EVE – Lankas neuste Statistik-Lügen


Crisis Group: Richtungstellung eines eklatanten Schwindelversuchs

Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion eines Bericht der Crisis Group vom 27. Februar 2012

Colombo – Fast drei Jahre seit dem Ende des Krieges, und es gibt einen wachsenden Bedarf für eine Bilanzierung von – und für – die Getöteten und die Vermissten in den letzten Monaten der Kämpfe im Norden Sri Lankas im Jahr 2009. Die Mitglieder des UN-Menschenrechtsrates, deren 19. Tagung in Genf am Montag eröffnet wurde, sollten bereit sein, die srilankische Regierung auf wirkliche Antworten zu drängen.

Anstatt sich mit den vielen glaubwürdigen Quellen von Informationen auseinanderzusetzen, die darauf hindeuten, dass Zehntausende Zivilisten zwischen Januar und Mai 2009 getötet wurden – unter diesen Quellen UN-Echtzeit-Datenerfassungen, internationale Satellitenbilder, und die Daten der Regierung über die eigene Bevölkerung – versucht die Regierung abermals, die Geschichte umzuschreiben zu ihren eigenen Bedingungen. Im Vorfeld der 19. Tagung des UN-Rates für Menschenrechte veröffentlichte die Regierung eine „Enumeration von Vitalen Ereignissen (Enumeration of Vital Events – EVE)“ für die Northern Province.

Der Bericht kommt zu einer erstaunlichen Gesamtzahl von Todesopfern während der letzten fünf Monate des blutigen Kämpfen im Jahr 2009 von unter 7.000 mit weiteren 2.500 die als „vermisst“ gelten, aber der Bericht unterscheidet weder zwischen Zivilisten und Kombattanten noch weist er weder Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE ) noch Regierungstruppen eine Verantwortung für deren Tod zu.

Die Ergebnisse des EVE-Berichts liegen weit unter den Einschätzungen der Expertenrunde des UN-Generalsekretärs, wonach bis zu 40.000 Zivilisten in den letzten Monaten starben und den noch weit höheren, früheren Zensus-Zahlen der Regierung. Diese „Enumeration“ steht auch im krassen Widerspruch zu einer wichtigen Empfehlung der von der Regierung selbst eingesetzten Gelernten Lektionen- und Versöhnungskommission (LLRC), die in ihrem Bericht die die Regierung auffordert, „eine professionell gestaltete Haushaltsbefragung durchzuführen, bei alle betroffenen Familien in allen Teilen der Insel, um aus erster Hand die Ausmaß und die Umstände des Todes und die Verwundungen von Zivilpersonen zu prüfen, sowie Sachschäden aus der Zeit des Konflikts festzustellen“.

Die LLRC machte diese Empfehlung Ende November 2011, deutlich nach dem „Enumerations“-Projekt, das von Juni bis August 2011 durchgeführt wurde.

Der LLRC-Bericht selbst hat schwerwiegende Mängel hinsichtlich der Behandlung von Anschuldigungen wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Regierungstruppen festgestellt, aber sie erkennt zumindest auch gewichtigen Realitäten an, einschließlich den Bruch mit Jahren einer Regierung, die allen ernstes behauptete, es habe „Null-Opfer unter der Zivilbevölkerung gegeben“, in dem der Bericht auch akzeptiert, dass „in der Tat erhebliche zivile Opfer während der letzten Phase des Konflikts aufgetreten sind“.

Während der LLRC-Bericht sich dann windet und dreht, um die Regierung von ihrer Verantwortung für diese Verluste zu entbinden, könnte die LLRC-Empfehlung einer professionell gestalteten Umfrage zur Klärung des Schicksals der Toten und Vermissten im Norden beitragen. Wenn dieser Zensus denn auch glaubwürdig und unabhängig durchgeführt würde.

Leider gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass ein solcher glaubwürdiger und unabhängiger Prozess entstehen könnte – ganz besonders nach der Veröffentlichung des so offensichtlich und stümperhaft manipulierten EVE-Berichts.

