Fall Thajudeen: Wer genau gab den Auftrag zum Mord?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 8. Dezember 2016

Colombo – Die Familie des ermordeten Rugbyspielers Wassim Thajudeen hielt gestern einen stummen Protest vor dem High Court Gebäude in Colombo ab, um auf die schleppenden Ermittlungen in dem prominenten Fall hinzuweisen. Sie forderte, dass endliche Klage gegen den Gerichtsmediziner Professor Ananada Samaraseekera erhoben wird, dem von der Polizei vorgeworfen wird, bei der ersten Obduktion des Leichnams Thajudeens bewußt eine falsches Protokoll erstellt zu haben; außerdem habe der Professor dem dem Anschein nach Teile des Leichnams verschwinden lassen. Sie waren erst nach einem Hinweis in den Kühlräumen einer privaten Medizin-Akademie aufgetaucht, an der der Professor unterrichtete.

Gestern wurde der Fall einmal mehr vor Gericht angehört. Die Schwester des Ermordeten erklärte gegenüber der Zeitung Ceylon Today danach, dass, würde nicht endlich „etwas passieren“ in dem Fall, müsse man davon ausgehen, dass es eine heimliche Macht gebe, die dies zu verhindern suche.

In der Tat gibt es eine ganze Reihe von Hinweisen, dass hochrangige Beamte des Geheimdienstes des Landes versuchen, den Fall zu sabotieren, in dem die beiden Söhne des Ex-Präsidenten ein wichtige Rolle spielen und als mögliche Auftraggeber des Mordes in Frage kommen.

Denn soweit scheint die Sache geklärt, wie ein Kripo-Beamter inoffiziell zu Protokoll gab; es fehle nur noch der konkrete Auftraggeber.

Seit Wochen sitzt der ehemalige stellvertretende General-Inspekteur der Polizei, Anura Senanayake in U-Haft. Er soll vor knapp fünf Jahren Anweisung gegeben haben, den Mord als Unfall zu verschleiern.

Senanayake wird auch zu anderen Fällen befragt, bei denen er den herrschenden Rajapaksas mit Rechtsbeugungen und anderen Vergehen als „nützlicher Idiot“ diente.

„Wir wundern uns, dass er (Senanayake) angeblich noch kein Geständnis abgelegt hat; und auch, dass es bislang noch keine Klage gegen Gerichtsmediziner Samaraseekera gibt, der mit seiner Falschaussage die Mordtat deckte,“ sagte Dr. Ayesha Thajudeen gegenüber Ceylon Today.

Noch, so Ayesha Thajudeen, habe man Vertrauen in die Justiz. Nach seinem Amtsantritt hatte Präsident Sirisena die Wiederaufnahme des Falles verlangt.

Wassim Thajudeen war am 17. Mai 2012 tot, der Körper komplett verkohlt in einem Autowrack in Narathenpita aufgefunden worden. Sein Tod wurde zum Autounfall erklärt, obwohl die Leiche auf dem Beifahrersitz aufgefunden wurde und der Benzintank, der das Feuer nach dem Unfall ausgelöst haben soll, einige Meter vom Aufprallort seines Wagens entfernt aufgefunden worden war. Außerdem fand ein Zeuge später Thajudeens Geldbörse – einige Kilometer vom angeblichen Unfallort entfernt.

Bei der erneutet Obduktion des Leichnams stellte man nicht nur fest, dass einige Körperteile fehlten, sondern auch, dass Thajudeen vor seiner Ermordung schwersten Misshandlungen ausgesetzt worden war.

In einem langen Artikel in der australischen Zeitung Inquirier, der heute in der srilankischen Ausgabe der Financial Times nachgedruckt wurden, beschäftigt sich der Journalist von Greg Bearup ausführlich mit diesem und anderen Fällen des mörderischen Rajapaksa-Clans.

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