Mahendra de Silva


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Vom Liberator zum Monster

Von Mahendra de Silva

Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion aus Sri Lanka Guardian vom 11. Dezember 2012

London – Sri Lanker, die heute im Ausland leben beobachten mit Trauer und Wut, was in unserem Land geschieht. Immer, wenn ich auf die singhalesisch-buddhistischen Rajapakse Unterstützer treffe verhöhnen sie mich wegen meiner Ansichten über Sri Lanka. Sie sagen, dass man ins Land kommen müsse, um die Entwicklungen, die im Gange sei, zu verstehen. Sie sprechen von neuen Straßen, Hochhäusern, Brücken, Luxus-Autos und auch die neue Sauberkeit der Stadt Colombo. Nach ihnen wird Sri Lanka schon sehr bald weiter voraus sein als Singapur sein.

Wenn ich dann nach der Freiheit der Menschen und dem Niveau der Demokratie und der Freiheit der Medien in dem Land frage, regen sie sich auf. Welche Freiheit? Als die Tamil Tigers täglich unsere Leute töteten, hast du da über Freiheit gesprochen? Wir alle lebten in Angst. Wie viele unschuldige Menschen wurden von den Tiger-Bomben getötet, in Zügen, Bussen und überall? Niemand sprach damals über unsere Demokratie und Freiheit. Es sind die Rajapaksas, die uns vor dieser Katastrophe gerettet haben. Keiner von den anderen Führern, weder J.R., Chandrika noch Premadasa konnten uns retten. Wir müssen die Rajapaksas zum Dank dafür, dass sie unser Land gerettet haben, verehren. Sie verdienen es, das Land für Generationen beherrschen…

Ich bin selbst über hoch gebildete und intelligente singhalesische Professionelle gestolpert, die auf diese blinde Gefolgschaft abonniert sind. Es scheint, dass dieses Regime auch über zukünftige Generationen herrschen wird, und damit immer mehr dem totalitären diktatorischen Staat wie Nordkorea gleicht – solange wie Mentalität und Haltung der Mehrheit der Singhalesen Buddhisten so bleibt, und sie blind sind für die fortsetzten Ungerechtigkeiten des Rajapaksa Regimes.

Ich mache mir Gedanken über die Rationalität dieser Pro-Rajapaksa-Argumente die recht weit verbreitet sind bei gewöhnlichen Singhalesen.

Es ist eine Tatsache, dass die Rücksichtslosigkeit Rajapakses einen positiven Effekt hatte dabei, die Tiger Bedrohung vollständig aus Sri Lanka zu beseitigen. Aber Sri Lanka hat einen hohen Preis dafür bezahlt – in Form von Tausenden von unschuldigen tamilischen Zivilisten, deren Leben im Vanni in den letzten Phasen des Krieges endete und der daraus resultierenden negative Publizität, die SriLanka dafür erhält. Der Krieg hätte auch anständig gewonnen konnte, wäre man besorgter um menschliche Verluste gewesen.

Die Brutalität wurde in der Weise durchgeführt, beschädigte nicht nur den Ruf Sri Lankas sonder auch den der Singhalesen, die einst als friedliebenden Anhänger von Lord Buddha bekannt wurden. Ferner wurden wiederholt Kriegsverbrechenvorwürfe gegen die Streitkräfte gerichtet, die große Opfer in dem Glauben erbrachten, dass sie das Land befrieden.

Aus meiner Sicht hätten wir den angerichteten Schaden zu einem großen Teil minimiert haben, wenn die derzeitigen srilankischen Herrscher gewissenhafter gehandelt hätten. Ein guter Führer, der alle erforderlichen Befugnisse hat, müsste alles daran setzen, einen Unterschied im Leben der Menschen in seiner Obhut zu machen, er sollte das Leiden des tamilischen Volkes durch Jahrzehnte des Krieges verstanden haben.

Ein verantwortlicher Führer, der sich seiner Position bewusst ist, hat die Verantwortung für alle seine Bürger und nicht nur für diejenigen, die die Macht, ihn in die Führungsposition zu stimmen. Wie wirklich groß wäre es für Sri Lanka gewesen, wenn Rajapaksa die goldene Gelegenheit genutzt hätte, die er hatte, das Land zu vereinen. Sein Herz hätte etwas fühlen sollen für die Tausende von Flüchtlingen in den Lagern des Vanni. Wenn er gewissenhaft wäre, wäre das erste, was M.R. gemacht hätte, nachdem der Krieg zu Ende war, zuzugeben, dass unschuldige Zivilisten im Krieg ihr Leben verlieren mussten.

