Natale Dankotuwage


Bigot auf selbstgerechter Mission


Von Natale Dankotuwage aus Groundviews vom 17. Oktober 2011

Das Ende; ist ein Ende in Sicht? Der Konflikt in Sri Lanka durchdrang meine Lebenszeit wie ein unwillkommenes genetisches Merkmal. Ich habe nicht darum gebeten, in eine Gemeinschaft hinein geboren zu werden, mit einer endlosen Geschichte von Konflikten. Und doch ist sie untrennbar verbunden mit einer Identität, die ich immer noch versuche, zu fassen. Ich bin ein Kind der Kriegsgeneration. Es ist alles, was ich je gekannt habe und wahrscheinlich alles, was ich jemals kennen werde. Doch hoffe ich, noch zu leben wenn die Veränderung eintritt, eine neue, frische Art und Weise mein eigenes Sein zu verstehen, so tief, wie ich mit dem srilankischen ethno-nationalen Rätsel verankert und verbunden bin.

Und dem ganze Rest, der jedes Interesse am Konflikt der Insel unserer Väter nur heuchelt und vortäuscht, will ich eine plausible Lösungen aufzeigen.

Die Antwort scheint so einfach: Ich schlage vor, sich Sri Lanka einmal vorzustellen OHNE die ethno-nationalen Beschränkungen.

Wir brauchen kein Land für Tamil Eelam noch müssen wir buddhistischen Statuen unter Nicht-Gläubigen aufbauen. Wir brauchen nicht hier das „singhalesische Volk“ kolonialisieren und dort das „tamilische Volk“. Wir brauchen etwas ganz anderes.

Wir brauchen kein Mehr an Ethnizität. Wir brauchen weniger, viel weniger davon. Das einzige Problem mit dem ethno-nationalen Konflikt in Sri Lanka ist, dass wir zuviel Ethno-Nationalismus haben.

Wir haben zuviel in „Buddha verliebte“ singhalesische Chauvinisten. Wir haben zuviel Tiger-Flaggen schwenkende, Eelam-verliebte Nationalisten. Zu viele von beiden. Diese Leute – beider Arten – sehen das Leben durch eine extreme Matrix. In einer Welt, in der sozialer Zusammenhalt durch ethnische Exklusivität erreicht wird, ist das eine reine ethno-nationale Erfahrung.

Nun, in meinen Augen ist das alles falsch.

Intensives Nachdenken über dieses Problem hat mich überzeugt davon: das ist das Ur-Problem in Sri Lanka, diese ethnische Exklusivität. Das UN-Panel-Bericht stimmt dem zu. Die nationalen Grenzen in Sri Lanka lassen mehrere Minderheiten einfach draußen – ausgegrenzt, zugemauert.

Es gibt eine Essenz des Seins, die eine „Mehrheit“ von Srilankern geerbt hat, durch ein Geschenk von Blut und Geburt, und das sind die Singhalesen. Es gibt eine Minderheit, die das nicht geerbt hat, und daher fühlen sie sich links liegen gelassen, sie fühlen sich wie Außenseiter. Die nationalen Grenzen in Sri Lanka sind nur akzeptieren von diejenigen, die dies durch die Reinheit einer Blutlinie behaupten, und sich als singhalesische Buddhisten bezeichnen (d.h. die „wahren“ Ureinwohner des Landes).

Dennoch hinterlässt dieser singhalesische Ethno-Nationalismus die tamilischen Minderheit frustriert. Sicher, sie sprechen nicht Singhalesisch. Sicher, sie sind auch keine Buddhist. Aber, verdammt noch mal, sie leben und atmen hier, haben das gleiche Land seit Jahrhunderte geteilt. Sie haben die Felder bepflügt und gebaren ihre Kinder hier. Sie haben Familien gegründet und auch begraben auf diesem Land und sie nicht als rechtmäßige Eingeborenen des Landes zu bezeichnen, ist eine grobe Beleidigung, mindestens.

Dennoch gibt es einige in der tamilischen Gemeinschaft, die auf diese ethnische Exklusivität mit einer eigenen Exklusivität reagierten. Das ist der tamilischen Nationalismus. Dieser Ethno-Nationalismus ist nicht weniger brutal, als der singhalesische Ethno-Nationalismus vor ihrem. Auch dieser Nationalismus führte dazu, den anderen auszuschließen. Er brachte sie dazu ihre Brüder des Nordens zu vertreiben, denn sie waren unter den Bedingungen der ethnischen Grenzen, eben anders. Sie waren Muslime und überhaupt daher nicht wirklich Brüder. Sie waren anders und dieses Anderssein rechtfertigte, sie zu vertreiben.

