Dushy Ranetunge


Und was machen Sie so? Ich habe eine Regierung laufen, die der Kriegsverbrechen gegen das eigene Volk beschuldigt wird.

Rajapaksa belagert; mit schuldig: Bruder Gota

von Dushy Ranetunge

London – Am Vorabend des Präsidenten-Besuches von England und dem Queens Diamond Jubilee, sagte Gotabhaya in seinem wie üblich exaltiertem Stil gegenüber der BBC, dass der Norden Sri Lankas nicht als „Tamilische-Region“ anerkannt werden könne.

Im Vorfeld der ersten Präsidentenwahl, sagte Mahinda Rajapakse seine singhalesischen buddhistischen Wählerschaft, dass er aus dem „Süden“ sei. Sollte dies nicht etwa darauf hinweist, dass er selbst aus dem Tiefen Süden ist, und damit der harten Linie der Singhalesen folgt?

Durch die Leugnung, dass der Norden eine tamilische Region ist, verwehren die Rajapakse den Tamilen, was für die Singhalesen in deren Wahrnehmungen im „Tiefen Süden“ und anderswo selbstverständlich sind.

Die „Tamilische“ Identität des Nordens unterscheidet sich nicht von der Identität derer von Kandy und dem zentralen Hochland oder der Rohona Identität des Südens. Es ist eine Torheit, dies zu leugnen, da diese Identitäten tief verwurzelten sind in der Psyche der verschiedenen Gemeinschaften, die diese Insel bewohnen. Es waren die Leute aus Kandy die ersten, die Föderalismus wollten…

Die Reaktion auf die Leugnung der „Tamilischen“ Identität des Nordens, ist nicht anders als die Reaktion, welche die Rajapaksas erwarten könnten, wenn sie die „Kandy“ Identität des Hochlandes leugnen würden.

Am Vorabend von Mahinda Rajapaksas Besuch des Vereinigten Königreichs, um an dem Queens Diamond Jubilee teilzunehmen, würde man erwarten, das ein BBC-Interview dazu benutzt worden wäre, Brücken zu bauen und die Hand zur Versöhnung gegenüber den Diaspora Tamilen auszustrecken. Das hätte eine große strategische Chance sein können, die Glaubwürdigkeit der Regierung in Bezug auf die Versöhnung zu demonstrieren.

Stattdessen hielt Bruder Gotabhaya seinem Vortrag mit drohend erhobenem Zeigefinger, um die grundlegende Identität unserer nördlichen Gemeinschaft abzuleugnen, was in Reaktion Entrüstung und die Mobilisierung der Diaspora gegen den srilankischen Staat erzeugte, der sich als eine Republik exponiert, die durch den vorherrschenden Stamm beschlagnahmt wurde und die darauf besteht, die Vorurteile der Mehrheit zu verewigen.

Das Verweigern der legitimen Rechte tamilischer Bürger auf den mehrheitlichen Ängste des Separatismus basierend, ist feudal, ähnlich wie das Verweigern der Rechte einer Frau aus Angst, sie könnte davonlaufen. Dies ist kein akzeptabeles, demokratisches Verhalten im 21. Jahrhundert.

Die BBC und andere TV-Stationen Interview Gotabhaya gerne, wohl wissend, dass er nicht umhin kann, sich selbst und Sri Lanka in den Fuß schießen – und er schafft dies, jedes Mal. Das letzte Interview des Senders BBC mit ihm war da keine Ausnahme.

Teile der tamilischen Diaspora in London hätten gegen Mahinda Rajapakse mit oder ohne Gotabhayas BBC-Interview mobilisiert, aber leider, was Gotabhaya sagte erzürnte die Tamilen, in der gleichen Weise wären die Kandyans wütend, wenn er die Kandyan Identität der Highlands verweigert hätte.

Gotabhaya Bemerkungen unterstützen indirekt die radikaleren Elemente innerhalb der Diaspora, Gotabhaya erzürnt den einfachen Tamilen in Richtung deren Sache. Es gab da keine Versöhnung. Im Gegenteil goß er freizügig Öl ins Feuer.

Präsident Mahinda Rajapakse bekam das sofort mit, noch bevor er in London ankam demonstrierte eine großer Zahl von Tamilen srilankischen Herkunft in Heathrow, mobilisiert in Erwartung seiner Ankunft. Seine Rede beim Commonwealth Business Council wurde am Morgen des 6. Juni abgesagt, da die Briten keine unangenehmen Zwischenfällen während der Queens Diamond Jubilee Feierlichkeiten wollten.

