Lanka noch nicht reif für „No Fire Zone“?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 24. Januar 2017

Colombo – Auf Einladung der Britischen Regierung hält sich der srilankische  Außenminister Mangala Samaraweera derzeit in London auf. Bei dieser Gelegenheit stellte er sich im Chatham House einer illustren Rund, um dort von den Versöhnungsbemühungen seiner Regierung zu berichten.

Im Publikum saß auch der Regisseur Callum Macrae. Unter Rajapaksa war er wegen seines Filmes „No Fire Zone“ sowie der vorangegangen Channel 4- Doku-Reihe „Killing Fields of Sri Lanka“ zunächst zur unerwünschten Person erklärt worden war. Der Film löste heftige Diskussionen aus und wurde vom Rajapaksa Regime als üble Demagogie gebrandmarkt – und verbannt.

Die Rajapaksas ließen sogar selbst einen Film produzieren, der zeigen sollte, wie human es in den letzten Kriegstagen zugegangen sei. Mit den Rajapaksas verschwand das Machwerk.

Außenminister Mangala Samaraweera sagte in London, dass sich die Dinge, hinsichtlich der „guter Regierungsführung“ deutlich gebessert hätten seit dem Regimewechsel vor zwei Jahren.

Trotzdem sei die Zeit noch nicht reif dafür, den Film, der auf Grundlage einer Dokumentarfilmreihe entstand, die ursprünglich für den britischen TV-Sender Channel 4 produziert wurde, zu zeigen. Die Doku-Reihe und der Film zeigen sehr glaubwürdig schreckliche Menschenrechtsverletzungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen, die weitgehend von den Regierungskräften aber auch von Kadern der LTTE insbesondere während der letzten Monate des Krieges begangen wurden.

Als er am Mittwoch im historischen Chatham House in London über den laufenden Versöhnungsprozess im Inselstaat sprach, sagte er, dass er selbst zwar mittlerweile den Film gesehen und seine eigenen Ansichten dazu gehabt habe. Samaraweera indes weigerte sich, zu sagen, wie diese persönlichen Ansichten sind.

„Ich habe meine persönliche Ansicht dazu, aber ich kann es hier nicht ausdrücken“, sagte er, als der No Fire Zone-Regisseur Callum Macrae ihn fragte, ob er dafür sei, seinen Film in Sri Lanka zu zeigen.

Immerhin ist Minister Samaraweera damit der erste srilankische Minister/Offizielle, der öffentlich zugibt, den umstrittenen Film, der inzwischen auch in einer singhalesischen Version zu haben ist, gesehen zu haben.

„Ich habe den Film zum Zeitpunkt der akuten Kontroversen gesehen, als ich in der Opposition war. Ich zeigte ihn auf meinem iPad vielen meiner Aktivisten in meinem eigenen Wahlkreis. Ich zeigte ihn etwa 25-30 meiner wichtigsten Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt. Das waren zum Teil kriegserprobte und -gehärtete Männer, aber als sie es sahen, schrien sie auf vor Schreck“, sagte der Außenminister.

„Einer von ihnen sagte, das könne nicht wirklich in unserem Land passiert sein. Ich bin jedoch sicher, dass die Zeit kommen wird, wenn die Menschen Sri Lankas bereit sind, Ihren Film zu sehen“, sagte er zu Macrae.

Auf die direkte Frage hin, worin denn genau der Grund dafür liegt, dass die Film nicht in dem Land gezeigt werden kann, in dem Mitglieder der Truppen all die Gräueltaten an den eigenen Bürgern begangen hatten, war der Minister sehr vorsichtig, wohl um pro-militärische Singhalesen nicht zu  verärgern.

