Sri Lankas Suizidrate eine der weltweit höchsten


Von Sujeewa Amaranath 
am 28. September 2012

Colombo – Neue offizielle Daten zeigen auf, dass Sri Lanka immer noch eine der höchsten Suizidraten der Welt hat, mit fast 4.000 Menschen, die sich selbst pro Jahr töten, das bedeutet etwa 11 pro Tag. Dr. Neil Fernando, der das National Institute of Mental Health Promotion des Landes leitet, veröffentlichte die Zahlen in einem „Seminar zum Suizid Präventions Tag“ am 10. September. Die Mehrheit der Opfer, berichtete er, seien demnach zwischen 15 und 44 Jahre alt.

Präsident Mahinda Rajapakse behauptet, dass der Inselstaat ist das „aufsteigende Wunder von Asien“ sei. Aber Armut, Arbeitslosigkeit, hohe Schuldenlasten und andere soziale Probleme – die wichtigsten Faktoren hinter der hohen Suizidrate – sind im ganzen Land sehr verbreitet.

Diese harten tagtäglichen Realitäten von Tausenden von Sri-Lankern wurde jüngst durch den tragischen Selbstmord des 35-jährigen Milton Rupes Nonis in Kalaeliya, etwa 20 km nördlich von Colombo hervorgehoben. Nonis, ein Vater von drei Kindern im schulpflichtigen Alter, war konfrontiert mit unerträglicher, aussichtsloser Armut, Arbeitslosigkeit und Schulden. Er erhängte sich am 1. September.

Niroshini Amarasinghe (Bild, mit ihren Kindern), die trauernde 30-jährige Witwe, sagte Reportern, dass ihr Mann ein Zimmermann war, aber „unfähig, normale Schreinerarbeiten zu bekommen und am Ende gezwungen war, Gelegenheitsjobs zu verrichten, um den kargen Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen.“

Nonis hatte sich Arbeit gesichert „beim Aufräumen von privaten Ländereien“, sagte sie, sei aber in den letzten Monaten „süchtig nach Alkohol“ geworden, wegen der Probleme, die und seine Familie konfrontierten. „Wir hatten gerade erst die Reise unseres gemeinsamen Lebens begonnen. Wir hätten nie gedacht, dass er Selbstmord begehen würde.“

Amarasinghe erklärte, dass ihr Mann an seine Unfähigkeit nagte, Schulbücher für ihre Kinder im Alter von 8, 10 und 12 zu kaufen. „Wir hatten Kredit eine von 50.000-Rupien (ca. $ US 385,–) bei einer Bank aufgenommen“, erzählt sie.

„Ich arbeite in einer Kokosfaser-Mühle und verdienen nur rund 10.000 Rupien für den ganzen Monat. Das ist sehr schlecht und unzureichend für unsere Bedürfnisse. Verwandte helfen uns zwar, aber das Leben ist nun imso schwieriger geworden, weil ich die ganze Last allein zu tragen habe. Wir müssen uns selbst ernähren sowie Aufrechterhaltung der Kindererziehung mit der geringen Menge I zu verdienen.“

Amarasinghe sagte, ihr einzige Hoffnung sei, ihre Kinder eine anständige Ausbildung zu ermöglichen. „Aber ich machte mir Sorgen, ob ich das in dieser Situation schaffe“, fügte sie hinzu.

Die Bewohner im dicht besiedelten Kalaeliya und der Umgebung sind abhängig von Gelegenheitsjobs, um zu überleben. Bitterste Armut, Arbeitslosigkeit und Mangel an richtigen Erziehung breitet sich aus. Viele Bewohner gehen fischen in einem nahegelegenenm völlig verschmutzten Kanal. Einige Jugendliche können gering bezahlte Arbeiten in Textilfabriken ergattern. Das Gebiet ist anfällig für Überschwemmungen, selbst nach leichten Regenfällen.

Nonis hatte begonnen, ein kleines Haus zu bauen, um ihre heruntergekommenes altes Hause zu ersetzen, erklärte Amarasinghe.

