Hambantota: Sinn- und wertlose Investitionen?


Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion aus Sri Lanka Brief vom 1. August 2012

Von Kath Noble

Colombo – Es ist schwer festzustellen, wann offizielle Erklärungen der srilankischen Regierung ernst zu nehmen sind. Die Regierung ist nicht für ihren besonnenen, vorsichtigen Ansatz bekannt.

In der Tat ist es so, dass ihre Sprecher sehr oft offensichtlich falschen Behauptungen vonsich geben, wie die, dass Minister Mervyn Silva nichts Unrechtes getan hat oder, dass gar keine Zivilisten während des Krieges getötet wurden. Die Regierung scheint zu glauben, die Öffentlichkeit bestehe aus Idioten.

Wenn es um die Menschen über ihre Pläne geht, sind sie ebenso blasiert erhaben über den Unterschied zwischen Fakt und Fiktion. Wir können nie sicher sein, was man glauben soll und was nicht.

Nehmen wir einmal die vorgeschlagene Landgewinnung am Galle Face, mitten in Colombo. Dieses Projekt klingt schon damals sehr unwahrscheinlich, als es erstmals im Jahr 2010 bekannt gegeben wurde – warum so viel Geld ausgeben zur Anhebung des Meeresbodens um noch mehr Luxus-Hotels und Einkaufszentren zu bauen, wenn das Angebot bereits so viel höher ist, als die Nachfrage?

Colombo hat genug zu bieten für die Anzahl der Besucher, die kommen. Aber nun hat sich diese leicht lächerliche Idee irgendwie in einen totale Wahnsinn entwickelt. Nach Angaben des Vorsitzenden der Hafenbehörde, anlässlich einer Konferenz vor ein paar Wochen, wird die Galle Face Rückgewinnung nun einen Yachthafen, einen Golfplatz, ein Zentrum für Wassersport und, ganz außerordentlich, vor allem eine Formel Eins Rennstrecke enthalten!

Zweifellos gibt es eine Handvoll Menschen in Sri Lanka, die sich freuen würden, wenn dieses Projekt materialisieren sollte. Das Problem ist, dass es Millionen von anderen gibt, für die es absolut nichts bringen würde.

Betrachten wir die Formel Eins Rennstrecke. Die immensen Investitionskosten für den Bau der Rennstrecke oder auch die wiederkehrenden Kosten für Wartung die Organisation und die Sicherheit einer solchen dreitägigen Veranstaltung einmal außen vor. Diese Kosten sind natürlich massiv. Aber nach den Berichten in den indischen Medien – Delhi war die Heimat der konstituierenden Formula 1 Veranstaltung in Indien im vergangenen Jahr – die Lizenzgebühr allein kommt auf 200 Millionen Dollar. Das ist mehr als das jährliche Budget des Ministeriums für Hochschulbildung. Wollen die Srilanker ein paar Autos zusehen, die stundelang im Kreis fahren, oder würden sie es vorziehen, die doppelte Anzahl von Universitäten zu haben? Das ist wahrlich eine schwierige Frage…

Und falls jemand fragen sollte: die Formel 1 Veranstaltung in Delhi machte einen Verlust. Man konnten nur zwei Drittel der Sitze füllen, trotz des schnell wachsender Engagement Indiens im Motorsport. (Indien hat nun eine Formula 1 Team…)

Wenn die Besucher strömen schon nicht nach Indien strömen für die erste Formel Eins Veranstaltung, ist es schwer vorstellbar, dass sie en masse in Colombo einfallen, um dort Golf zu spielen oder Jetski zu fahren. Es gibt attraktivere Teile von Sri Lanka, um zu verbleiben, um ehrlich zu sein, und auch mit weniger Verkehr und besserem Wetter. Kurz gesagt, wird die Galle Face Rekultivierung wahrscheinlich nicht die srilankische Wirtschaft in irgendeiner Weise ankurbeln noch wird sie Arbeitsplätze schaffen – es werden einfach nur Gelder konsumieren, die auch produktiver verwendet werden könnten.

Das Projekt wird natürlich von einer chinesischen Firma durchgeführt werden. Von wem auch sonst?

China finanziert seit Jahren mehr und mehr Infrastruktur-Projekte in Sri Lanka, am offensichtlichsten in Hambantota; viele der Großprojekte werden durch die China Harbour Engineering Company umgesetzt.

