Dr. Mohamed Saleem


Nie wieder Bürgerkrieg in Sri Lanka!

Von Dr. M.A.Mohamed Saleem vom 4. Juni 2011

Wir lernen aus den Medien, dass Außenminister G.L. Pieris, im Gespräch mit einer ausgewählten Gruppe von Journalisten in Neu Delhi, vor kurzem erklärt hatte „… Es wird nie wieder zu einem weiteren Bürgerkrieg in Sri Lanka kommen. Nie wieder!“ (The Sunday Island vom 22. Mai 2011). Obwohl es in der Tat eine tröstliche Ausage ist, gibt es viele, innerhalb wie außerhalb dieses Landes, die die gleiche Frage geäußert hätten, die von jemand aus dem Publikum danach gestellt wurde, nämlich – wie kann er sich da so sicher sein? Und auch die Antwort des Ministers wenig überzeugend finden.

Schon aufgrund seiner Größe hätte niemand in Sri Lanka, sich je träumen lassen, dass unser Land jemals in den Krieg gegen jemanden zieht. Dieses Land kann es sich nicht leisten, sich solche Feindschaft zu verdienen, und der besten Kurs für das Land ist daher die Blockfreiheit, und das ist es, was durch frühere Führungen eingehalten wurde. Leider haben aber genau diese Führer die emotionale Befindlichkeiten der verschiedenen Gruppen von Menschen in diesem Land nicht berücksichtigt, besonders ungünstig war das für die Minderheiten, die durch dieses diskriminierende Politik der Regierung marginalisiert und ins Abseits gedrängt wurden. In den Augen vieler gehört deshalb dieses Land eben nicht allen Bürgern. Das reizte einige, sich für eine separate Heimat stark zu machen und drängte den den extremen militanten tamilischen Rand dazu, Waffen zu ergreifen, um dafür zu kämpfen. Und das, obwohl, für eine lange Zeit, gerade die Tamilen des Landes als besonders gelehrig und gesetzestreue galten im Vergleich zu anderen Gemeinschaften.

Kein Zweifel, die Gruppe, die dieses Land drei Jahrzehnten lang terrorisiert, hatte, wurde dezimiert und einige überlebeden Mitarbeiter dieser Bewegung sind noch immer in Untersuchungens-Haft festgehalten oder haben nach einem eilige zusammengeschusterstes Rehabilitationsprogramm druchlaufen und sind auf freiem Fuß. Die meisten Zivilisten, die zunächst in Lagern gehalten wurden, sind in ihre Dörfer zurückgekehrt. Minister Pieris ist ein erfahrener Diplomat, er liebt es Frieden und Versöhnung wortreich zu artikulieren, und tut dies zu verschiedenen Anlässen für verschiedene regierenden Parteien. Es gab eine Zeit da versuchte er die Autonomie der fusionierten nördlichen und östlichen Provinzen unter föderalen Absprache mit Prabaharan an der Spitze zu vermarkten – als einzig gangbaren Weg zu Frieden und Versöhnung in diesem Land. Zu dieser Zeit vertrat G.L. Peiris die Ranil Wickremasinghe Regierung. Nun, da Prabaharan nicht mehr ist, scheint der Minister etwas anderes zu glauben, dass (obwohl nördlichen und östlichen Provinzen nun ausgegliedert sind und unterschiedliche demokratische Kurse verfolgen ) … „ein ständigen Dialog zwischen der Regierung von Sri Lanka und den Vertretern der tamilischen Parteien … eine Dezentralisierung-Paket, aufbauend auf den 13. Verfassungszusatz, würde zur Schaffung der notwendigen Voraussetzungen für eine solche Versöhnung … „beitragen und daher bringe dies ihn dazu, zu erklären, dass es unter diesen Bedingungen nicht zu einem weiteren Bürgerkrieg kommen werde.

Unabhängig davon, bildeten eine weitere Gruppe, die sich im Nordosten als interreligiöse Forum für Versöhnung (NEIFR), durch Zusammenschlüsse von einigen religiösen Führern in Vertretung von Buddhisten, Hindus, Muslime und Christen aus den vom Krieg betroffenen Teilen dieses Landes, eine starke Position seit Anfang Januar 2011angenommen haben, um „die Zuflucht in Krieg“ nie mehr als eine Option zur Lösung von Problemen jeglicher Art in diesem Land werden zu lassen. Damit dies geschehen kann, hat NEIFR vorausgeschickt, dass das Land eine neue Vision bekomme“… basierend auf Liebe, Mitgefühl, moralische und spirituelle Prinzipien quer durch alle Religionen hinweg, die dieses Land … so angereichert haben“; das zu schaffen „…wird eine neue Umgebung ergeben und ermöglicht einen gerechten, umfassenden und dauerhaften Frieden in diesem Land, in dem alle Bürger koexistieren können und Gleichheit, Gerechtigkeit, die Menschenrechte und Sicherheit genießen können.“ NEIFRs Stand ist, dass „… alle Menschen geboren werden, frei, gleich an Würde und Rechten zu sein und haben das Potenzial haben, einen konstruktiven Beitrag zur Entwicklung und zum Wohlergehen der Gesellschaft leisten zu können…“ außerdem soll die „… ethnische Vielfalt dieses Landes hoch bewertet und genossen werden, akzeptiert und als fester Bestandteil der Bereicherung unserer Gesellschaft dienen.“

Daher fordert NEIFR für die nationale Politik: –

* Die Verbreitung von Ideen über rassischer Überlegenheit oder Rassen-Hass muss als Straftat per Gesetz verboten werden.

