Rohan Gunaratna


„Ich habe das Video noch nicht geprüft nicht, aber es könnte solche Tötungen gegeben haben“Prof. Rohan Gunaratna

Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion aus The Sunday Leader

Von Raisa Wickrematunge

Colombo – Professor Rohan Gunaratna wird als internationaler Terrorismus-Experte bezeichnet. Nachdem er mehrere Bücher über Al-Qaida und der LTTE geschrieben hat, ist er nun auch der Leiter des Internationalen Zentrums für Politische Gewalt und Terrorismus-Forschung an der Nanyang Technological University in Singapur.

Diese Woche war er in Colombo Teilnahmer an einem dreitägigen Seminar auf Einladung des Verteidigungsministeriums mit dem Titel „Sieg über den Terrorismus – Srilankischen Erfahrungen“. Das Seminar, bei dem Prof. Gunaratna war auch einer der Hauptredner war, fand vom 31. Mai bis 2. Juni in Colombo statt.

In diesem Interview mit dem Sunday Leader Gunaratna kommentierte Gunaratna die UNO- Menschenrechte-Panel, das derzeit in Genf stattfindet und die militärische Strategie, die verwendet wurde, um den Krieg gegen die LTTE zu gewinnen.

Auszüge:

Frage: In Ihrer Ansicht nach, wie authentisch glauben Sie kann das Channel 4 Video sein? Eine vollständige Untersuchung der Sache wird von der internationalen Gemeinschaft vorgeschlagen. Sind Sie damit einverstanden, dass eine solche Untersuchung eingeleitet werden sollte?

Gunaratna: In jedem Krieg werden Zivilisten getötet. Im Irak und in Afghanistan, wurden eine Million Zivilisten getötet. Die Skala der zivilen Tode in Sri Lanka ist sehr klein bemessen im Vergleich zu den vorgenannten. Als grundsätzliche Politik hatte das srilankische Militär keine Zivilisten zum Ziel, wie die USA es getan haben. Obwohl nicht auf sie gezielt wurde, starben viele Zivilisten in den Konfliktregionen. Es gibt einige wenige Leute, die nahmen das Gesetz in ihre eigenen Hände. Ich habe das Video noch nicht untersucht, aber es könnten solche Morde gewesen sein. Wenn und wo solche Morde stattgefunden haben, sollte die Regierung untersuchen, weil es falsch ist, Zivilisten oder sogar Kader zu ermorden. Aber dabei sollte es Augenmaß geben. Ich glaube nicht, dass ein Land oder eine Organisation dabei mit dem Finger zeigen sollte. Jedes Land sollte solche Fälle untersuchen.

Frage: Die Regierung besteht darauf, dass die Bilder in dem Video frisiert sind. Stimmen Sie zu?

Gunaratna: Ich weiß nicht, ich habe sie nicht untersucht. Aber ich bin sicher, es gibt die, die eine gute technische Analyse des Videos geben können. Untersuchungen sind sicherlich im Gange.

Frage: Es gibt die mittlerweile schrille Forderung der UN nach Untersuchungen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen durch Sri Lanka in der Endphase des Krieges. Das Video von Channel 4 ist das Schlüsselereignis zur Unterstützung dieses Forderung nach einer Untersuchung wegen Kriegsverbrechen. Als Terrorismusbekämpfungs-Experte, welchen Rat würden Sie der Regierung geben oder welche Maßnahmen sollte der Staat in diesem Fall ergreifen?

Gunaratna: Die UNO hat anerkannt, dass die Lernerfahrungen und Versöhnungskommission (LLRC) das wichtigsten Mittel im Umgang mit dieser Materie sein soll. Als Robert Blake Sri Lanka besuchte, gab er eine Erklärung ab, dass die LLRC der lokalen Mechanismus sein sollte, der Priorität erhält.

Ich sehe keinen Grund, warum ein anderer, internationaler Akteur beteiligt werden sollten. Die LLRC sollte ihren Job ordentlich machen. Denn wenn sie fehlschlägt, wird dies eine Gelegenheit für die Regierungs-Kritiker sein, zu sagen, dass die internationale Gemeinschaft die Ermittlungen durchführen soll.

Meiner Meinung nach hat die LLRC enorme Fortschritte gemacht. Ich persönlich denke, die srilankische Regierung sollte sich für die Diskussionsteilnehmer engagieren. Sie sollte ihre Fragen beantworten. Die Regierung sollte agieren, nicht auf den Bericht reagieren. In der Tat sollte es eine umfassende Antwort auf alle Berichte und Behauptungen geben – auch wenn die Vorwürfe unbegründet scheinen.

Frage: In einem Interview 2009 wurden Sie zitiert mit den Worten, dass Sri Lanka daran arbeiten sollte, Kumar Pathmanathan („K.P.“) zu verhaften, wegen seiner Unterstützung der LTTE. Was ist Ihre Position in dieser Frage jetzt?

