Noyahr Entführung: Endlich Beweise gegen Gota & Co?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 2. März 2017

Colombo – Dass der ehemalige Staatssekretär für Verteidigung und Präsidentenbruder Gotabhaya Rajapaksa „Dreck am Stecken“ hat, sprich eine brutale Art von Selbstjustiz während seiner Amtszeit bevorzugte, ist hinlänglich bekannt.

Gerade ist das, was unter Gotabhaya Rajapaksas Ägide in einer Art von verdecktem Krieg gegen die eigene Bevölkerung vor sich ging sowie der Aufarbeitung dieser unzähligen, staatlich sanktionierten Gewalttätigkeiten wieder einmal Thema beim UN-Menschenrechtsrat. Ein Grund zur Unruhe für die srilankische Regierung, zu viel steht auf dem Spiel für sie.

So richtig beweisen konnte man G.R., der auch der Kriegsverbrechen bezichtig wird, bislang nichts. Das könnte sich nun drastisch ändern.

In einer „dramatischen Wendung der Ereignisse“ hat die srilankische Kripo bei der derzeit laufenden Untersuchung über die Entführung des Journalisten Keith Noyahr festgestellt, dass die Entführer kurz nach der Entführung, als sich der mittlerweile bereits gefütterte Notar nich in ihrer Gewalt befand, mehrere Telefonate führten. Wahrscheinlich mit ihrem Befehlshaber.

Ganz sicher aber auch mit Gotabhaya Rajapaksa.

Keith Noyahr wurde im Jahr 2008 entführt und gnadenlos gefoltert. Er floh mit seiner Familie kurz nach seiner wundersamen Errettung und anschließenden Genesung nach Australien, wo er bis heute lebt.

Seine Entführer hatten immerhin eins erreicht. Noyahr war so eingeschüchtert, dass er selbst gegenüber der Polizei kein Sterbenswörtchen über seine Entführung und Folterung äußerte. Was er wohl auch gegenüber seinen Entführen getan hat; trotz bestialischer Folter verriet er seine Quellen nicht.

Noyahr galt als Kritiker des nepotistischen Rajapaksa Clans; immer wieder gelang es ihm, dessen Machenschaften öffentlich zu entblößen.

Nojahrs Entführung direkt vor seinem Haus im belebten Colombo löste hektische Aktivitäten aus. Unter anderem bekam der angesehene Oppositions-Politiker Karu Jayasuriya einen Anruf von Nojahrs leitendem Redakteur, Krishantha Cooray, der – zu Recht – Schlimmes befürchtete.

Jayasuria rief schließlich auch den damaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa an. Über den genauen inhalt dieses Gesprächs ist derzeit noch nichts bekjannt.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Kurz darauf wurde Keith Noyahr schwer verletzt aufgefunden – seine Entführer hatten ihn gehen lassen.

Andere Entführungen gingen für die Opfer nicht so glimpflich aus, der Karikaturist und Journalist Pradeep Eknaligoda sei an dieser Stelle nur als Beispiel von vielen genannt.

Mittlerweile weiß man, dass Keith Noyahr in einem Haus in Dompe festgehalten und gefoltert wurde. Er selbst erinnert sich an einen Telefonanruf, den seine Folterer annahmen und mit einem devoten „Yes, Sir, yes Sir“ beantworteten. Kurz darauf wurde er aufgefordert, sich zu waschen und anzuziehen – ohne die Augenbinde zu entfernen. Notar wurde danach an einer belebten Straße ausgesetzt. Den Ehering hatten man ihm zurückgegeben, seine Geldbörse nicht.

Die Entführung und Folterung des Keith Noyahr wird während des Rajapaksa Regimente ordnungsgemäß untersucht. Die Journalisten-Szene ging davon aus, dass hinter der Entführung der damalige Armee-Kommandant und (damals: noch) Rajapaksa-Vertraute General Sarah Fonseka stand. Denn den hatte Noyahr zuletzt in einem Artikel scharf angegriffen.

Nach der unrühmlichen Abwahl des Beinahe-Diktators Rajapaksa erwirkte die nachfolgende Sirisena/Wickremasinghe-Regierung eine förmliche Aufnahme eines kriminalpolizeilichen Untersuchungsverfahrens. Mit modernsten Mitteln wurde zig-Tausende von Telefonverbindungs-Daten ausgewertet.

Dieses Daten-Scanning im großen Stil zeitig scheinbar auch in anderen Fällen Erfolge.

Im Verdacht stehen nun der ehemalige Verteidigungsstaatssekretär Gotabhaya Rajapaksa, sowie der damalige Chef des Militärischen Geheimdienstes Hendawitharne, sowie dessen „rechte Hand“ Amal Karunatilleke.

In Kripo-Kreisen geht man offenbar davon aus, dass die Entführungs-Sache Noyahr nur die Spitze eines Eisberges ist. Mit Festnahmen – auch von ranghohen Offizieren der Armee – wird derzeit verstärkt gerechnet.

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