Nur wenige Tage nach dem die LLRC ihrem Bericht am 20. November beim Präsidenten abgegeben hatte, lieferte seinen Bruder, Verteidigungstaatssekretär Gotabhaya Rajapaksa, eine Rede vor der „Ersten Nationalen Konferenz über Versöhnung“ ab, in der er behauptete, die Regierung habe „eine volle statistische Erhebung im Norden durchgeführt“, die „sich im Prozess der Finalisierung“ befinde. Er sagte, ein „Fragebogen“ sei benutzt worden, der sieben Kategorien von toten oder vermissten Personen aufzähle: „Diejenigen, die eines natürlichen Todes gestorben sind; diejenigen, die durch Unfällen verstorben sind, diejenigen, die das Land illegal verlasen haben, vor allem mit Schiffen nach Indien oder nach Südostasien und von dort aus in den Westen; dann gibt es die Kategorie derjenigen, die als Mitglieder der LTTE kämpften und starben; un ddie Kategorie derjenigen, die von der LTTE zum Kämpfen gezwungen wurden zu kämpfen und starben; sowie diejenigen, die als Folge des Widerstand gegen die LTTE gestorben sind… ; [und außerdem die Todesfälle], die durch militärische Aktionen auftraten“.

Ohne näher dem sicherlich staunendem Publikum zu erklären, wie diese Kategorien überhaupt zustande kamen noch wer sie bestimmte noch was die Regierung unternommen hat, um Verzerrungen bei der Beantwortung des Fragebogens und dem Einsammeln von Informationen zu vermeiden, schloss der Verteidigungstaatssekretär messerscharf, dass „als Ergebnis der Volkszählung wir bereits jetz wissen (vor der Finalisierung…), dass die tatsächliche Zahl der Toten und Vermissten viel zu gering ist, um Stoff für die absurden Behauptungen von Völkermord und Kriegsverbrechen zu liefern, die „gegen unser Militär von der verbleibenden LTTE und dere Kumpanen“ erhoben würden.

Bereits am 8. Februar bei einer Veranstaltung der Schweizer Mission an der UNO in New York, wiederholte Sri Lankas Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen, Palitha Kohona, diese Behauptungen, dass die srilankische Regierung „einen umfassenden Zensus in der Northern Province durchgeführt hat, der firme und überprüfbare Schlussfolgerungen ermöglichen über Probleme im Zusammenhang mit Verschwinden, Todesfälle, etc.“

Doch diese „Enumeration“, die bald nach dieser Erklärung veröffentlicht wurde, liefert keines der versprochen Details.

Stattdessen erscheint es als wenig mehr als ein weiterer Versuch, das kurzzuschließen, was Sri Lankas Menschen wirklich brauchen und was die Weltgemeinschaft – und sogar die LLRC – immer gefordert haben: eine unabhängige, glaubwürdige Einschätzung dessen, wer und wie viele gestorben sind und unter welchen Umstände (d.h., wer und was den Tod oder das Verschwinden verursacht hat).

Der Prozess, durch den diese vermeintliche Zählung geschah , ist überhaupt nicht deutlich, aber allgemein sind die Bedingungen, nach denen jegliche Volkszählung im Norden durchgeführt worden wäre – ein Gebiet unter militärischer Besatzung einer siegreiche Armee, die der Verbrechen in Frage angeklagt ist – nicht förderlich auf eine faire und gar genaue Zählung.

Das Risiko dabei ist, dass die Regierung nun auch die Abteilung Volkszählung und Statistik politisiert, wie es bereits die Polizei, die Justiz und die Menschenrechts-Kommission („Human Rights Commission“) politisiert hat, und dies sollte und wird zutiefst die internationalen Partnern von Sri Lanka beunruhigen.

