Lasantha-Mord: Fonseka 5 Stunden lang verhört

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 21. Januar 2017

Colombo – Neue, dramatische Wendung im Fall des ermordeten Journalisten und Herausgebers des Sunday Leader, Lasantha Wickrematunge.

Der geschasste Ex-Präsident und Regimechef Mahinda Rajapaksa hat mehrfach in persönlichen Gesprächen behauptet, der heutige Feldmarschall und UNP-Abgeordnete Sarah Fonseka stecke hinter dem Mord an dem Regimekritiker Wickrematunge.

Die Zeitung Colombo Telegraph hatte erst kürzlich in einem Kommentar die Frage aufgeworfen, warum Sarah Fonseka bislang in der Sache nicht vernommen wurde. Ebenso, warum der Bruder des Ex-Präsidenten, Gotabaya Rajapaksa bislang nicht verhört wurde. Die Online-News-Site hatte in seinem Kommentar die Vermutung geäußert, dass über beiden die schützende Hand der Regierung liege.

Gotabhaya Rajapaksa, zur Zeit des Mordes quasi der „Sicherheitschef“ des ganzen Landes soll laut eines ehemaligen Rajapaksa-Vertrauten der Drahtzieher des Mordes gewesen sein. Ihn hätten weitere Enthüllungen der Zeitung über einen korrupten Kampfflugzeug-Deal, der Gotabhaya Rajapaksa vermutlich Millionen in die Taschen spülte, am meisten geschadet. Trotz des Mordes erblickte die unappetitliche Geschichte in Gänze das Licht der Öffentlichkeit, seither hätte Gotabhaya Rajapaksa viel zu erklären.

Nun soll als erster der beiden Feldmarschall und UNP-Abgeordneter Sarah Fonseka von der untersuchenden Behörde über fünf Stunden lang vernommen worden sein.

Der Feldmarschall, der sich nach dem Krieg als Präsident zur Wahl gestellt und nur knapp verloren hatte, bestätigte dies in einer Fernsehsendung. Den Verdacht, er habe mit dem Mord an Wickrematunge zu tun, wies er von sich – und beschuldigte ebenfalls Gotabhaya Rajapaksa der Tat.

Feldmarschall Fonseka wies in dem TV-Programm, das auch auf Youtube gepostet wurde, nochmals darauf hin, dass die Sicherheit von Colombo zum Zeitpunkt des Mordes in den Händen von Gotabhaya Rajapaksa gewesen sei, der wiederum General Hendawitharane damit beauftragt hatte.

Besonderes Augenmerk versuchte Fonseca auf die unter Verteidigungsstaatsekretär Gotabhaya Rajapaksa verbreitete Unkultur der sogenannte „White-Van-Entführungen“ in Colombo zu richten.

Fonseka überraschte auch mit der Aussage, der mittlerweile dem Land entflohene Bruder des Ermordeten, Lal Wickrematunge, habe von den Rajapaksas Geld erhalten; dafür solle er dann sagen, er, Fonseka stecke hinter der feigen Tat.

Die Redakteure des Colombo Telegraph setzte sich nach der Sendung umgehend mit Lal Wickrematunge in Verbindung.

Der wies Fonsekas Behauptung von sich, bestätigte aber, dass Mahinda Rajapaksa ihm gegenüber bei drei Gelegenheiten behauptete habe, Fonseka sei derjenige, der für den Mord an Lasantha Wickrematunge verantwortlich sei.

Was Beobachtern des Falles, der unter den Rajapaksas unter den Teppich gekehrt worden war, und der unter der nachfolgenden Sirisena-Regierung erneut untersucht wird, schon lange klar ist, wird nun (endlich) amtlich: Sowohl Mahinda als auch Bruder Gotabhaya Rajapaksa müssen schleunigst zum Verhör in der Mordsache Wickrematunge.

Nicht nur der ermordete Journalist selbst hatte es in seinem letzten Artikel vermutet. Dass nämlich der Präsident höchstpersönlich hinter der Ermordung steckt, er oder sein Bruder den Auftrag dazu gegeben haben.

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