V. Anandasangaree


Übersetzt aus der srilankischen Wochenendzeitung “The Nation” vom 18. Januar 2009

Der Präsident der Tamilischen Vereinten Befreiungsfront (TULF) und Generalsekretär der neu gegründeten Demokratischen Tamilischen Nationalen Allianz (DTNA) Veerasingham Anandasangaree ist für das indische Modell als ein „Wundermittel“ für den srilankanischen ethnischen Konflikt. Er sagt, dass das indische Modell das ideale sein könnte, um eine letztgültige Lösung zu finden, da das Volk von Sri Lanka allergisch auf den Begriff „föderal“ reagiert. Anandasangaree hat den Sri Lanka besuchenden indischen Außenminister-Sekretär Shiv Shankar Menon am Freitag getroffen und ihm gesagt, dass Indien mehr Druck auf die srilankanische Regierung ausüben solle, um bald ein richtiges politisches Paket zu finden, das für die Tamilen akzeptabel ist. Er erzählte The Nation in einem Interview, dass das Zerstören der LTTE nicht die einzige Antwort auf die ethnische Frage ist und dass die Regierung es jetzt ernsthaft in Betracht ziehen muss, ein politisches Paket zu entwickeln.

Anandasangaree ist der Gewinner des Madanjeet Singh Preises der UNESCO von 12006 für die Verbreitung von Toleranz und Gewaltlosigkeit. Er war in den vergangenen fünfzig Jahren im Land in der Politik aktiv gewesen. Er begann seine politische Karriere, indem er in den CMC Wahlen 1959 gegen V.A. Sugathadasa antrat. Davon war er mit der LSSP verbunden. Er führt nun die neue DTNA – eine Allianz, die von der Volksbefreiungsorganisation von Tamil Eelam (PLOTE), welche D. Sidharthan führte, gebildet wurde, sowie von der Eelam Volksrevolutionsbefreiungsfront (EPRLF), welche von Varadaraja Perumal geführt wurde.

Es folgen Auszüge aus dem Interview

F: Wie stehen Sie zu dem gegenwärtigen militärischen Konflikt?

A: Wir können der Regierung nicht die Schuld geben. Das Leiden der Leute war so stark, dass die Leute selbst einen Durchbruch wollten, koste es, was es wolle. So habe ich selbst verschiedene Male die Regierung gebeten, den Leuten, die in den LTTE Gebieten leben, zu helfen. Ich habe auch den UN Generalsekretär gebeten und ihm gesagt, dass die Leute von Kilinochchi willens sind, eine freundliche Armee willkommen zu heißen. So sind die Leute froh, dass sie befreit sind. Natürlich gab es früher in Chemmani und an einigen anderen Stellen Quälereien durch die Regierungskräfte. Aber verglichen mit den guten alten Tagen ist das jetzt gar nichts. Nehmen wir zum Beispiel die Kriegsopfer. Ich sah eine Erklärung des TNA Führers Sampanthan, welcher sagte, dass auf dem Höhepunkt des Krieges acht innerhalb von zwei Wochen starben. Sogar wenn wir die ganze Zahl der Opfer nehmen, dann dürften es um 200 sein. Ich rechtfertige nicht einmal diese Zahl, aber die Leute müssen befreit werden. So unterstütze ich in dieser Hinsicht den gegenwärtigen Krieg gegen die LTTE.

F: Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach der Besuch des indischen Außenministeriums-Sekretärs in Sri Lanka?

A: Es ist in Hinblick auf das Finden einer dauerhaften Lösung der ethnischen Streitpunkte bedeutsam. Die LTTE und den Terrorismus zu bekämpfen ist eine Sache, aber eine Lösung für das Problem zu finden ist eine andere. Aber eines ist sicher. Indien wird den Krieg nicht stoppen. Das steht nicht zur Frage. Die indische Regierung hat selbst beschlossen, dass die Forderung von Tamil Nadu, den Krieg zu stoppen, ungerechtfertigt ist. Ich denke, dass der Besuch des Außenministeriums-Sekretärs von Indien eine Mission des guten Willens ist, und ich bin sicher, dass der Außenministeriums-Sekretär der Regierung geraten hat, einige vernünftige Handlungen durchzuführen, um die ethnische Krise zu lösen.

F: Was ist das Ergebnis Ihres Treffen mit dem ausländischen Sekretär?

A: Obwohl sich der Krieg seinem Ende nähert, gibt es gewisse Probleme, denen sich das Land jetzt gegenübersieht. So weit es die Tamilen im Nordosten betrifft, geht es einfach darum, die LTTE zu vernichten. Das ist aber keine Lösung für die Tamilenfrage. Wir haben unsere elementaren Rechte, unser Eigentum und uns liebe Personen verloren. Ich habe sechs Familienmitglieder wegen des Krieges verloren. Dann wurde auch das ganze Gebiet von Palaly bis Jaffna zerstört. Leute, die reich gewesen sind, sind jetzt arm geworden. Die Leute, die in Jaffna leben, haben alles verloren, weil die LTTE wollte, dass jeder ins Wanni umzieht.