Während sich also die Mitgliedstaaten des Menschenrechtsrates auf die kommende Session vorbereiten, sollten sie die Regierung um eine vollständige Erklärung fragen, wie diese angebliche Volkszählung durchgeführt wurde , was für Vorkehrungen getroffen wurden, um die Unabhängigkeit zu gewährleisten, wer genau (also mit den Namen und von Zivilisten oder Kämpfern) getötet wurde oder vermisst wird und wie und ob UN-Agenturen und unabhängigen Organisationen der Zivilgesellschaft erlaubt wird, die Ergebnisse zu verifizieren.

Ebenso wichtig: die Ratsmitglieder sollten die Regierung auffordern, ihre „Aufzählung“ mit den inzwischen umfangreich vorliegenden Informationen, die zur Verfügung stehen abgleichen, die darauf hindeuten, dass Zehntausende von Zivilisten in der Endphase des Krieges getötet wurden, die meisten von ihnen als Folge von Regierungsfeuer in dicht besiedelte zivile Bereiche.

Die genaue Anzahl und Identitäten aller Zivilisten, die in den letzten blutigen Monaten getötet wurden, wird wahrscheinlich nie bekannt werden, insbesondere dann, wenn die Regierung weiterhin ihrem Widerstand gegen eine unabhängige, internationale Untersuchung aufrecht erhält. Dennoch müssen die verschiedenen Quellen von Informationen über zivile Opfer früher oder später in Angriff genommen werden – vollständig und transparent.

Die Informationsquellen deuten darauf hin, dass es Zehntausende von zivile Opfer gab. Die Echtzeit-Befragung der UNO über Tote und Verletzte:

Es sind in erster Linie die Opferzahlen, die von der UNO und dem humanitären Personal vor Ort gesammelt wurden, die bei den Kämpfen zwischen den Fronten gefangen waren, wonach 7.721 Zivilisten getötet und 18.479 verletzt wurden in der Zeit zwischen August 2008 und dem 13. Mai 2009. Danach war es unmöglich, zuverlässige Informationen zu sammeln und Daten zu erfassen. Diese Zahlen sind nicht geschätzt, sondern basieren auf tatsächliche Augenzeugen-Sichtungen auf und sind jeweils durch zwei weitere Quellen verifiziert. Die überwiegende Mehrheit derer, die von der UN mitgezählt wurden, starben zwischen Ende Januar bis Ende April 2009, vor der Eskalation des Kampfes in den letzten drei Wochen des Kriegs gegen die LTTE.

Die Expertenkommission des Generalsekretärs stellt fest, dass sie gute Gründe habe zu glauben, dass diese Zahlen die tatsächlichen Verluste in diesem Zeitraum untertreiben. Dies wegen der konservativen Methode der Ermittlung der Zahlen, sowie eine vermutete Dunkelziffer von UN-Agenturen, die (als Reaktion auf Druck der Regierung von Sri Lanka) nicht genau berichteten, außerdem die Position viele Opfer in Bereichen, die unzugänglich für Beobachter waren, sowie der Tatsache, dass nach dem 13. Mai 2009 die Anzahl der zivilen Opfer wahrscheinlich deutlich höher waren als zuvor, weil viele Zivilisten an ihren vorher erlangten Verletzungen starben ohne funktionierende Krankenhäuser oder humanitäre Einrichtungen im Kriegsgebiet – was dazu führte, dass Verletzten und Verwundeten weder behandelt noch registiert werden konnten.

Die Regierung, einschließlich der LLRC, hat diese Zahlen häufig abgetan, auch, weil die UNO es damals versäumt hat, sie zu veröffentlichen; ohne sie jedoch nicht selbst anzuerkennen, denn die UNO erhob diese Zahlen stets in privaten Gesprächen mit der Regierung.

Sowohl das Scheitern der UN , über seine Opfer-Schätzungen und das Ausmaß der humanitären Krise öffentlich zu sprechen, aber auch die Bereitschaft der Regierung, die Vereinten Nationen dafür zu geißeln und zu verurteilen, weil diese versucht, genaue Zahlen zivilen Opfer zu erlangen, sind beides Dinge von ernsthafter und anhaltender Besorgnis.

