Wahre Worte eines Watsch’n-Gesichts

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 23. Dezember 2016

Colombo – Der junge Mann hat noch nie wirklich für Geld gearbeitet, mit einem goldenen Löffel im Munde wurde er geboren. Er ist Abgeordneter einer Partei, die nicht weiß, ob sie regiert oder in der Opposition ist, der jungen Mann gilt als „Sonnyboy“ und ist Spezialist für Nichts, keinerlei Fachwissen trübt seine Aussagen, seinen pompös zur Schau gestellten Anwaltstitel hat er sich erschwindelt.

In Sri Lanka ist all das bekannt.

Trotzdem katzbuckelt der Fernseh-Moderator, als habe er einen wahren König zu Gast im Studio zu einem aktuellen Thema.

Der junge Mann mit der Gelfrisur ist neigt zur Adiposität, wie viele auf dieser Insel, die zu wenig Sport betreiben – und das, obwohl man ihm nachsagt, er sei sportlich. Er grinst viel, seine Sprache ist volkstümlich und sehr einfach, aber was er sagt, könnte man so unterschrieben, denn er verurteilt in harschen Worten die Aktion des Kommandeurs der Marine des Landes, der sich als Streikbrecher betätigte und einem filmenden Journalisten wegstieß.

(Nebenbei, der fragliche Journalist selbst fand den Vorfall so unerheblich, dass er von einer Anzeige absah… die Red.)

Trotz des richtigen Worte wider der Unterdrückung von Medien und ihrer Vertreter möchte man den jungen Mann – einfach nur ohrfeigen.

Denn nicht nur er, Namal Rajapaksa, der älteste Sohn des Ex-Präsidenten, weiß, dass er in diesem Moment nicht als „Star“-Gast einer srilankischen Fernsehsendung auftreten, sondern als Häftling in einem der berüchtigten Knäste des Landes einsitzen sollte.

Es gibt viele Indizien und mittlerweile wohl auch einige Belege, dass Namal Rajapaksa nicht nur im großen Stil Firmen abgezockt hat, die versuchten, in Sri Lanka fusszufassen, dass er Gelder gewaschen hat, dass er sich bei staatlichen Geldern und Leistungen bedient hat, kurz dass er sich während der Amtszeit seines Vaters benahm, als wäre er der Kronprinz. Einer, für den es keine gesetzliche Beschränkungen gibt, der ein ganzes Land wie einen Selbstbedienungsladen ohne Kasse nutzen darf.

Namal Rajapaksa muss auch davon gewußt haben, wie sein Vater mit Vertretern der Presse umging. Unter Rajapaksa wurden Journalisten bedroht, geschlagen, verstümmelt, entführt, ermordet; Druckereien, die Zeitungen herstellten, wurden angezündet. Keines dieser Verbechen ist bislang gesühnt. Für so manchen Journalisten war die Kritik am despotisch-nepotistischen Rajapaksa-Clan das letzte, was er oder sie öffentlich äußerten. Viele Journalisten flüchteten von der Insel, weil sie berechtigt um ihr Leben und das ihrer Angehörigen fürchten mussten.

Dass ausgerechnet Namal Rajapaksa, ebenso sein Vater, die Frechheit besitzen, sich wegen der angeblichen Misshandlung eines Journalisten zu mokieren, zeigt eindrücklich den Stand der Re-Demokratisierung in Sri Lanka. Eigentlich ist Sri Lanka auf einem guten Weg, der noch mit jeder Menge „aber“ gepflastert ist.

Noch immer herrscht eine nur schwer zu erklärende, devote Haltung gegenüber den Angehörigen der einst so mächtigen Familie. „Arschkriecherisch“ wäre wohl das bessere Wort dafür. Das, obwohl fast täglich deutlicher wird, in welch’ missliche Lage, sowohl politisch als und vor allem auch wirtschaftlich sie das Land gebracht haben.

Die Justiz Sri Lankas zeigt sich von seiner schlechtesten Seite bei der gerichtlichen Aufarbeitung und kriminalpolizeilichen Verfolgung der Missetaten der Rajapaksas, die Seiten füllen – müßten, ginge es mit rechten Dingen zu.

Die Bevölkerung wird ungeduldig, vor allem der Teil, der die Rajapaksas ab- und seinen die Re-Demokratisierung des Landes versprechenden Nachfolger, Sirisena Maithripala stattdessen wählten.

Zu lange schon dauern die Untersuchungen gegen die Mitglieder des weitverzweigten Rajapaksa Clans, zu wenige von ihnen wurden wegen Bestechlichkeit, Unterschlagung von Staatseigentum, Missbrauchs der Staatsmacht etc. rechtskräftig verurteilt. Eine jahrelang korrumpierte Justiz und eine fusslahme Strafverfolgungsbehörde, gar keine Frage, wenn es sich um die Rajapaksas handelt, die Verdächtigten mit Samthandschuhen an und schaltet auf Schneckengeschwindigkeit.

Angesichts der Krokodilstränen des Namal Rajapaksa zuckt der Moderator noch nicht einmal. Der Moderator ist, wie viele seiner Kollegen in der srilankischen Medienlandschaft, offenbar nicht in der Lage, kontra zu geben. Nämlich auszusprechen und aufzuzählen, was jeder im Lande weiß.

Ausgerechnet die Rajapaksas sind es, die die neue Presse- und Meinungsfreiheit im Lande bis zum Limit nutzen, um beständig lautstark wie verquer ihre Sicht der Dinge zu verbreiten. Das viele Geld, das sie unterschlagen haben, nutzen sie, um Unruhe zu stiften. So wird wohl zu recht angenommen, dass es Namal Rajapaksa selbst war, der den fraglichen Streik „anregte“ und die Streikenden mit großzügigen Lunchpaketen und Arrak finanzierte.

Kürzlich wurde ein chinesischer „Hitman“ festgenommen, ein Auftragskiller, der angeblich dafür sorgen sollte, dass der Mord an einem hochrangigen Mitglied der derzeitigen Regierung zu dem von den Rajapaksas offenbar gewünschtem Chaos führt, in dessen Verlauf sie darauf hoffen, wieder an die Schalthebel der Macht gespült zu werden.

Solange sich in den Medien nichts ändert, so lange selbstberufene „Journalisten“ und ähnliches Lautsprecher-Gesocks sich als Erfüllungsgehilfen eines Ex-Diktators sehen, mit vagen Aussichten auf Beförderung, sollten diese je wieder – Lord Buddha beware! – an die Macht kommen, sieht es finster aus für die Insel, die einmal ein Paradies war.

Sirisena war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aber mehr auch nicht. Zu viele der von Sirisena aus parteipolitischem Kalkül wieder zu Rang und Würden verholfenen „Politikern“ müssten, ebenso wie Namal Rajapaksa und dessen Verwandtschaft, längst hinter Schloss und Riegel sitzen. Stattdessen sichern sie sich nun als „Minister“ neue Pfründe unter dem neuen Präsidenten.

Es wird Zeit für die nächste friedliche Revolution in Sri Lanka, diesmal mit jemandem an der Spitze, der wirklich unbelastet ist, der wirklich aufräumt und auf die Einhaltung der Regeln, auf Recht & Gesetz achtet und der dafür sorgt, dass solche wie Namal R. endlich dahin kommen, wo sie hingehören: Nicht in ein Fernsehstudio, sondern in den Knast.

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