Als es Vorwürfe von Fehlverhalten oder Kriegsverbrechen gab, hätte er eine ordnungsgemäße Untersuchung eingeleitet und die Schuldigen wären längst bestraft worden. Eine rasche Entschädigung- und Abwicklungsprozess wäre gleich nach dem Krieg eingeleitet worden. Statt dessen hat der Herrscher ein komplett unproduktive Häfen und Flughäfen an einem Ort wie Hambantota gebaut und seine  Airline Mihin Air eröffnet mit seinem eigenen Namen, und verschwenden damit Milliarden an öffentlichen Geldern.

Ein gewissenhafter Herrscher hätte all‘ das Geld genutzt, um den Norden und den Osten zu entwickeln, die durch den Krieg zerstört sind und auch, um die Moral der Tamilen anzuheben, die alles verloren haben durch den Krieg.

Es ist nur natürlich, dass sie keine besondere Freundschaft gegenüber der Regierung Sri Lankas empfinden für das, was dort geschehen ist. Gesten des guten Willens von der Regierung hätten eine riesige Einstellungsänderung bei den Tamilen innerhalb des Landes als auch in der Diaspora außerhalb von Sri Lanka gebracht.

Unsere buddhistischen Priester, aber auch einfache singhalesische Menschen hätten die ersten sein sollen, die zu den Flüchtlingslagern gehen, um dem tamilischen Menschen zu helfen, die alles durch den Krieg verloren hatten.

Mit diesem Akt des Mitgefühls von buddhistischen Priestern und Singhalesen für Tamilen hätte man Buddhas Botschaft im Norden und Osten wesentlich wirksamer verbreitet können, als mit dem seriellen Bau von Buddha-Statuen und Tempeln auf der ganzen Nord-Halbinsel, wo kaum Buddhisten leben.

Selbst die Vorwürfe der Kriegsverbrechen und die sehr schlechte Publicity für Sri Lanka und die singhalesischen Buddhisten nach dem Krieg wäre minimiert worden, wenn Sir Lankas Regierung konkrete Schritte unternommen hätte, um wirkliche, echte nationale Versöhnung und den Wiederaufbau des kriegszerstörten Gebieten zu erreichen. Rajapaksa wäre wie ein neuer Nelson Mendela gefeiert worden, wenn er zumindest nach dem Krieg wie ein echter Staatsmann gehandelt hätte.

Wenn er seine Energie eingesetzt hätte, nach dem Krieg, die Köpfen und Herzen aller Menschen zu gewinnen, einschließlich der Tamilen, könnte Rajapakses leicht an der Macht blieben, ohne all die schlechten Dinge anzurichten, um an der Macht zu bleiben.

Kommen wir nochmals zurück zu der Rationalität des Arguments, dass die Rajapaksas sich alles leisten und alles tun können, weil sie das Land von den Tamil Tigers befreiten – als Gegenargument könnte geltend gemacht werden, dass, wenn jemand einen anderen vor einer Katastrophe rettet, muss der sich, um Dankbarkeit zu zeigen, dass sein Befreier die Freiheit hat, mit dem geretteten Opfer alles zu tun, als er das mag!

In Sri Lanka verwandelt sich der Befreier, der das Land aus den Fängen der Tiger-Monster befreite in ein Monster. Der Liberator hat die freien Medien im Land dicht gemacht. Der Liberator hat jeden getötet, geschädigt oder verjagt,der seine fragwürdigen Entscheidungen in Frage stellt. Jetzt setzt er an dazu, die Überreste der Demokratie und die Unabhängigkeit der Justiz, die immer noch überlebt haben im Land, für sich einzunehmen. Der Liberator hat Mitglieder der Opposition im Parlament gekauft, indem er ihnen lukrative Geschäfte mit öffentlichen Mitteln zuschusterte.

Das Parlament trägt den Stempel der Rajapaksas, er hat sichergestellt,  dass das Parlament mit seinen Clowns gefüllt ist, die alles für ihn tun würden. Rajapaksa ist auch dabei, sich Mitglieder der Justiz mittels verschiedener Bestechungsgelder zu kaufen.

Und dann?

Der Liberator wird versuchen, Menschen, die sich nicht seinen Wünschen beugen, anzugreifen. Der Liberator wird Rache nehmen an Menschen, die eine Bedrohung sind oder zu einer möglichen Bedrohung für ihn werden könnten, und sie mit fiktiven Strafverfahren überziehen. Beste Beispiele dafür sind der ehemalige Armeechef Sarath Fonseka und die gegenwärtige Chief Justice Shirani Bandaranayke.

