Cho Ramaswamy


„Die Tiger müssen vollständig zum Schweigen gebracht werden, wenn die srilankanischen Tamilen ihre Rechte wollen“Cho Ramaswamy, tamilischer Journalist

Übersetzung eines Interviews der Asian Tribune vom 12. Okt. 2008

Cho Ramaswamy ist ein tamilischer Intellektueller, der es liebt, gegen den Strom zu schwimmen. Und dies macht er immer öffentlich. Seine scharfe Zunge ist allseits gefürchtet und er zieht zum Vergnügen seiner Bewunderer – von denen es eine ganze Menge gibt – aus diesem Umsatnd ganz und gar seinen eigenen Nutzen.

Ramaswamy ist Journalist, Theaterautor, Schauspieler und vor allem ein einzelgängerischer politischer Denker und Kommentator. Er spielt in der zeitgenössischen indischen Politik eine sehr wichtige Rolle. Cho ist seit jeher ein bekannter Kritiker von Jayalalithaa, denn er stimmt mit ihrer Art der Politik nicht überein. Dennoch hat er die AIAIDMK und die BJP zusammengebracht und die Dame von Poes Garden hilft der Hindutva Partei dabei, ihre erste Regierung in Delhi zu bilden. Nachdem seine Aufgabe beendet war, kehrte er zu seinen alten Vergnügungen zurück und nahm sein Hobby, mit Worten auf die Politiker – einschließlich Jayalalithaa – zu schießen, wieder auf.

Er hat viel zu der gegenwärtigen politischen Situation in Tamil Naadu zu sagen. Diese Situation habe eine Beziehung zu Sri Lankas Kampf gegen Prabhakaran in den Wäldern von Killinochchi. In einem langen Telefon-Interview mit der Asian Tribune sagt Cho Ramaswamy:

„Nun… Meine Meinung ist sehr klar. Indien sollte den Tigern nicht helfen, den Händen des srilankanischen Militärs zu entkommen. Wenn die Tamilen die gleichen Rechte wie die Singhalesen bekommen sollen, wenn die Tamilen eine föderale Einrichtung brauchen, dann bedeutet dies, dass die Tiger vollständig zum Schweigen gebracht werden müssen. Indien sollte sich in diese Situation nicht einmischen. Indien kann nur darauf bestehen, dass die srilankanische Regierung mit ihren Tamilen fair umgeht.

Weiter sagt Cho Ramaswami:

Wenn sie (die Tamil Nadu Politiker) wirklich an der Notlage der Tamilen in Sri Lanka interessiert wären, dann müssten sie einstimmig von Prabhakaran verlangen, aufzuhören, unschuldige Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu nützen und diesen zu erlauben, vom Schlachtfeld wegzukommen. Aber: das machen sie nicht.“

Auszüge aus dem Interview:

AT: Die Politiker von Tamil Nadu scheinen in diesen Tagen wegen der Berichte aus Sri Lanka sehr beunruhigt zu sein, besonders wegen der Berichte aus dem Krieg gegen die LTTE Tiger. Wir lesen Berichte, dass Tamil Naadu sich wegen der Tamilen in Sri Lanka Sorgen macht. Sogar der Haupt-Minister Karunanidhi und die Kommunistische Partei Indiens (CPI) scheinen für die LTTE einzutreten. Was sagen Sie dazu?

Cho: Bis vor kurzem wurde die Regierung von Indien fast ganz von ihnen (d.h. von den Linken Parteien – CPI und CPI-M) beherrscht. Der Premierminister Dr. Manmohan Singh tanzte nach ihrer Pfeife. Frau Sonia Gandhi (Kongresspräsidentin) führte immer aus, was sie wünschten. In allen diesen Tagen und Monaten und Jahren (seit fast viereinhalb Jahren sind die CPI und die CPI-M Teil der Regierung von Indien) haben sie nie die Frage der Tamilen von Sri Lanka aufgeworfen. Aber jetzt, wo sie überhaupt nicht mehr in der Regierung sind, da stellen sie Forderungen wegen der Tamilen und all dem auf. Sie wissen, dass sie hier (in Tamil Naadu) nichts Wesentliches zu sagen haben. Das ist alles. Es ist nur eine politische Schaunummer. Es ist in der Tat nur politisches Posieren. Nichts sonst.

AT: Was ist mit dem Haupt-Minister und DMK Führer Muthuvel Karunanidhi, dem größten Führer in Tamil Naadu? Was ist mit seinen jüngsten Kommentaren…?

Cho: Er  (Karunanidhi) wird auch nichts deswegen (d.h. wegen der srilankischen Tamilenfrage) unternehmen. Als nur eine Zeitung von allen indischen Zeitungen veröffentlichte, dass er faktisch drohte, die von Manmohan Singh angeführte Koalition auseinanderbrechen zu lassen und so die Zentralregierung in den Abgrund zu führen, da hat Karunanidhi sofort den Bericht abgeleugnet. Er hat in der Tat (auf diese Beschuldigung hin) eine einseitige Antwort in seiner `Murasoli` (DMKs tamilische Tageszeitung) gegeben und darin gesagt, dass er sich nie so geäußert hätte und dass die Leute, die sagen, dass er sich aus der Delhi Regierung zurückziehen würde und die Manmohan Singh Regierung in den Abgrund treiben würde, „alles Verräter“ sind. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass er begierig darauf ist, dem Zentrum zu sagen, dass er nichts Drastisches unternehmen wird. Deswegen ist er besorgter als wegen der Notlage der srilankischen Tamilen.