Die britischen Behörden hatten offenbar schon vorher Bercihte darüber, was sich später an diesem Nachmittag zusammenbrauen würde. Es gab eine massive Blitz-Demonstration von Tausende von Tamilen, die vor das Marlborough House marschierten, wo ein Mittagessen stattfand, im Beisein des srilankischen Präsidenten. Um 15.00 nachmittags beschwerte sich mein Nachbar bei mir, dass der srilankische Präsident verantwortlich sei für die blockierten Straßen im Zentrum Londons, wo er steckengeblieben war.

Am späten Nachmittag trug die Zeitung Evening Standard die reißerische Schlagzeile „Killing Fields Protest im Zentrum von London trifft auf Diamond Jubilee Mittagessen der Königin“. Channel 4 News um 19.00 hatte seinen großen Tag. Am nächsten Tag brachten die meisten großen britischen Zeitungen die Geschichte.

Eier und faule Tomaten flogen auf den Wagen des bedrängten Präsidenten als er vom Park Lane Hilton unter schwerem Polizeischutz regelrecht floh nach der Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen. Sri Lankas Hochkommissar Nonis ritt zur Rettung an mit einem Fototermin mit einigen britischen Abgeordneten, um den Tag zu retten. Informelle Gespräche zwischen Premierminister Cameron und Präsident Mahinda Rajapakse fanden nur nebenbei im Marlborough House statt. Mahinda Rajapakse stand neben David Cameron während des Commonwealth Gruppenfoto, sicherlich ein spannender Moment für einen belagerten Präsident und seiner Sehnsucht nach internationaler Anerkennung. Es gab dann noch ein paar minutenlange Treffen mit dem maledivischen Präsidenten und dem Oberhaupt des Commonwealth.

Leider, so musste Rajapaksa feststellen, sind Kuba, China, Russland und der Iran keine Mitglieder des Commonwealth.

Eine kleine Gruppe von knapp 100 Srilankern, von der Hohen Kommission herbei zitiert, veranstaltete eine Gegendemonstration, die von der Demonstration, die von der tamilischen Diaspora auf der anderen Straßenseite abgehalten wurde, mit weit über Tausend Demonstranten locker in den Schatten gestellt wurde. Die vom srilankischen Hochkommissariat per E-mail einberufene Gegendemonstration hatte keine Auswirkungen auf die britische Presse, sie blieb zumeist unerwähnt.

Kaum denkbar, dass das Park Lane Hilton dem srilankischen Präsidenten in naher Zukunft nochmals Suiten anbietet, bedenkt man die damit verbundenen Unannehmlichkeiten für ihre anderen Kunden.

Alle anderen Staats-und Regierungschefs nahmen an den Feierlichkeiten zum Diamond Jubilee in Fahrzeuge teil, die ihrer jeweiligen Nationalflagge zeigten. Aus Sicherheitsgründen wurde Mahinda Rajapakse in einem Range Rover eingeschmuggelt, ohne Nationalflaggen Stadarte. Später konnte man ihn sehen, wie er lächelnd im selben Fahrzeug zum Flughafen gefahren wurde. Der Präsident verließ Rom für eine Audienz im Vatikan – vielleicht auch mit großer Sehnsucht nach Trost.

Die Briten haben wie gewohnt die feine Balance gehalten zwischen dem Recht des Bürgers zu protestieren und den Rechten einer Nation und Mitglied des Commonwealth – das ganze lief ohne Gewalt ab.

Sollte es die Strategie von Hochkommissar Nonis gewesen sein, die Kriegsverbrechen-Vorwürfe zu ignorieren und sich auf das Positive von Sri Lanka zu konzentrieren, dann wird der 6. Juni in die Geschichte eingehen als massive Peinlichkeit ohne Gleichen vor dem gesamten Commonwealth und der britische Öffentlichkeit, die bis dahin ein ruhiges, fröhliches Jubiläum feierten, frei von jeglichen Vorfällen und Unannehmlichkeiten. Ihre Majestät die Queen war sicherlich nicht amüsiert.

Für Nonis, diplomatisch gänzlich unerfahren, war das Ganze eine Feuertaufe. Aber dank seiner britischen Schulbildung, lieferte er mit steifer Oberlippe, wo viele versagt hätten, eine Erklärung ab. Auch wenn diese niemanden überzeugte.

Die tamilische Diaspora pauschal als „Terroristen“ oder „Terroristen Hinterteil“ (Terrorist Rump = was zeigt, dass er dem britischen Englisch doch nicht so mächtig ist) ist eine mangelhafte, veraltete Strategie, die nur den politischen Bankrott der Rajapaksa-Regierung deutlich macht. Eine Regierung, die unfähig ist, Sri Lanka strategisch aus dem Morast der Gegenwart zu bringen. Sri Lanka braucht dringend einen Paradigmenwechsel in seiner Strategie, um die Herausforderungen zu besiegen, mit denen es konfrontiert ist.

Die vorliegende politische wie diplomatische Bastelei der srilankischen Regierung  ist zu windig und durchsichtig, und zu wenig, zu spät.

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