„Wir fingen an, zu bauen mit 150.000 Rupien, die wir bei einer Lotterie gewonnen hatten, aber seit seinem Tod, weiß ich nicht, ob ich es schaffen werde, es zu vollenden. Ich habe keine anderen Einkünfte und kämpfe Tag um Tag, um den täglichen Bedarf mit dem Hungerlohn zu erfüllen, den ich von der Kokos-Fabrik erhalte,“ sagte sie.

Während die Rajapaksa Regierung behauptet, dass die Armut im Lande im Jahr 2011 auf 8,9 Prozent sank, liegt der Grund dafür in einer extrem niedrigen angesetzten, offiziellen Armutsgrenze: basierend auf den Stand vom August, sind das nur 3569 Rupien pro Monat pro Person oder 118 Rupien (90 US-Cent) pro Tag. Eine ähnliche Statitikschiebung gibt es bezüglich der offizielle Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent. Dies schließt jedoch diejenigen, die in kurzfristigen, instabilen Gelegenheitsjobs beschäftigt sind, oder jene, die nur für ein paar Stunden arbeiten, mit ein.

Dr. Fernando sagte, dass die „Risikofaktoren für Selbstmord“ seelische und körperliche Krankheiten, Alkohol und anderer Drogenmissbrauch, chronische Erkrankungen, akute seelische Not, Gewalt und plötzliche und großen Veränderungen im Leben der Menschen sind, wie der Verlust von Arbeitsplätzen oder die Trennung von einem Partner. Dr. Fernando behauptete, dass die Suizidrate durch die Verbesserung der Lebenskompetenzen und kulturelle Perspektiven von Kindern durch bessere Bildung reduziert werden könnte, aber die „Risikofaktoren“ stehen auch für die harten sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, denen sich Millionen von gewöhnlichen Sri-Lankern gegenüber sehen.

Armut, soziale Ungleichheit und Obdachlosigkeit sind dramatisch angestiegen als Ergebnis des fast drei Jahrzehnte andauernden, rassistischen Krieges gegen die tamilische Minderheit, der im Mai 2009 endete, sowie durch Jahre von rücksichtslosen, pro-marktwirtschaftliche Reformen durch aufeinanderfolgende Regierungen.

In 1950 lag Sri Lankas jährliche Suizidratebei statistischen 6,5 pro 100.000 Einwohnern. Bis 2001 war diese Zahl auf 55 geklettert. Im Jahr 1996 hatte der Inselstaat die höchste Selbstmordrate der Welt, mit fast 9.000 Selbstmord Todesfälle in jenem Jahr. Obwohl die Rate im Jahr 2011 auf 16 pro 100.000 sank, bleibt Sri Lanka unter den weltweiten Rekordhaltern in dieser traurigen Disziplin.

Laut eines aktuellen Polizeibericht begangen 3.770 Menschen Selbstmord im Jahr 2011 – darunter 231 Frauen. Die meisten Fälle gab es in den ländlichen Gebieten von Bauern und vor allem aufgrund von Armut und Schulden. Diese Verarmung wurde von der Regierung noch verschärft und intensiviert wordendurch ständige Kürzungen der Agrarsubventionen, steigende Produktionskosten und zu niedrigen, vom Staat befohlenen Preisen für landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Die Rajapaksa-Regierung versucht verzweifelt, das wirkliche Bild zu vertuschen. Der Führer der Progressive Farmers Federation, Kaudulle Jayatissa sagte gegenüber diesem Reporter, dass staatliche Dorf-Offiziere von der Regierungangehalten sind, beim Ausstellen der Todesbescheinigungen keinerlei Hinweise auf den Grund für einen Selbstmord hinzuweisen, schon gar nicht auf Faktoren wie Verschuldung.

Rajapaksas Implementierung der vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geforderten Sparmaßnahmen bei den öffentlichen Ausgaben durch weitere Kürzung sozialer Subventionen und der Restrukturierung hoch defizitärer staatlicher Wasserkopf-Institutionen wird das soziale Elend weiter verschlimmern, und sicherlich auch zur Intensivierung der politischen Unzufriedenheit im Lande beitragen.

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