Tamilisch Ethno-Nationalismus hat der Situation nicht wirklich geholfen. Es hat alles nur noch schlimmer gemacht. Dennoch bestehen diese Selbst-Deterministen fort, und behaupten noch immer, dass eine tamilisches Heimatlandes die einzige Antwort sei. Ein jüngsten Besuch in Sri Lanka belegt dies klar und deutlich. Diese Gläubigen der Selbstbestimmung, so kann man sagen, glauben tatsächlich daran: „Ihr singhalesischen Chauvinisten, ihr könnt den Süden haben, gebt uns tamilischen Chauvinismus einfach nur den Norden.“

Diese Ethno-Nationalisten scheinen zu denken, gziemlich naiv, dass, wenn singhalesischen und tamilischen Menschen sich nicht mehr auf der Insel ausgeschlossen fühlen, dann ist das Problem zu Ende. Dass alle Mischlinge oder die Muslime sich nicht als nächste beschweren werden.

Die traurige Realität aber ist, dass Ethno-Nationalismus, gleich welcher Coleur, nie ein Problem lösen wird. Es wird probleme nur verherrlichen. Und so komme ich zurück zu meinem ersten Satz und Vorschlag. Wir müssen unser Leben überdenken; über die Grenzen der ethno-nationalen Pracht hinaus.

Man könnte sich ein viel größeres und umfassenderes Sri Lanka vorstellen, auch eines, das noch nicht erdacht wurde. Und es ist mein Wunsch für Sri Lanka wäre, dass wir es uns erträumen. Wir müssen aufwachen aus diesem Stupor begrenzten ethno-nationalen Determinismus. Er wird niemals zulassen, dass wir uns als Menschen eines wunderbaren Landes fühlen, und unser wahres Potenzial erfahren; er wird nicht zulassen, dass wir eine Gemeinschaft der Menschen schaffen. Ein Land, das eben nicht nur für die tamilische oder singhalesische Menschen ist, sondern für alle. Ein Land, das jede Frau, und jeden Unterprivilegierten und jeden irgendwo sonst ausgeschlossenen Dritten zu sich einlädt.

Die Sache ist nämlich die, wenn wir nicht über unsere ethno-nationalen Anhängsel hinwegkommen, werden wir es nie schaffen, über die menschlichen Probleme offen und ehrlich zu sprechen, die unser Land wie ein Pest überziehen. Wir werden nie ein echtes Zuhause schaffen, für eine universelle, stolze wie konsistente menschliche Identität.

Befreit zu werden von unseren begrenzenden ethno-nationalen Anhängseln könnte der nächste Schritt zu einer Lösung für Sri Lanka sein. Wir müssen die vielfältigen Möglichkeiten zur Schaffung einer neuen Gemeinschaft überdenken und wir müssen kreativer sein darin, als die traditionellen Ideale, auf die wir uns bislang gesetzt haben.

Während ich dieses Stück beende, male ich mir schon den Spott aus, vom dem ich weiß, dass er kommen wird – von den singhalesischen und den tamilischen Nationalisten, oder von den akademischen Weisen, die sich außer einem Platz für eine ethno-nationale Lösung für Sri Lanka nichts anderes vorstellen können. Ich mache mir Sorgen – nicht, weil ich etwa Zweifel hege an meinem Vorschlag, sondern vielmehr mache ich mir Sorgen, weil ich verstehe, obwohl ich selbst es ableugne, warum die Bedeutung ethnischer Identitäten anerzogen ist. Ich verstehe diese menschliche Anlage, die Jahrhunderte alt ist.

Und doch sage ich, mit größtem Respekt, diese „Ideale“: loslassen! Lassen Sie gehen, weil ich wirklich glaube, es ist das Beste für unsere Nachwelt.

Unsere Kinder sollte nicht in Ländern aufwachsen müssen, die nur nationale Grenzen gekennzeichnet sind. Sondern in Ländern, die für jedes menschliche Wesen vielversprechend sind. Länder, die sicher stellen, dass es Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit gibt, die keine Präferenz für die Farbe der Haut oder die Färbung der Sprache habe. Dies ist das Land, das ich mir vorstelle, das Beste für alle zu sein, das sich mit der Zeit und der Migration in die Zukunft entwickeln wird. Ein Land, das die Babys, die dem chinesischen Arbeiter geboren werden, willkommen heißen, während er mit der Frau schläft, die es für ihn bekommen wird, während er Autobahnen in Sri Lanka baut.

Ein Land, das erkennt, dass nichts permanent ist, das sich die Dinge ändern müssen, mit der Zeit. Ein Land, das erkennt, dass eines Tages diese lupenreinen ethnischen Identitäten Geschichten aus der fernen Vergangenheit sein werden.

Je schneller wir das akzeptieren, desto eher können wir unsere Nation vor dem Absturz retten aus den Hände von bigoten Fanatikern, die auf einer selbstgerechten, letztlich zerstörerischen Mission sind.

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