Gunaratna: Jeder Terrorist, der Reue zeigt, sollte nicht weiter verfolgt werden. Er sollte rehabilitiert werden können und eine zweite Chance erhalten. „K.P.“ schickte Tausende von Tonnen von Waffen an die LTTE. Aber er hat der LTTE abgeschworen, so dass es keinen Sinn hat, ihn weiter zu verfolgen. Jedes Land sollte diesen Richtlinien folgen. Ein Mensch, der im Gefängnis sitzt, wird sich und seine Ansichten nicht ändern. Ich weiß, darüber werden einige Singhalesen-Hardliner nicht glücklich sein, aber wir müssen alle Opfer im nationalen Interesse bringen. Ich glaube sogar, dass Leute wie V. Rudrakumaran nach Jaffna eingeladen werden sollten, und eingeladen werden, dem politischen Mainstream beizutreten. Wenn sie wirklich gute Bürger sind, werden sie an der nationalen Entwicklung teilnehmen und sich engagieren, zum Wohle aller Bürger.

Frage: In diesem Seminar waren Sie einer der Hauptredner. Welche Beispiele für militärische Taktik haben Sie gelobt, die benutzt wurde, um den Krieg gegen die LTTE zu gewinnen?

Gunaratna: Im Gegensatz zu früheren Zeiten, erhöht das srilankische Militär die Dichte seiner Reihen. Von 2006 bis 2009 verdoppelte sich die zahlenmäßige Stärke. Im Frühjahr 2006 gab es über 100.000 Männer und Frauen in der Armee. Bis Mai 2009 war diese Zahl auf 200.000 erhöht, sie standen an mehreren Fronten. Zweitens waren die militärischen Kommandeure erfahrenen und gebildet. Die Kommandeure erwiesen sich als hoch qualifiziert bei der Nutzung von Taktiken und Techniken. Sie gingen auf Militär-Schulen in den USA, Indien und Pakistan. Also die Qualität der Kommandanten war sehr gut. Drittens hat die LTTE selbst versagt. Mehr als 50% der LTTE-Kader waren zwangsrekrutiert. Sie haben nicht mit dem Herzen gekämpft. Die Zeit des Friedens hatte es für Prabhakaran schwer gemacht, darauf zu drängen, weiterhin seinen Traum zu verfolgen. Kader verheiratet einander, verliebten sich untereinander. Sie kamen nach Colombo, um Vorhänge oder Möbel zu kaufen. Ihr Lebensstil veränderte sich. Die LTTE war einst eine schlanke, gemeine Organisation. selbst Karuna Amman ging nach Bangkok und England, und sagte sich: „Warum soll ich im Dschungel leben?“ Das ist es, warum sie nicht so mutig waren, zu kämpfen und für etwas zu sterben. Sie wollten leben. Deshalb haben sich mehr als 11.500 von ihnen ergeben, sie alle wurden in die Rehabilitation gebracht.

Die verwendete Taktik des Militärs hatten sich ebenfalls geändert. Zuvor operierte man in großen Formationen. Diesmal nutzte man kleine Teams, ähnlich wie Guerilla-Einheiten. Alle militärischen Elite-Kräfte, die beide Kommandos sowie Spezialeinheiten und Fernaufklärer-Teams gingen tief in den Dschungel und schlugen die LTTE von der Rückseite her, was sie stark destabilisierte. Ihre logistische Netzwerke wurde unterbrochen, als unsere Kräfte ihre Schiffe zerstört.

Frage: Wie nützlich war das Seminar „Die Überwindung des Terrorismus – srilankische Erfahrungen?

Gunaratna: Die Armee hat ihre Erfahrungen mit der Bekämpfung des Terrorismus mitgeteilt. Einer der wichtigsten Aspektewar, wie das Militär bei den letzten Phasen der Kämpfen Zivilisten gepflegt und gerettet haben. Einer der Kommandeure in einem Lazarett brachte eine Präsentation, die zeigte, wie Militär-Ärzte und -Krankenschwestern Soldaten, Zivilisten und LTTE Kader gleichermaßen behandelten. Der Generalkommissar für Rehabilitation erläuterte, wie 11.000 freigegeben Kinder ihre Ausbildung fortgesetzt haben oder ihre Ausbildung beendeten. Einige können jetzt zur Universität gehen, Medizin studieren. Frauen und ältere Kader wurden schnell freigelassen, und das Rehabilitationsprogramm wird fortgesetzt. Ausländischen Teilnehmer wurden die humane Aspekte des Militärs gezeigt, die diese Kader neu ausgerichtet wurden und man ihnen eine zweite Chance gab – im Gegensatz zu dem traditionell-konventionellen repressiven Ansatz.

Frage: Glauben Sie, dass eine terroristische Gruppe wie die LTTE wieder auferstehen könnte?

