprüfung auf Rechtsstaatlichkeit und Einhaltung der Menschenrechte nach der in 2008 steht für Mai 2012 an. Deshalb hat der UN-Generalsekretär den von ihm beauftragten Bericht an den Rat weitergeleitet, um eine eigene Entscheidung zu treffen und damit ernsthaft einen Schritt in Richtung

Rechenschaft des srilankischen Staates wegen der angeblichen Kriegsverbrechen zu machen – und wenn Sri Lanka für schuldig befunden werden sollte, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen gegen den Staat, um sicherzustellen, dass dieser diese Vorwürfe aufarbeitet und den Opfern Gerechtigkeit zuteil wird.

Im Rahmen dieser Resolution 60/251, erhält der UNHRC weitgehende Befugnisse, Staaten wegen Kriegsverbrechen anzuklagen, und die Verantwortlichen vor ein Gericht zu stellen. Der vom Generalsekretär der Vereinten Nationen beauftragt Bericht eines experten Panels über Sri Lanka beinhaltet schwere Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen nach den internationalen Richtlinien für die Führung eines Krieges sowohl von der LTTE als auch der Regierung; nicht nur das. Die Gräueltaten der Regierung sollen schlimmer noch sein, als die der LTTE.

Während der aktuellen Sitzung des Menschenrechtsrates, die vom 12. September bis zum 30. September in Genf stattfindet, war Sri Lanka am 15. September Thema. Das Ergebnis dieser Sitzung wird ohne Zweifel auf die Überprüfung im Mai 2012 Einfluß haben.

Das Totenglöckchen für die jetzige Regierung klingelt laut und deutlich. Kriegsverbrechen, ob im Namen der Souveränität oder der territorialen Integrität begangen, mindern nicht die Verantwortung der Regierung in den Augen der internationalen Gemeinschaft; vor allem dann nicht, wenn der Westen mit Terrorismus vor der eigenen Haustür zu tun hat. Nicht weniger kann der Westen erdulden noch Spielraum geben dafür, dass Militanz sowie die jahrzehntelange Unterwerfung von Minderheit in der Bevölkerung ein dickes Lob für eine nationalistische Perspektive nach sich zöge.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon ging bisher sehr vor- und umsichtig mit dem Thema Sri Lankas Kriegsverbrechen um; aber sein bester diplomatischer Schachzug vis-a-vis Sri Lanka war die Präsentation des von der srilankischen Regierung so getauften „Darusman Berichts“ an den Menschenrechtsrat; dies ermöglicht es nun dem Rat, nach seinem eigenen Willen zu entscheiden. Das Verhalten der Regierung, das zu diesem Bericht geführt hat, ist bestimmt von Dementis ziviler Opfer, Behinderung und Verfolgung von Medienvertretern und humanitären NGOs sowie die Durchführung eines geheimen Krieg nicht nur gegen die LTTE, sondern auch gegen unschuldige Zivilisten, womit Spekulationen ins Karaut schossen, obendrein verstärkt durch die konsequente Verweigerung des Zugangs zu den Kriegsgebieten durch die UN, ausländischer Würdenträger oder gar der Wachhunde von Menschenrechtsgruppen.

Als die Euphorie der Siegesfeiern, einschließlich der Zurschaustellung von Waffen und Kriegsgerät, die in diesem schrecklichen Krieg genutz wurden, langsam abklang, hat die Regierung eine ihrer berüchtigt wirkungslosen Kommission eingesetzt, die LLRC (Gelernte Lektionen- und Versöhnungskommission), um sich selbst angesichts der zunehmend auftauchenden Anzeichen für schwere Verletzungen der Menschenrechte in Vanni zu entlasten.

Das srilankische diplomatische Kontingent, das die UNHRC-Sitzung in Genf besuchte, argumentiert wie immer und behielt seine Mantra, dass Sri Lanka den Terrorismus auf seinem Boden ausgelöscht habe, und dass dies andere Länder erstmal nachmachen sollten. Die srilankischen Diplomaten behaupteten auch, dass die LLRC den Vorwürfen von

Menschenrechtsverletzungen wie Kriegsverbrechen nachgehen soll, oder dem Töten von aufgabewilligen Zivilisten und Führern der LTTE, die weiße Fahnen trugen.

Doch das Mandat der LLRC bleibt weit hinter der Untersuchung solcher Vorwürfe zurück; stattdessen wurden die Kommissions-Mitglieder angewiesen, das Verhalten der Regierungen zwischen 2002 bis Mai 2009 zu untersuchen und Wege dafür zu finden, Frieden und Versöhnung – anstatt zuzugeben, die Sicherheitskräft haben (bislang) straflos gehandelt unter Umgehung der Verhaltensgrundsätze (Code of Conduct), angenommen von der UN und seinen Mitgliedsstaaten sowie der internationalen Gesetzesregelungen in Zeiten von Konflikten.

Wesentlich ist hier zu beachten, dass Sri Lankas Verhalten im Krieg und seine eklatante Missachtung der Menschenrechte ohne Parallelen ist, wenn nicht schlimmer ist, als alles, was in Ländern wie dem Kongo, der Elfenbeinküste und den arabischen Staaten im Aufstand gegen ihre gewählten Regierungen vor sich ging.