Verlusteinschätzungen für die letzte Woche des Kampfes 

Viele Augenzeugen, die sich in dem Kriegsgebiet in der letzten Woche aufhielten, schätzen, dass Tausende von Zivilisten in jenen Tagen getötet wurden. Viele beschreiben, wie sie an Hunderte von Leichen vorbeigingen, als sie die letzte „No-Fire Zone“ verließen und wie sie ganze Familienverbände sahen, die unter eingestürzten Bunker vergraben waren.

Eine Depeche der US-Botschaft Kabel vom 18. Mai 2009, dem Tag, an dem die Regierung das Endes des Krieges erklärte, besagt, dass ein UN-Kontakt denke, die LTTE-Ansprüche von 25.000 verwundet oder getötet Zivilisten in den letzten Tagen seien übertrieben, aber basierend Vertreibenen-Analyse vom 10. Mai und Schätzungen von 70.000 bis 80.000 Menschen in der letzten „No-Fire Zone“ vor dem letzten Angriff könnte die Zahl tatsächlich zwischen 7.000 und 17.000 liegen.

Dem UN-Kontakt in dem Botschafts-Bericht zufolge ist es auch zweifelhaft, dass in der Nacht des 17. Mai laut LTTE noch immer 1.000 bis 2.000 Kader vor Ort waren.

Zeitgenössische Bevölkerungsdaten von hochrangigen Regierungsvertretern

Außerdem gibt es offizielle Informationen von Regierungs-Beamten, die damals im Norden tätig waren und die nahe legen, dass zwischen 70.000 oder sogar bis zu 140.000 Zivilisten, die sich in der Kriegszone befanden und die kurz vor oder während der letzten Monaten der Kämpfe befragt wurden es am Ende nicht in die Regierungs-Internierungslagern schafften.

Mindestens drei separate Zahlen müssen gegen die Zahl der Zivilisten in den Lagern ab Ende Mai 2009 abgeglichen weren; die Regierung berichtete, dass rund 290.000 in den Lagern zu dieser Zeit waren.

Zum einen bezeugt die ehemalige Distrikt-Sekretärin für Mullaitivu und aktuell Bezirkssekretärin für Jaffna, Imelda Sukumar, der LLRC am 4. November 2010 gegenüber, dass 360.000 Menschen während der Kämpfe in der Puttumatalan „No-Fire Zone“ gefangen waren, die im Februar 2009 von der Regierung deklariert worden war.

Zweitens, berichtete das UN-Expertengremium, dass Sukumars Assistent, der ehemalige zusätzliche Regierungsagent (AGA) von Mullaitivu, und seine Mitarbeiter, die in der „No-Fire Zone“ waren, seit Anfang Februar 2009 etwa 330.000 Menschen gezählt hatten, die immer noch in den Kämpfen gefangen waren.

Damals zeigten Zahlen der Regierung, dass bereits 35.000 Flüchtlinge in den Regierungs-Lagern waren. Nach der AGA Beamte in Colombo über die Zahl von 330.000 Zivilisten informmiert hatte, schrieben diese ihm zurück, dass diese Zahl von 330.000 „willkürlich und basislos“ sei und dass die Regierung nun „widerwillig gezwungen“ sei, ihn für die Bereitstellung von „falschen Informationen an beliebige Quelle weiterzugeben, insbesondere im Hinblick auf die Zahlen interner Vertriebener“.