Der Liberator sorgt auch weiter dafür, dass alle seine hartgesottenen Anhänger und Bewunderer den Arm des Gesetzes nie spüren werden, unabhängig von dem, was sie tun. Der Liberator hat bereits Vergewaltiger, Mörder und Drogenhändler aus ihren Strafverfahren entlassen – nur, weil sie seine Anhänger sind.

Die Rajapaksa-Anhänger, die prahlen, Sri Lanka werde zu einem Singapur, wissen wohl nicht, dass die Demokratie in Singapur beschränkt ist, was eine Sache ist, der gebotene Rechtsstaat für alle auf Augenhöhe aber auch. Als der ehemalige Singapor-Premierminister Lee Kuan Yew sein Amt verließ, nachdem er Singapore zu einem der größten und reichsten Länder der Welt machte, hat er nicht seinen Sohn oder einen Verwandten zu seinem Nachfolger ernannt. Die Korruption in Singapur ist eine der niedrigsten  im Vergleich zum Rest von Asien. Kann jemand wirklich von Sri Lanka glauben, zu einem euen Singapore zu werden mit dem derzeitigen Niveau der Korruption, der Vetternwirtschaft und der Disziplinlosigkeit der Herrscher des heutigen Sri Lanka?

Zumindest jetzt sollten die singhalesischen Buddhisten den Schaden verstehen, der in unserem Land unter der gegenwärtigen korrupten Führung entsteht. Sie sollten erkennen, dass die Demokratie, die wir unter britischer Herrschaft und nach der Unabhängigkeit unter alle Regierungen genossen, in dieser Zeit im letzten Stadium liegt. Erlauben sie dem Liberator weiterhin, unsere traditionellen Werte, unsere Rechtsstaatlichkeit, die Unabhängigkeit der Justiz und des öffentlichen Dienstes zu untergraben? Erlauben wir dem Liberator, die Polizei und die Streitkräfte als seine private Armee zu verwenden? Erlauben wir dem Befreier die Richter des Obersten Gerichtshofs und anderer Gerichte seine Marionetten zu sein?

Wir sollten auch nicht vergessen, dass die Geburt eines weiteren Prabhakaran nicht mehr fern ist, wenn wir die Tamilen weiterhin entfremden, wie wir es jetzt tun und auch die Geburt eines weiteren Wijeweera wenn der Liberator weiter das Land auf diese Weise missmanaged.

Die Mentalität, dass Sri Lanka nur den singhalesischen Buddhisten gehöre, passt nicht ins moderne 21. Jahrhundert. Die Behandlung eines Jeden auf gleicher Augenhöhe,  unabhängig von Rasse oder religiösen Herkunft ist eine akzeptierte Norm eines jeden demokratischen Landes.

Die Dezentralisierung der Macht und es den Menschen in einer bestimmten Region zu überlassen, ihre eigenen Entscheidungen in Verwaltungs- und Entwicklungsfragen zu machen ist ebenso ein anerkannter Bestandteil der Demokratie.

Aufgrund der törichten gleichgesinnten kommunalen singhalesischen Politiker müssen Sri Lanker unter kommunaler Disharmonie und Gewalt und Unruhen unter den Minderheiten leiden. Spätestens jetzt sollten wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen, dass wahrer Friede nur möglich ist, wenn es kommunale Harmonie und Zufriedenheit unter allen Gemeinden gibt.

Wir sollten erkennen, dass einer der Auslöser des heutigen ungebührliches Verhalten der Regierungs-Politiker die derzeitige Monster-Verfassung ist, die dem Präsidenten unbegrenzte Macht verleiht. Diese Kräfte machen selbst aus einem guter Mann einen üblen Diktator.

Fatal: Selbst wenn wir es schafften, die heutigen Machthaber sehr bald abzusetzen, würden die neuen Machthaber die gewaltigen exekutiven Befugnisse, die der regierende Executive President bekleidet auf dem gleichen Weg der diktatorischer Herrschaft fortzusetzen. Politiker versprechen, die Verfassung zu ändern, wenn sie an die Macht kommen, aber wenn sie erste den Geschmack der Macht zu schmecken bekommen, wollen sie den auch weiterhin genießen und so viel persönlichen Gewinn machen, wie sie können; nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Erben und Nachkommen.

Deshalb ist die wichtigste Aufgabe dieser Generation in Sri Lanka sicherzustellen, dass, wer auch immer die Macht übernimmt, dies unter einer neuen demokratischen Verfassung unternimmt, die so modelliert ist, dass Sri Lanka künftig vor korrupten Politikern geschützt ist.

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