* Die Einführung von Wachsamkeit und Abschreckung (durch die Einrichtung von „Komitees des Gewissens“ auf jeder administrativen Ebene, beginnend mit dem Dorf) um Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen davon abzuschrecken, aus der Verbreitung von rassischer Überlegenheit oder Hass Gewalttaten oder Aufforderungen zu solchen Handlungen zu begehen. Zuwiderhandlungen sollen unter strenger Strafe stehen.

* Das Ermöglichen einer Einrichung mit dem Zweck der Heilung und Versöhnung, durch die die Menschen jeden Ortes verantwortlich für die Entwicklung zu nehmen sind und mit diesem Prozess, einen Raum zu erschaffen für die Vermittlung, dem Bedauern, der Reue und der Entschuldigung Ausdruck geben zu können.

* Globalisierungs-Spin-off Chancen und Vorteile gleichmäßig auf alle Menschen zuverteilen diese und nicht an Einzelpersonen und Gruppen aufgrund politischer oder ethnischer Kriterien zu vergeben.

Die Macht, die dieses Land steuert, scheint zu glauben, das das Projekt (wie es Minister Pieris in Delhi getan hat), dass aus organisatorischen Änderungen durch Verfassungszusatz 13 plus oder auch 13 minus besteht, der Wiederaufbau der Infrastruktur und neue wirtschaftliche Chancen zur nationalen Versöhnung führen wird. Leider ist wenigen klar, dass solche Annahmen, gleich wie gut die Absichten dahinter sind, die zu ihnen führten, gleichgültig sin für diejenigen, die gerade in ihre Dörfer zurückkehrten aus den Flüchtlingslagern um die Scherben aufzuklauben und in ein neues Leben zu.

Freie, unzensierte Interaktion mit den vom Krieg betroffenen Rückkehrer zeigen, dass psychische und psychosomatische Wunden, die sie über die langen Jahre der Konflikt bezogen, nicht nur offen bleiben sondern sie schwären und eitern. Solange diese Wunden nicht verheilt sind und entsprechend angesprochen werden, wird die nationale Aussöhnung ein fernes Ziel bleiben. Ein gemeinsames Gefühlunter ihnen besagt, dass es keine Bereitschaft oder ernsthafte Anstrengungen von niemandem gibt, ihren Wunden beim Heilen zu helfen und sie in dieser Notlage belasen werden durch die (staatliche) Politik. An jeder Ecke und Kante des Lebens werden die Opfer des Krieges bürokratisch und militärisch blockiert und die ständig gegebene Entschuldigung dafür heißt „Sicherheitsrisiko“. Für alles, was sie tun möchte, das Leben neu starten, selbst Schrott zu sammeln und sich beim Weiterverkaufen etwas zu verdienen, ist eine Genehmigung von einem unsichtbaren Jemand erforderlich. Eine Zulassung für jemanden der den gleichen Handel aufmachen will und der aus dem Süden stammt, ist hingegen kein Hindernis weil einfach zu bekommen. Was wir brauchen, ist eine Öffnung gegenüber diese Kriegsopfern – wir müssen uns strecken und ihnen die freie Wahl lassen, wie sie ihr Leben neu starten wollen. Die Zutaten für eine Versöhnung müssen stets der spezifischen Situation angepasst sein; man kann diese Zutaten nicht unter einem Paket verallgemeinern.

Unabhängig davon, was unterschiedliche Situationen verlangen, muss die Versöhnung, durch die Herzen der Menschen geschehen, die Schmerzen bunkern aus den langen Jahren ihrer Unfähigkeit, grundlegende menschliche Sehnsüchte zu erfüllen oder aus dem Verlust von Angehörigen und Eigentum, weil sie zu unschuldigen Opfern wahlloser gewalttätiger Übergriffe zwischen Streitkräften wurden.

Verfassungsänderungen und projizierte Entwicklung, die den aufgeklärten Minister (s.o.) das Herz überquellen lassen, werden nicht dazu führen, dass ihre Herzen vergessen oder vergeben können. Dies muss auf einer ganz anderen Ebene getan werden, durch einen Prozess der spirituellen Beratung und der Überzeugung.

Wenn Wunden nicht geheilt und soziale Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten zugelassen werden, vermehren sich bewusst oder unbewusst und werden zu Vorboten eines neuen Zyklus von Angst und Gewalt. Sicherlich wollen wir in diesem Land nicht, dass passiert. Dies ist eine Wahl, die diejenigen tätigen müssen, die an der Macht sind.

Es ist erfreulich, dass zumindest NEIFR die Gefahr von Menschen mit nicht verheilten Wunden realisiert hat, und deshalb sich aufmacht um auf spiritueller Ebene Wiedergutmachung durch Versöhnung zu finden – das zumindest liegt in NEIFRs Händen.

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