Ayesha Zuhair


Was haben wir falsch gemacht?

Von Ayesha Zuhair aus dem Daily Mirror vom 23. März 2012

Als die srilankische Armee die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) im Mai 2009 besiegt, endeten damit fast drei Jahrzehnte brutaler Terror; ich – neben Millionen meiner Landsleute – war begeistert.

Für mich war der „IV Eelam Krieg“ ohne ein Jota Zweifel ein Krieg, den zu kämpfen es lohnte, und ich war überwältigt. Mit der weltweit brutalsten Terror-Truppe endlich weg, schien eine friedliche und gedeihliche Zukunft bevorzusteht.

Der militärische Sieg hätte zu keinem besseren Zeitpunkt in meinem Leben gekommen können, denn ich erwartete mein erstes (und bisher einziges) Kind. Ich fühlte mich beruhigt, dass dieses Kind in einer stabilen und sicheren Umgebung aufwachsen, und ein friedliches Land kennen lernen würde, das ich in meiner Kindheit nicht kannte.

Ich war mir sicher, dass Sri Lanka sich wie ein Phoenix aus der Asche erheben würde, dass es die Möglichkeit, eine zusammengehörige und tolerante Nation aufzubauen ergreifen würde, und dass die nationale Integration oberste Priorität hätte.

Fast drei Jahre nach dieser Zeile, bin ich mir weniger sicher und die Hoffnungen, die ich hatte, sind in weite Ferne gerückt. Ja, der Terrorismus ist ausgerottet worden, aber das Land ist noch in mitten eines bitteren Konflikts und die ethnische Polarisierung ist immer noch tief. Wir haben uns noch immer nicht bewegt (noch Anzeichen von Bewegung gezeigt) – weg von der Nachkriegszeit, hin zu einem Post-Konflikt-Milieu.

Im Mai 2010 wurde die Gelernte Lektion- und Versöhnungskommission (LLRC) ernannt, um „über die Konflikt-Phase zu reflektieren und die Leiden des Landes als Ganzes durchzugehen und aus dieser jüngsten Geschichte die Lehren zu ziehen, um sicherzustellen, dass es keine Wiederkehr der inneren Konflikte geben werde und um eine Ära des Friedens, der Harmonie und des Wohlstand für die Menschen zu gewährleisten.“

Doch die Empfehlungen der LLRC, dem Parlament in ihrem Bericht im Dezember 2011 vorgelegt, wurden nun zum Stein des Anstoßes, anstatt zur zentralen Anlaufstelle für Versöhnungs-Bemühungen im Lande zu werden.

Die LLRC wurde als nationaler Mechanismus geschaffen, um ausländische Intervention abzuwehren. Plötzlich wird der LLRC-Bericht und seine Empfehlungen von der internationalen Gemeinschaft genutzt, um Sri Lanka unter Druck zu setzen, und die Regierung versucht weiterhin, sich diesem Druck zu widerstehen.

Mit der bevorstehenden Verabschiedung der US-unterstützte Resolution gegen Sri Lanka beim UN-Menschenrechtsrat, wird ein externer Mechanismus zunehmend unausweichlich. Obwohl in der subtilen, diplomatischen Sprache abgefasst – die Botschaft der Resolution ist klar und unzweideutig: Stoppt euer Herumhampeln, untersucht endlich die Anschuldigungen wegen Kriegsverbrechen und arbeitet, um endlich die politische Aussöhnung zu sichern.

In vielen Kreisen wurde die relevante Fragen über die moralische Autorität der westlichen Mächte erhoben, eine solche Resolution einzureichen, während die eigene „Erfolgsgeschichte“ im Bereich der Menschenrechte höchst fragwürdig ist. Aber das ist nebensächlich. Wir müssen uns die Frage stellen: Was haben wir falsch gemacht und warum befinden wir uns heute in einer solchen Lage wieder?

Für mich ist diese Regierung an zwei Fronten gescheitert:

Erstens hat die Regierung es versäumt, den wirklichen Missständen des Volkes zu begegnen; sie entschied sich dafür, diese entweder komplett zu ignorieren oder einige der dringendsten Probleme herunterzuspielen. Je länger die Regierung die Fragen der Versöhnung und Verantwortung ignoriert, desto mehr Gift mischte sie ins Blumenwasser. Die Fokussierung auf die wirtschaftliche Entwicklung allein reicht definitiv nicht aus.

Zweitens hat die Regierung es versäumt, ausreichend mit der internationalen Gemeinschaft zu kommunizieren – insbesonders mit den USA und Indien – und die haben uns nun deutlich gezeigt, dass Klein Sri Lanka keinen Platz im Spiel der Weltmächte hat. Egal, wie „stolz als Volk wir sind“ die Realität ist, dass wir es uns einfach nicht leisten können, in den Kampfring mit den Reichen und Mächtigen zu treten, und dann auch noch zu erwarten, als Sieger hervorzugehen; theoretische Behauptungen der souveränen Gleichheit haben keinerlei praktische Gültigkeit.

Das Fehlen einer kohärenten Strategie hat nun den Weg geebnet für ein internationales Eingreifen. Während also die Regierung dafür, dass sie die LTTE besiegt beklatscht und gelobt werden muss, wird die gleiche Regierung dafür beschuldigt, überhaupt erst die „reifen Bedingungen“ für die externe Einmischung geschaffen zu haben.

Frustrierten lokalen Gruppen und Organisationen blieb wenig anderes übrig, als sich an den Menschenrechtsrat zu wenden, um die Regierung zu zwingen, ihrem eigenem Volk zuzuhören. Das hat leider auch denjenigen mit verdeckten Interessen, die Möglichkeit geboten, auf den Zug aufzuspringen… Doch räumt nicht die Tatsache aus dem Weg, dass diese Regierung es versäumt hat, die Erwartungen seiner Bürger zu erfüllen.

Es ist nicht hilfreich, Aktivisten, die auf einige der realen Probleme aufmerksam machten, unter denen die Menschen in diesem Land leiden, als „LTTE-Agenten“ zu bezeichnen. Diese unseelige Attitüde von „entweder bist du für uns oder gegen uns“ kann nicht funktionieren. Wahre Versöhnung ist nur möglich, wenn die Regierung bereit ist, den Menschen im Lande zuzuhören. Die schlicht Wahrheit ist, diese Regierung war nicht bereit, die zentralen Fragen der Versöhnung und der Verantwortung ernst nehmen.

Die Regierung bittet immer wieder um „Zeit und Raum“ – aber in der enthusiastischen Art und Weise, in der sie die 18. Änderung der Verfassung im Parlaments durchdrückte, hätte die Regierung viele vertrauensbildende Maßnahmen durchdrücken können, und damit leicht die Herzen und Köpfe der gesamten Bevölkerung sowie hätte der internationalen Gemeinschaft gewinnen können.

Es ist bedauerlich, dass die Regierung gezwungen wurde, Zugeständnisse und Konzessionen auf einer internationalen Plattform zu machen, und damit noch mehr die traurige Tatsache bestätigt, dass diese Regierung nicht ohne Druck von außen in die richtige Richtung geschoben werden kann.

Als srilankische Staatsbürger, der dieser Regierung dankbar ist für das Ausrotten des Tiger Terrorismus, lebe ich in der Hoffnung, dass zumindest jetzt meine Regierung tun wird, was notwendig ist, um den Frieden zu gewinnen, und – ernsthaft und ehrlich – einen umfassenden Prozessplan zur Verwirklichung dieses Ziels vorlegt.

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