Schließlich sind da noch die Dokumente von den lokalen Behörden in Kilinochchi und Mullaitivu, datiert vom 30. September und vom 1. Oktober 2008, nachzulesen hier und hier; sie zeigen eine Gesamtbevölkerung von 429.000. Diese Zahl wurde auch in der LLRC-Zeugnisaussage des katholische Bischofs von Mannar genannt, der Klärungsbedarf geltend machte, was mit den offenbar fehlenden mehr als 140.000 Menschen passierte, die nicht in den Regierungs-Lagern eingepfercht waren

Flankierende zeitgenössische Bevölkerungszahlen der Regierung

Diese letzte Schätzung der Zahl derer, die noch vermisst werden, mag hoch erscheinen. Tatsächlich hat die srilankische Zentralregierung lange argumentiert, dass lokale Bevölkerungs- Zahlen unter dem Druck der LTTE aufgebläht wurden, um die humanitäre Krise zu übertreiben und um größere Mengen an Hilfsgütern generieren, die von der LTTE stets einkassiert wurden.

Während eine gewisse Inflation der Zahlen durch die LTTE durchaus möglich ist, ist es unwahrscheinlich, dass sie groß genug waren, um alle Diskrepanzen zu erklären, oder auch nur die meisten. Es gibt auch einige übereinstimmende Beweise, die auch große Schätzungen von Vermissten für ernst nehmen und für eine umfassende und unabhängige Zählung argumentieren.

Ein Beispiel: wenn man den in lokalen erzeugten Dokumenten genannten Bevölkerungszahlen der Einwohner des Kilinochchi- und Mullaitivu-Distrikts vom 30. September und 1. Oktober 2008 folgt, entsprechen sie ziemlich genau den von der Zentralregierung geschätzten Bevölkerungszahlen für jene Bezirk. Diese Zahlen könne noch immer eingesehen werden auf der webiste des Department of Census and Statistics (Abteilung für Zensus und Statistik) in deren Statistik-Bericht über die „Bevölkerung nach Geschlecht und Bezirk, 2000-2010“.

Die Summe der Einwohner von Kilinochchi, gezählt von lokalen Beamten Ende 2008 betrug 146.700 (121.900, die damals in Kilinochchi selbst lebten und 24.800, die nach Mullaitivu vertrieben wurden), während gleichzeitig die Schätzung der Zentralregierung für Kilinochchis Bewohner sich auf 140.000 im Jahr 2006 belief, auf 143.000 im Jahr 2007 und 147.000 im Jahr 2008 (sowie vorläufig auf 154.000 im Jahr 2009 und auf 156.000 im Jahr 2010).

Ebenso kam die Summe für die Bewohner Mullaitivus, von örtlichen Beamten Ende 2008 gezählt, auf 126.350 (100.600 lebten da noch immer in Mullaitivu und 25.745 waren vertrieben in Kilinochchi), während die Zahlen der Zentralregierung für Mullaitivu 129.000 im Jahr 2006 zeigen, 132.000 im Jahr 2007 und 135.000 im Jahr 2008 (sowie vorläufig rund 154.000 im Jahr 2009 und 148.000 im Jahr 2010).

Weil die Zahlen für Kilinochchis und Mullaitivus Einwohner der lokalen Regierungsbeamten von Ende 2008 fast genau dem entsprechen, was die Regierung jahrelang offiziell anerkannte, sollte die Regierung erklären, warum so viel weniger Menschen in den Lagern der Regierung Mitte des Jahres 2009 waren.

Die Regierung sollte auch erklären, warum ihre jüngste „Enumeration/Aufzählung“, wonach es nur noch 103.717 Menschen in Kilinochchi und nur 66.526 Menschen in Mullaitivu gibt – ein Rückgang von über 100.000 – nicht mehr Fragen aufwirft als es Fragen beantwortet.

Eine UNO-Studie in den Internierungslagern

Eine weitere interessante Statistik kann in einer UN-Befragung in 100 zufällig ausgewählten Unterkünften in der Zone 3 von Manik Farm vom Anfang Mai 2009 aufgefunden werden. Diese kleine Umfrage ergab, dass „22 Prozent der Familien“, die interviewt wurden, berichteten, dass ein enges Familienmitglied gestorben sei. Diesen Prozentsatz auf die rund 90.000 Familien asuweitend, die in Lagern nach dem Ende des Krieges eingesperrt waren, schlägt dies ein Minimum von 18.000 getötet Verandten vor.