Sowohl die Demokratische Republik Kongo wie auch die Elfenbeinküste wurden vor die UN zitiert wegen und wegen seine Kriegsverbrechen zru Verantwortung gezogen. An diesen Tatsachen gibt es keinerlei Zweifel. Und auch im Fall Sri Lanka gibt es genügend Zeugenaussagen und Beweise für die UNO, die srilankische Regierung wegen Kriegsverbrechen zu belangen.

Es gibt sogar Zeugenaussagen aus erster Hand unter den 300.000 überlebenden tamilische Zivilisten, die für die Tatsache bürgen, dass die Sicherheitskräfte der Regierung vorsätzlich Zivilisten bombardierten und giftige Gase auf sie versprühten, nachdem man sie aufgefordert hatte, sich in die „sicheren Zonen“ zu begeben. Tabu-Zonen wie Krankenhäuser und Schulen wurden durch Bombenteppiche dem Erdboden gleich gemacht. Auch dafür gibt es Zeugen: dass Frauen systematisch ergriffen wurden, um in den Gefangenenlagern von sexuell ausgehungerten Soldaten vergewaltigt zu werden.

Ich traf das Opfer einer Vergewaltigung in Oxford zu Beginn dieses Jahres. Es ist ein 19 Jahre altes Mädchen mit niedrigem IQ, die von mehreren Soldaten für 18 Monate konsequent vergewaltigt wurde – als Folge gebar sie ein Mädchen. Ich sah die Narben von Verbrennungen durch Zigaretten selbst in ihrem Intimbereich und die Belege, die sie ihrem Psychiater übergab. Ich habe gesehen, wie sie leer und ausdruckslos ist, ich habe ihre Gleichgültigkeit gegenüber ihrem eigenen Baby gesehen – und ihre beängstigenden Schreie gehört, wenn sie nur eine uniformierten Hotelpagen sah und ich sah, wie sie wie von Sinnen weglief, als sich die Tür des Krankenhaus-Aufzugs schließen wollte. Ich glaube, das ist Beweis genug, dass die Soldaten in Internierungslagern sie und andere tamilischen Frauen schlimmer als Tiere behandelten.

In Colombo basierte Medien, einschließlich der unabhängigen, wurden systematisch gefüttert mit staatlicher Propaganda – in der Abwesenheit von unabhängigen Prüfungsmöglichkeiten wegen des vollständigen Verbots für die Medien sich selbst im Vanni umzusehen. Die aufeinander folgenden Regierungen haben unisone stets beschlossen, den Medien einen immer größer werdenden Maulkorb zu verpassen, wenn sie sich aufmachen, Krieg gegen die LTTE zu führen, oder wenn es um die umfassende Offensive ging, die tamilische Militanz zu zerquetschen.

Dies fing mit dem Juli-Pogrom von 1983 an, als Tamilen zu Tausenden aus ihren Häusern im Süden vertrieben wurden, wo sie seit Jahrzehnten freundschaftlich mit Singhalesen, Muslimen, Malaien und Burgern gelebt hatten – der Standart-Trick der Regierungen war stets, die Medien zum Schweigen zu bringen, mit allen Mitteln. Die Tatsache, dass mehr als 36 Medienschaffende getötet wurden und auch nicht einer der Täter vor Gericht gestellt wurde, hieft Sri Lanka auf Spitze der Liste der Länder, in denen es lebensgefährlich ist, für ehrlichen Journalisten, zu erzählen, wie was wirklich ist.

Die Hexenjagd auf unabhängige Journalisten begann mit Richard de Soysa im Jahr 1990, als der brutal bei hellem Tageslicht von uniformierten Männern aus seinem Haus gezerrt und am Strand von Colombo erschossen wurde; der Fall gilt noch immer als nicht abgeschlossen und die Täter trugen Uniformen der Sicherheitskräfte. De Soysas Verbrechen war es, Videobänder mit Aufnahmen von JVP-Mitglieder, die zu Tausenden von den berüchtigten Black Cats (unter der Leitung von Polizeichef Udugampola) unter der Premadasa Regierung ’89/’90 massakriert wurden, an Dritte-Welt-Nachrichtenagenturen zu verschicken.

Sei auf der Regierungs-Linie oder trage die Folgen – das ist die ungeschriebene Nachricht an alle unabhängige Journalisten. Daher die einseitig schräge Berichterstattung über die Regierung in den ansonsten unabhängigen Medien.

Nun kann die Regierung nicht mehr dasitzen und so tun, als sei alles gut. Nun kann sie nicht mehr ihre abscheulichen Kriegsverbrechen hinter einer ausstaffierten Vitrine von Entwicklung von Häfen, Autobahnen und Colombo City verstecken. Die Wahrheit wird herauskommen – in nicht allzu ferner Zukunft, und die Regierung ist gut beraten, sich auf einen kompletten Systemwechsel vorzubereiten oder gar eine von der UN vermittelte, neutrale Zone, um die Rechte eines jeden Bürgers dieses Landes zu schützen.

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