Nun geschieht das gleiche bei den Leuten von Mannar. Die LTTE hat ihnen auch gesagt, sie sollen ins Wanni umziehen. Man hat nun gehört, dass mehr als 250.000 Leute nach Darmapuram vertrieben wurden. Dies ist ein Gebiet, in dem es viele tödliche und giftige Schlangen gibt. So habe ich dem indischen Außenministeriums-Sekretär erzählt, dass wir zwar die Regierung nicht tadeln können, weil sie einen Krieg führt, dass es aber eine Art von Mechanismus gegeben hat, wie man an die tamilische Frage herangeht. Ich erzählte ihm, dass dies im Interesse des Volkes notwendig geworden ist. Ich erzählte ihm auch, dass es keine Art von Waffenstillstand geben sollte, denn dies könnte der LTTE wie in der Vergangenheit Raum geben, sich neu zu gruppieren. Ich erzählte ihm, dass die Regierung mit einer Lösung aufwarten muss, welche für die Tamilen akzeptabel ist.

F: Sind Sie jetzt – entgegen der Spekulation, dass Indien auf die Regierung Druck ausüben könnte, damit diese einen Waffenstillstand in Kraft setzt – überzeugt, dass Indien keinen Druck auf die srilankanische Regierung ausüben wird, damit diese einen Waffenstillstand erklärt?

A: Jetzt ist es sehr klar. Sogar Indien versteht, dass die LTTE zu ihren eigenen Gunsten einen Krieg führt. Ich bin nun zuversichtlich, dass Indien keinen Druck auf die Regierung ausübt, damit diese einen Waffenstillstand erklärt.

F: Glauben Sie, dass es zur gleichen Zeit, in der in der einen Ecke des Landes die Kämpfe weitergehen, ein politisches Paket unterbreitet werden muss?

A: Ja. Dies glaube ich und ich habe schon den Präsidenten darüber informiert. Ich sage dem Präsidenten noch, dass er das Staatsoberhaupt ist und das Recht hat, jeden gleich zu behandeln. Ich sage ihm, dass er nicht von der Zustimmung des Südens abhängen muss, um eine Lösung für den Norden zu finden.

F: Aber der Präsident sagt, dass eine Übereinstimmung aller politischer Parteien wesentlich ist, um eine Lösung zu finden?

A: Ich denke, das ist unlogisch. Zuerst ist es unmöglich, mit 16 oder 17 Parteien zu einer Übereinstimmung zu kommen, weil jede Partei ihre eigene Ansicht hat. Nach dem Verlust vieler Tausender von Leben und von Eigentum denke ich nicht, dass wir warten können, bis alle Parteien einer Lösung zustimmen. Verschiedene politische Parteien haben ihre eigenen Meinungen. Einige sind radikal, einige sind vernünftig und einige sind unvernünftig. Es sollte meiner Ansicht nach andersherum gehen.

Die Regierung muss eine Lösung präsentieren und dann das Volk fragen, ob sie dazu einen Beitrag leisten wollen. Wenn ich in so einer Situation der Präsident wäre, würde ich sagen, dass ich jeden gleich behandeln will und eine Lösung finden will und der Nation ein politisches Paket präsentieren will. Ich würde die Minderheitsgemeinschaft überzeugen, meinen Vorschlag zu akzeptieren. Ich würde der Mehrheitsgemeinschaft die Versicherung geben, dass ich das Land nicht verkaufen will.

F: Sind Sie auf dieser Basis gegen das APRC Konzept?

A: Ich bin nicht dagegen. Der Minister, der dafür verantwortlich ist, sagt, dass die politischen Parteien zu einer Übereinstimmung von 90 % gekommen sind. Aber wird dies das Problem lösen? Der Überschuss von fünf bis zehn Prozent ist das Wesentliche und wenn es darüber keine Übereinstimmung gibt, wie kann dann eine Lösung gefunden werden? Nachdem ich nun dies gesagt habe, muss ich hinzufügen, dass die Leistung der APRC bemerkenswert ist.

Q: Die Regierung steht fast kurz davor, die Tiger auszulöschen, aber der Nation wurde noch kein angemessenes politisches Paket präsentiert. Sind sie deswegen in Sorge?