„Im Moment haben wir wirklich andere Prioritäten, beispielsweise sicherzustellen, dass die neue Verfassung nicht nur entsteht sondern auch angenommen wird, und wir wollen nicht wirklich, dass der Rücke des Kamels durch einen weiteren Strohhalm bricht“, sagte Minister Samaraweera. „Glauben Sie mir, wir versuchen etwas zu tun, was bisher keine Regierung getan hat. Dies ist eine Chance unseres Lebens.“

Auf Fragen des Regisseurs Callum Macrae zum Thema fehlende „echte Fortschritte vor Ort“ in Fragen der Versöhnung, der Klärung der vielen Fälle von gewaltsamen Verschwindenlassen von Oppositionellen, sowie der anhaltenden Militarisierung des Nordens sagte Minister Samaraweera, seine Regierung sei mit “allen diese Probleme auf täglichen Basis“ konfrontiert und man unternehme Schritte, um sie zu lösen.

„Der Versöhnungsprozess hat nicht alle seine geplanten Ziele erreicht, aber innerhalb der kurzen Zeit von 18 Monaten haben wir einen bemerkenswerten Unterschied im Norden gemacht“, antwortete er.

Samaraweera sagte auch, dass die Dinge bei weitem „nicht 100 Prozent“ so seien, wie sie sein sollten, „aber die Regierung hat bereits über dreitausend Hektar privates Land wieder freigegeben, das vom Militär allein auf der Jaffna Halbinsel besetzt worden war.

Minister Samaraweera sagte auch, dass die Regierung vor habe, alle Ländereien, die derzeit noch vom Militär besetzt sind, wieder den „rechtmäßigen Besitzern“ zu übergeben. Dies solle noch „vor Ende diesen Jahres“ geschehen.

Über die anhaltende Militarisierung des Nordens sagte er, „obwohl die Armee noch da ist, ist ihre Zahl viel geringer und die Dinge sind generell anders als vorher“, beispielsweise während des Besuches Callums Macraes in Sri Lanka im November 2013. Damals wurde die nur zähneknirschend vom Rajapaksa Regime erlaubte Reise (vor dem Hintergund des Commonwealth Treffens im Lande) des Channel-4-Teams in den Norden zu einem wahren Spießrutenlauf. Offenbar vom Regime beauftragte Rowdies verfolgten und belästigten das Team auf Schritt und Tritt – bis schließlich die Reise abgebrochen werden musste.

„In der Tat, ich möchte Sie (Macrae) einladen, Sri Lanka erneut zu besuchen und glauben Sie mir, Sie werden dieses Mal ein wunderbares Willkommen erleben. Sie können ungehindert gehen, wohin Sie wollen und es werden keine Leute da sein, die Sie beschatten und folgen oder sogar die Zugfahrt nach Jaffna stören“, sagte Samaraweera.

Filmregisseur Macrae erklärte gegenüber Ceylon News, dass er sich freuen würde, die Einladung des Außenministers zu akzeptieren und Sri Lanka zu besuchen.

„Ich würde mich freuen, Sri Lanka zu besuchen – wenn ich damit rechnen kann, dass ich ‚No Fire Zone‘ im staatlichen Fernsehen zeigen kann. Ich freue mich auf darauf, anschließend an einer Live-Debatte zum Film teilzunehmen,“ sagte er.

„Dies wäre eine perfekte Zeit, um Sri Lanka zu besuchen, den Film zu zeigen und dem Land damit zu helfen, sich auf eine echte Versöhnung und einen dauerhaften Frieden für seine Bürger zu zu bewegen… Niemand hat von der Wahrheit etwas zu befürchten, außer den Schuldigen.“

Der Film, der mehrere internationale Auszeichnungen gewonnen hat, war auch für den Emmy Award 2014 nominiert worden. „No Fire Zone“ wurde auch im März 2013 vor dem UNHRC in Genf gezeigt.

Die singhalesische Version des außerordentlichen Ermittlungsdokuments hatte in London Premiere, als Präsident Sirisena im März 2015 dort zu besuch war. Sirisena indes hat sich bislang geweigert, den Film anzusehen.

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