Stichprobenverzerrung und andere potenzielle Probleme bei dieser Umfrage – einschließlich der Möglichkeit, dass darunter einige LTTE-Kämpfer waren oder Todesfälle in früheren Phasen des Krieges geschahen – sind zu prüfen, doch werden angesichts des Zeitrahmens (vor den tödlichsten Wochen zu Kriegsende) und der Möglichkeit, dass mehrere Todesfälle innerhalb (bzw. völliger Zerstörung) einiger Familien auftauchen, könnte dies in der Tat ein großzügiges Minimum sein.

Schätzungen über Kriegswitwen und von Frauen geführten Haushalt

Schließlich gibt es noch andere Schätzungen, die zur Verfügung steht – einschließlich der von der Regierung -, die im Einklang stehen mit dem großflächigen Verlust des Lebens.

Zum Beispiel haben mehrere Quellen festgestellt, dass es inzwischen 40.000 „Kriegerwitwen“ allein im Norden gibt. Im September 2010, erklärte das Ministerium für die Entwicklung von Kindern und Frauen, dass man Listen von 40.000 Kriegswitwen im Norden habe – obwohl das Ministerium diese Zahl ohne weitere Erklärung im August 2011 reduzierte, auf nur 16.936.

Ein separater Medien-Bericht zitiert Regierung und Spender-Zahlen von 30.000 an 110.000 Haushalte im ehemaligen Kriegsgebiet, die von Frauen geleitet werden. Und einer Umfrage des in Jaffna basierten „Zentrums für Frauen und Entwicklung“ zufolge gibt es schätzungsweise 40.000 von Frauen geführte Haushalte im Norden, die Hälfte davon in Jaffna. Nicht alle diese Frauen werden ihre Männer in den letzten Monaten des Krieges verloren haben, noch sind all diese Männer, die getötet wurden, Zivilisten gewesen – aber viele eben auch schon.

Und zur Zahl der Nicht-Kombattanten unten den getötet Ehemänner, müsste man die Frauen, Kinder und unverheiratete Männer, die in den Kämpfen starben, sowie jene Fälle, in denen beide Mitglieder eines Ehepaares hinzufügen – und sogar ganze Familien – wurden getötet

Was die LLRC über zivile Opfer sagte

Die LLRC berichtet, dass das Ausmaß der Opfer unter der Zivilbevölkerung, vor allem von Januar bis Mai 2009 eine entscheidende Frage für die Kommission war. Doch sie akzeptiert auch klaglos, dass das Verteidigungsministerium gesagt hatte, dass „eine Schätzung der zivilen Toten nicht zur Verfügung stehe“.

Zur gleichen Zeit hatte das Verteidigungsministerium keinerlei Problem damit, eine Schätzung der LTTE-Todesfälle anzugeben – 22.247 für Juli 2006 bis Mai 2009, mit 4.264 namentlich bestätigten Toten Kadern für den Zeitraum Januar bis Mai 2009; auch eine Schätzung der Todesfälle bei den eigenen Sicherheitskräften hatte das Ministerium parat – 5.556 für die Zeit zwischen Juli 2006 bis Mai 2009.

Unabhängig davon stellte die LLRC fest, dass das Verteidigungsministerium die Gesamtzahl der LTTE-Kader im Norden auf 21.500 eingeschätzt hat. Da rund 11.700 mutmaßliche Kader für die „Rehabilitation“ am Ende der Kämpfe festgenommen wurden, gibt es einige ernsthafte Fragen:

1.) wie bringt die Regierung ihre Schätzung von 21.500 Kadern in Einklang bringt mit den insgesamt 34.000 getötet oder festgenommen Kadern?