A: Ich bin wirklich deswegen in Sorge. Ich habe der Regierung gesagt, dass dies die beste Zeit ist, um ein politisches Paket zu präsentieren. Traurigerweise gibt es Leute im Süden, welche fragen, was die Probleme der Tamilen sind. Die meisten Leute denken nun, sobald die LTTE ausgelöscht ist, sind auch die Probleme der Tamilen vorbei. Ich denke, dass die Regierung dafür Raum lässt. Ich denke, um eine Lösung zu finden, müssen sich die herrschende Partei und die hauptsächliche Opposition zusammensetzen. Dies ist etwas, das wir niemals in der Geschichte gefunden haben. Wenn wir davon sprechen, zu einer Übereinstimmung zu kommen, ist es die Übereinstimmung der hauptsächlichen Parteien, welche notwendig ist. Es gibt Parteien mit einer kleinen Zahl. Aber die Regierung muss die zwei hauptsächlichen Parteien um ihre Ratschläge fragen und dann eine Lösung finden.

Q: Nach der Befreiung des Nordens plant die Regierung, im Norden die Wahl zum Provinzrat abzuhalten. Wird Ihre Partei kandidieren?

A: Ich werde für die Wahl kandidieren, wenn ich zuversichtlich bin, dass es eine freie und faire Wahl geben wird. So wie es jetzt ist, sind die Leute nicht frei. Sogar nachdem die Gebiete von der LTTE befreit wurden, sehe ich nicht, dass die Leute von Jaffna wirkliche Freiheit genießen. Ihr Denken und ihre Reisetätigkeiten sind eingeschränkt, weil eine andere Gruppe versucht, den Platz statt der LTTE zu übernehmen. Die Leute sagen, dass ihre Bewegungen überwacht werden. Dies schränkt ihre Bewegungsfreiheit ein. Die Leute müssen frei in ihrem Denken und Handeln sein. Aber in Jaffna ist dies meist nicht der Fall. Die Leute müssen eine Entscheidung über die Verdienste der Regierung treffen – und dies darf nicht geschehen, indem ihnen Parteien, welche die Regierung unterstützen, Arbeit gehen und auf verschiedene Weise helfen. Es sollte allein auf der Grundlage der Verdienste der Regierung geschehen, dass den Leuten erlaubt wird, zu wählen. So wie es heute ist, gibt es keine Freiheit in Jaffna.

Q: Die Regierung hat zugestimmt, den Chef der LTTE Prabhakaran Indien zu übergeben, wenn er verhaftet wird, nachdem Indien einen Auslieferungsantrag gestellt hat. Stimmen Sie damit überein?

A: Wenn Prabhakaran Indien übergeben wird, bin ich sicher, dass die Leute in Tamil Nadu Druck auf Neu Delhi ausüben werden, damit ihn Neu Delhi begnadigt. Ich denke, dass der Sekretär des Verteidigungsministeriums sagt, dass ihm, wenn er verhaftet wird, hier zuerst der Prozess gemacht werden muss. Der Punkt der Auslieferung basiert auf einem Abkommen zwischen den zwei Ländern. Aber hier hat der Mann schlimmere Verbrechen begangen und er sollte hier schwer bestraft werden.

Q: Sie haben sich andauernd für das indische Modell ausgesprochen, als eines, welches Sri Lanka dazu dienen könnte, die ethnische Krise zu lösen. Warum unterstützen Sie dieses Modell?

A: Sie sehen, kürzlich war der Aufruhr in Tamil Nadu nach ihren Forderungen nach einem Waffenstillstand unvernünftig und als Resultat hatte er keine Wirkung auf Sir Lanka. Aber wenn die Forderungen vernünftig gewesen wären, dann hätte es eine ernsthafte Wirkung gegeben. Der Moment, indem wir sagen, dass ähnlich wie im indischen Modell die Macht in Sri Lanka föderativ abgegeben werden soll, würden die ganzen 60 oder 70 Millionen Leute, welche in Tamil Nadu leben, schweigen. Zweitens ist auch das Wort „Einheitsstaat“ nicht gut.

Was in der Soulbury Verfassung passiert ist, kann wieder passieren. Abschnitt 29 der Soulbury Verfassung hat genügend Sicherheitsklauseln für die Minderheit, aber mit einer Zweidrittelmehrheit wurde dies von der singhalesischen Regierung geändert. So sagt die indische Verfassung nicht, ob Indien einheitlich den Wesen nach ist oder sonst etwas. Da die Leute in Sri Lanka allergisch auf den Ausdruck „föderal“ reagieren, hatte ich das indische Modell vorgeschlagen.

Ich habe dies mit hohen Führern der politischen Parteien, einschließlich der Regierung und der Opposition, diskutiert. Ich habe mit den hohe buddhistischen Priestern und Bischöfen gesprochen und in kurzen Worten muss ich sagen, dass ich keine einzige Person getroffen habe, welche mich bei dieser Streitfrage angegriffen hätte. Ich denke, dass dies die Lösung ist, die am besten funktioniert und die ich sogar jetzt der Regierung vorschlagen kann. Der Präsident sollte dies als Ausgangspunkt ernsthaft in Betracht ziehen.

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