Auf der positiven Seite, haben die Chinesen nie versucht, Sri Lanka zu sagen, was zu tun ist. Dies ist eine erfrischende Abwechslung zu den westlichen Behörden wie der Weltbank, die nur dann Geld verleihen, wenn die Regierung große Reformen in wichtigen Bereichen der Politik vornimmt. Ihr möchten ein Kraftwerk zu bauen? Pech gehabt, denn wir geben nur Geld an den privaten Sektor, und auch nur dann, wenn die Regierung verspricht, die erzeugte Elektrizität dieses Unternehmens für die kommenden Jahrzehnte zu überhöhten Preisen abzukaufen.

In der Zwischenzeit werden die Tarife erhöht werden, vor allem für Hausbesitzer, und ein Teil des Electricity Board muss verkauft werden. Toller Deal! Der gesamte Sektor muss wegen ein paar Millionen Dollar, die ohnehin mit Zinsen zurückgezahlt werden müssen, transformiert werden.

China besteht lediglich auf eigene Arbeitskräften und eigene Materialien.

Dies ist zwar auch nicht sehr gut für Sri Lanka, und der Anblick von Tausenden von chinesischen Arbeitern, die in der sonst ziemlich leeren Landschaft im Hambantota Distrikt mit geschulterter Schaufeln herum laufen, ist recht merkwürdig; aber es ist wenigstens direkt. Die Chinesen sind auf der Suche nach neuen Märkten für ihre Unternehmen und für Arbeitsplätze für ihr Volk. Wieder im Gegensatz zur Weltbank, hat China nie behaupten, dass es versuche den Srilankern einen Gefallen zu tun – sie sind hier ganz im eigenen Interesse.

Es liegt an der Regierung zu entscheiden, was Sri Lanka braucht. Dass es jetzt plötzlich heißt – nach einer Reihe von Pannen -, dass das Norochcholai Kohlekraftwerk ein chinesisches, abgelegtes, zweitverwertetes Recyclingwerk ist, weder von sehr guter Qualität, noch besonders geeignet für Sri Lankas Bedingungen, zeigt, dass auch die Menschen im Lande sich überhaupt nicht mehr sicher sind, ob die Regierung diesen Job richtig macht.

Infrastrukturprojekte sind essentiell für die Entwicklung des Landes, aber sie können auch eine Quelle für wenig anderes als ewige Schulden sein.

Das Hambantota-Hafen-Projekt allein wird die Srilanker Milliarden von Dollar kosten, einschließlich der 360 Millionen Dollar für den Hafen selbst und die 550.000.000 $ für die angeschlossene Steuerfreie-Zone (weil die Regierung eh schon überlastet ist mit den üppigen Steuereinnahmen von gewinnorientierten Unternehmen?), außerdem noch einmal 210.000.000 US $ für einen internationalen Flughafen, und weitere 15 Millionen Dollar für ein internationales Kongresszentrum und nochmals 9.000.000 US $ für das Sportstadion – dies alles, laut offiziellen Ankündigungen der Rajapaksa-Regierung.

Wer die Gegend besucht hat, seit die Arbeit im Jahr 2008 da begann, kommt nicht umhin zu staunen, wie fehl am Platz diese riesigen Strukturen dort erscheinen, umgeben von Meilen und Meilen des Nichts – nichts für ungut an die Bewohner des Bezirks Hambantota. Die Frage ist: werden sich diese Investition jemals auszahlen?

Im Falle des Sportstadions und des International Convention Center, ist es ziemlich klar, dass die Antwort mit ziemlicher Sicherheit Nein ist. Dies sind die Äquivalente des in Betracht gezogenen Golfplatzes und des Wassersport-Zentrums in Galle Face – während erstgenannte wahrscheinlich nicht viele Vorteile für die Wirtschaft erzeugen, sind zumindest ihre Kosten messbar in -zig statt hunderte oder tausende von Millionen von Dollar. Was für ein trauriges Maß für den „Erfolg“ eines Projektes – wie hoch der Grad des Misserfolgs ist!

Die Zahl der Tagungen und Cricket-Matches, bei denen Sri Lanka Gastgeber ist, wird wohl nicht exponentiell in die Höhe schnellen. Wie wir bereits gesehen haben: um von diesen Möglichkeiten Gebrauch zu machen, müssen Events und Ereignisse von anderen Standorten dorthin umgeleitet werden.

Srilanker können nur beten und hoffen, dass der eher kostspielige internationalen Flughafen und der Schiffs-Hafen sich nicht in gleicher Weise entpuppen wird.