2.) ob die 22.247 LTTE-Toten wirklich allesamt waren tote Kämpfer waren; und

3.) ob wirklich alle der 11.700, die für eine „Rehabilitation“ inhaftiert wurden in der Tat Kombattanten waren.

Leider hat die LLRC diese drängenden Fragen nicht erkannt oder erkennen wollen, geschweige denn, sie zu beantworten.

Stattdessen sagte das Verteidigungsministerium der LLRC, dass „es wäre äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich, ist, zwischen der LTTE und den Opfern unter der Zivilbevölkerung zu unterscheiden“. Die LLRC äußerte ihr „Bedauern“ über das Fehlen jeglicher amtlicher Nachweise oder Post-Konflikt-Einschätzung der Opfer unter der Zivilbevölkerung während sie zur gleichen Zeit dem Schluss kommt, dass es in der Tat „erhebliche Opfer unter der Zivilbevölkerung gegeben hat“ – die Schuld dafür aber in erster Linie auf unerklärliche „Kreuzfeuer“ und die LTTE schiebt – ganz genau wie die Vertreter von Regierung und Militärs, die vor der Kommission ausgesagt hatten.

Die LLRC-Empfehlung einer professionell gestalteten Insel-weiten Erhebung über zivile Tote und Verletzte – wenn sie denn unabhängig und glaubwürdig gemacht würde – könnten zum Teil für die mangelnde Bereitschaft, die Regierung herauszufordern, wettmachen.

Eine solche Erhebung könnte auch allen Srilankern mehr Klarheit darüber geben, wie viele und wessen Leben im Krieg verloren gingen, darunter Tausende von vermissten Soldaten und Menschen, die außerhalb des Nordens durch Jahrzehnte der Aufstandsbekämpfung getötet wurden oder einfach verschwanden.

***

Auch eine andere Gruppe beschäftigt sich mit den ominösen Zahlen des „Enumeration of Vital Events“. es scheint sich um eine Gruppe von wissenschaftlich gebildeten Menschen zuhandeln, die, aufgrund der derzeitigen, unruhigen Situation im Lande, wo ungesühnte Entführungen und Ermordungen rapide zunehmen, es vorziehen, anonym zu bleiben.

Die Gruppe stellt zunächst fest, dass es in der Auflistung der Todesfälle keine Rubrik für „Kriegstot“ gebe.

Sie stellt außerdem fest, das die gesamte umfrage lediglich für 14 Tage (3. – 17.Juli 2011) angesetzt war und offenbar nur widerwillig um 10 Tage verlängert wurde.

Sie stellt fest, dass die Umfrage von Lehrern durchgeführt wurde, mit bestenfalls rudimentärer Ausbildung zum Datenerfassen und -sammeln. Den Lehrern wurde Ausgleichsfreizeit versprochen, sowie 3.000 Rupees für die ersten 100 ausgefüllten Fragebögen, dazu „Prämien“. Angesichts des akuten Lehrermangels im Norden, ein Unding, Lehrer für eine solch unkoordinierte Umfrage abzustellen.

Die Auswertung der Daten geschah ohne das normalerweise übliche Zutun der Datensammler selbst im fernen Colombo. Normalerweise schriebt ein Datensammler seine Bewertung seiner Sammlung am Ende einer solchen Umfrage. Diese geschah hier nicht, was Manipulationen im Nachhinein Tür und Tor öffnet.

Die Gruppe stellt fest, dass die Veröffentlichung der „Evaluierung“ hastig geschah und offenbar dem einzigen Zweck diente, ihn bei der 19. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates vorzulegen. EVE werde ganz offensichlich dazu benutzt, die tatsächlichen Zahlen der Kriegstoten nach unten zu drücken.

Die Zahlen der Regierung, so schließt die Gruppe, seien mehr als dubios, ihre Beschaffung undurchsichtig, die Auswertung der Daten jenseits jeglicher Normen und könnten deshalb von niemandem ernsthaft in Betracht gezogen werden.

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