AT: Sie wissen, dass ich ein srilankischer Tamile bin. So kennen Sie wie ich die grundlegende Situation. Lassen Sie mich Ihnen die wirkliche Situation in den vom Krieg verwüsteten Gebieten, die von Prabhakaran kontrolliert werden, schildern. Es gibt ungefähr 200.000 Binnen-Obdachlosen in den von der LTTE kontrollierten Gebieten – fast 100 % von ihnen sind Tamilen. Er benutzt die Tamilen als menschliche Schutzschilde und erlaubt ihnen nicht, die Kriegszone zu verlassen und sicherere Gebiete aufzusuchen.

Cho: Ich weiß. Das habe ich auch der BBC in einem Interview, das ich vor kurzem gab, gesagt. Sehen Sie, wären die Leute hier in Tamil Naadu wirklich an der Notlage der Tamilen in Sri Lanka interessiert, dann würden sie einstimmig von Prabhakaran fordern, ihnen zu erlauben, vom Schlachtfeld weg zu kommen. Aber: Das machen sie nicht.

AT: Lassen Sie mich Ihnen etwas sagen, dessen Sie sich vielleicht nicht ganz bewusst sind. Direkt von Beginn des Aufstands ab hat die srilankische Regierung Nahrung und andere notwendige Güter in den Norden geschickt, in die Gebiete, die von Prabhakaran beherrscht werden. Sie hat den in zeitweiligen Unterkünften lebenden Familien und jenen, die noch in der Kriegszone und nahe daran leben, medizinische Hilfe zukommen lassen. Nach dem Tsunami haben Prabhakaran und seine LTTE Millionen und Abermillionen von Dollar, gespendet von der internationalen Gemeinschaft und auch von der tamilischen Diaspora, gesammelt. Wir wissen nicht, was er mit dem Geld gemacht hat. Weil es die srilankanische Regierung ist, welche als eine verantwortungsbewusste Regierung die Wiedereingliederungs-Arbeit unternommen hat. Wir wissen nicht, was die Tiger mit dem ganzen Geld machen, das in ihre Schatzkisten geflossen ist, eigentlich,um das Unglück der Tamilen zu erleichtern.

Cho: Wir wissen sehr gut, dass er (Prabhakaran) nicht jede (Tsunami)Spenden, die er für den Nutzen der tamilischen Zivilisten bekommen hat, verteilt hat.

AT: Erinnern Sie sich: Von 1984 bis 1987 hat ganz Tamil Naadu Prabhakaran unterstützt. Die Tamil Naadu Führer haben Rajiv Gandhi dazu gebracht, die indische Armee zu schicken, um die srilankanischen Tamilen zu beschützen. Aber was passierte danach? Prabhakaran griff die indische Armee an und 1400 oder mehr indische Soldaten wurden getötet. Am Ende verschworen sich Prabhakaran und Pottu Amman gegen Rajiv Gandhi, schickten eine Selbstmordattentats-Gruppe und Rajiv Gandhi wurde auf dem Boden von Tamil Naadu bei einer Explosion in Stücke gerissen. Ich frage mich, ob sich das gleiche Szenario heute in Tamil Naadu unter dem gleichen politischen Führer M. Karunanidhi wiederholen kann. Was versuchen sie zu tun? Wollen sie, dass auch Dr. Manmohan Singh von Prabhakaran getötet wird? Wollen Sie, dass die Witwe von Rajiv Gandhi von Prabhakaran in Stücke gerissen wird? Bitte kommentieren Sie dies!

Cho: Nun…meine Meinung ist sehr klar. Ich habe schon meine Meinung gesagt. Indien sollte den Tigern nicht helfen, den Händen des srilankanischen Militärs zu entkommen. Wenn die Tamilen die gleichen Rechte wie die Singhalesen wollen, wenn die Tamilen eine föderale Einrichtung wollen, dann bedeutet das, dass die Tiger vollständig zum Schweigen gebracht werden müssen. Indien sollte sich in diese Situation nicht einmischen. Indien kann nur darauf bestehen, dass die srilankischen Regierung mit ihren Tamilen fair umgeht.Ich denke, dies ist nicht die Zeit, um sich Gedanken um die Rechte der Tamilen und ihren Wunsch nach einer föderalen Einrichtung zu machen. Dies jetzt, da das srilankische Militär sehr nahe bei Killinochchi ist.

AT: Ich denke, die Armee steht nur zwei Kilometer vor Killinochchi…

Cho: Ja, ich weiß. Darum sage ich, dass dies nicht die richtige Zeit für Indien ist, um sich (in Sri Lanka) einzumischen. Sehen Sie, alles in allem wollen wir nicht, dass sich Pakistan in Kashmir einmischt. Deshalb können wir nicht eine Regel haben, die für uns gilt, und eine andere, die für Sri Lanka gilt. Der srilankischen Armee muss gestattet sein, Prabhakaran und seine Tiger-Kader zu beseitigen, und dann kann Indien erst den Streitpunkt der Notlage der srilankischen Tamilen aufnehmen, falls die Rajapakse-Regierung keine Maßnahmen ergriffen hat, um die ethnischen Streitpunkte in diesem Land zu lösen.

AT: Danke.

Cho: Danke ebenso.

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