Dass der erste und bislang einzige kommerzielle Betrieb am Hafen Magampura zu Hambantota vor mehr als 18 Monate stattfand, kurz nach seiner feierlichen Eröffnung gibt wohl kaum Zeichen einer rosigen, boomenden Zukunft. Noch weniger erfreulich ist, dass diese Ersttätigkeit den Umschlag von Autos beinhaltete, die nur 500 nautische Meilen entfernt, in Chennai gefertigt wurden. Man fragt sich, wie viel, die Hyundai-Gruppe für das kurze Vergnügen zahlte, die 5.000 nautische Meile Reise nach Afrika und Europa zu unterbrechen – die Fahrzeuge wurden von einem Schiff am 6. Juni ausgeladen und auf ein anderes am 17. Juni geladen. Es klang sehr nach einem Werbegag, um die Öffentlichkeit glauben zu lassen, dass alles gut und in bester OIrdnung sei. Angesichts der Tatsache, dass Sri Lankas Position auf Ost-West-Schifffahrtsrouten liegt, gibt es immer noch allen Grund zu hoffen, dass Hambantota eine anständige Laufkundschaft mit der Zeit bekommt; zumindestens, wenn erst einmal die aktuelle globale Rezession vorbei ist. Und wenn die Proteste der Walschützer nicht fruchten, die eine Verlegung der Ost-West-Schifffahrtsrouten fordern, so dass Hambantota, Sri Lanka schlicht und einfach nciht mehr auf der Route läge.

Das Problem ist, dass niemand davon überzeugt ist, dass es eine kohärente Strategie hinter der Begeisterung der Regierung für die Entwicklung der Infrastruktur ist – es sieht alles ein bisschen nach Würfelspiel und Glücksache aus.

Die Regierung scheint zu denken, dass große Pläne zu verkünden eine einfache Möglichkeit der Steigerung ihrer Popularität sei – die Öffentlichkeit sei angeblich von Worten statt Taten beeindruckt, daher die sicherlich verrückt Rede von einer Formel 1 Rennstrecke auf dem Land, das um Galle Face dem Meer abgerungen werden soll. Ein Minister kann dann einen Grundstein enthüllen, der seinen Beitrag an die Nation für alle sichtbar verewigt und für die kommenden Jahrzehnten zu bestaunen, und außerdem kann er eventuell nebenbei noch ein wenig Bestechungsgeld von einem chinesischen Unternehmen einstreichen

Und bei der Zeit, da die Öffentlichkeit erkennen, dass es alles nur ein übler Trick war, und dass der Wahnsinn zu einem Verlust von Milliarden von Dollar für das Land geführt hat, werden sie alle vergessen haben, wer dafür verantwortlich gewesen ist.

Allerdings ändern sich die Dinge in Sri Lanka.

In den letzten Wochen hat diese Zeitung mehrere Leserbriefe erhalten, die wütend auf die Vorschläge von inländischen Flughäfen in Kandy und Nuwara Eliya reagierten. Ist dieses Land wirklich groß genug dazu, haben sie gefragt. Wer wird von Colombo nach Kandy fliegen, sich und sein Gepäck durch alle Formalitäten schleppen von einem Flughafen zum anderen, dann ein Taxi sowohl von zu Hause zum Flughafen sowie vom anderen Flughafen zu ihrem Ziel nehmen, wenn es nicht mehr als ein paar Stunden mit dem Auto dauert? Gibt es nicht andere Prioritäten in einem Land wie Sri Lanka? (Die Regierung gibt nun vor, dass die Menschen nur über den jeweiligen Standorten, der ausgewählt wurde, besorgt sind, aber das ist natürlich Unfug.)

Ähnliche Bedenken werden nun auch im Hinblick auf das Netz der Schnellstraßen geäußert, die bereits im Bau sind. Auch ich genoss die glatte 1 Stunden Fahrt nach Galle bald nach der stark verzögerten Öffnung des Southern Expressway; aber ich sah nicht sehr viele andere Menschen dies genießen – die anderen waren noch auf der Reise. Kostengünstig mit dem Bus auf der freien Küstenstraße.

Es scheint, dass die Öffentlichkeit endlich, endlich schlauer geworden ist und die Notwendigkeit zur Wachsamkeit sieht.

Schon bald werden sie werden sich auch noch weigern, für Lügner und Verbrecher abzustimmen, und dann Mervyn wirklich in Schwierigkeiten geraten.

 

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