Gunaratna: Ich glaube nicht, dass wir je in dunkle Zeiten zurückkehren werden. Ich habe mit Kadern geredet, die sagten, Prabhakaran habe selbst mit all seinen Panzern und Mörsern nicht erreichen konnten, was er wollte. Also gibt es selbst innerhalb der LTTE Kader, die einem friedlichen Weg befürworten.

Frage: Es gibt viele Tamilen (darunter auch einige Abgeordnete), die sie noch in Bezug auf Gleichberechtigung benachteiligt sind. Stimmen Sie zu? Was denken Sie, sollte getan werden, damit dies nicht wieder passiert?

Gunaratna: Ich glaube, dass die Leute, die im Norden leben, glücklich sind. Es gibt ein nur ein paar Politiker, die nicht beteiligt sind an der Entwicklung im Norden und Osten. Wenn sie sich über die Rechte der Menschen sorgen, sollten sie sich beim Wiederaufbau von Krankenhäuser und Schulen engagieren. Oder sie sollten einfach in den Norden fahren und selber sehen, was dort passiert, ohne auf Propaganda zu hören oder eigene, voreilige Schlussfolgerungen zu fällen. Singhalesen und Tamilen müssen jetzt alle zusammenarbeiten, ohne sich auf politisch motivierte Fragen zu kaprizieren.

Ich denke, die politischen Führer müssen eine srilankische Identität und dazugehörigen Nationalismus schaffen, anstatt singhalesischen oder tamilischen Nationalismus zuzulassen. Es gibt jetzt drei Herausforderungen. Zuerst muss der Präsident die tamilische politische Führung aufbauen und zulassen. Die politische tamilische Führung wurde am Stamm abgeschnitten und hat unendlich gelitten.

Sri Lankas Beziehungen mit dem Westen leiden derzeit auch. Noch wichtiger aber ist, die Beziehungen Sri Lanka zu Indien aufrecht zu erhalten. Unsere Beziehung mit China ist wichtig, aber die mit Indien ist von größter Bedeutung. Also müssen wir einen qualifizierten diplomatischen Dienst aufbauen. Das Auswärtige Amt ist kläglich gescheitert bei dem Versuch, die Realität Sri Lankas zu vermitteln. Eine ordentlicher Auswärtiger Dienst wird jetzt benötigt, ohne politische Freunde, Familie und Fans, die zu Botschaften entsendet werden. Dann müssen wir die Menschen über die Realität informieren. Einigen LTTE-Medien wie TamilNet überzeugten ein winziges Segment der NGOs davon, dass es in großem Maßstab Tod und Verderben gab, was nie passiert ist.

Ein riesiger Aufwand seitens der srilankischen Führung ist dazu erforderlich. Sie müssen verstehen, warum die ethnischen Konflikte zustande kamen und die anstehenden Themen lösen. Ansonsten wird es zu einer Verschlechterung der Lage führen.

Frage: In diesem Szenario nach dem Krieg, welche Rolle sollte die Armee spielen? Glauben Sie, dass es eine Notwendigkeit für mehr Rekruten in der Armee gibt?

Gunarantna: Die Armee hat sich von einem Krieg- Kämpfer in einen Hüter des Friedens, eine Nationen Erbauer verwandelt. Wir sollten größere Polizei-und Geheimdienstdiensten-Kräfte haben. Die meisten der neuen Rekruten sollte Tamilen und Muslime sein. Die Minderheiten sollten in den Streitkräften repräsentiert sein, vor allem im Norden und Osten. Die Armee (Special Forces und Kommandos) sollte sich auf den Aufbau der Nation konzentrieren. Bisher sind bereits Rs 8 Milliarden ausgegeben für Rehabilitation, Wiedereingliederung und Wiederaufbau. Das ist ein sehr bedeutender Prozentsatz in jedem Budget. Ich wurde darüber informiert das vom Armee Budget von 120 Milliarden Rs. ganze 90 Milliarden in die Bezahlung von Löhnen fließen.

Also, was jetzt wichtig ist, dass wir die Armee um 50% verkleinern. Diese Leute haben bemerkenswerte Kunststücke durchgeführt – das Beförderung von Personen, sie haben ihnen Nahrung gegeben und eine Dach über den Kopf. Also in dieser humanitären Nachkriegs-Phase denke ich, dies ist eine ausgezeichneter Übergang, es sollte als Modell von anderen Nationen genutzt werden. Ich denke, einige Soldaten sollten auch in Sachen Public Relations geschult werden. Wir sollten uns ‚Info Warriors, Informations-Krieger leisten.

Sri Lankas Ruf hat gelitten bei denen, die wütend sind, dass wir den Krieg gewonnen haben. Aber wir könnten einige Soldaten in PR trainieren, sogar einige jüngere Offiziere.

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