Mordfall Thajudeen: Neues Videomaterial aufgetaucht

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 3. Dezember 2016

Colombo – Neues im Fall des ermordeten Rugby-Idols Wassim Thajudeen: Nachdem das Material von Überwachungskameras nicht zur eindeutigen Identifizierung der Täter führen konnten, die das spätere Mordopfer auf dem Parkplatz einer Disco zunächst entführt und anschließend gefoltert hatten, ist nun offenbar bislang unbekanntes Material aufgetaucht. Diesmal soll auf dem Videomaterial auch ohne forensische Untersuchung mindestens eine Person deutlich erkennbar sein. Die wird nun ausfindig gemacht, die Polizei hofft auf Auskünfte.

Das Material verschiedener Überwachungskameras war auch in forensischen Digital-Labors in Kanada untersucht worden. Der Polizei nach, ohne identifizierbare Personen auszumachen. Möglicherweise wurde das Material manipuliert.

Die Anwälte der Familie Thajudeens, als Nebenkläger zugelassen, zeigten sich zuversichtlich, dass nun schon bald ein Prozess gegen die Täter begonnen werden könne. Ganz Sri Lanka wartet gespannt darauf, dass auch die Hintermänner des Mordes ans Tageslicht gezerrt werden, bei denen es sich vermutlich um Mitglieder der Rajapaksa-Familie handelt, die tief in den Fall verstrickt sind.

Auch die Staatsanwaltschaft scheint zuversichtlich, dass einer der in den Fall verwickelten Polizeibeamten umfassend beichten wird – und sei es, um als Kronzeuge Strafmilderung zu bekommen, denn in Sri Lanka ist für Mord und Verschwörung zu Mord noch immer die Todesstrafe vorgesehen, bzw. lebenslange Kerkerhaft. Feststeht: die Polizisten telefonierten in der Mordnacht zum Teil mehrfach mit einem Anschluß im Regierungssitz Rajapkasa, mit dem Obersten Polizeibeamten des Landes sowie mit der Nummer der Residenz der damaligen Ersten Familie. Um Anweisungen zu bekommen?

Die Untersuchungen hätten bislang „mindestens vier“ Zivilisten sowie „einige“ Polizeibeamte ausgemacht, die versuchten, den Mord als Unfall durchgehen zu lassen. Unter diesen Beamten ist auch der ehemalige Generalinspekteur der Polizei und  Schoßhündchen der Rajapaksas, Anura Senanayake, der mittlerweile auch wegen der Tötung von Demonstranten in Rathupaswela verhört wird und bereits seit Wochen in U-Haft sitzt. Die Demonstranten hatten es gewagt, gegen eine örtliche Firma (eines politisch mit Rajapaksa liierten Besitzers) zu protestieren, die ihr Trinkwasser mit ihren giftigen Abwässern verseuchten. Rajapaksa gab damals offenbar den Schießbefehl, Senanayake soll es ihm empfohlen und ausgeführt haben.

Senanayake hatte das selbe versucht, was andere Prominente im Falle ihrer Verhaftung tun. Nämlich sich krank zu melden, um sich in die angenehmere Atmospähre eines Krankenhaus verlegen zu lassen. Doch der Richter ordnete eine amtsärztlich Nachuntersuchung Senanayakes an, deren Ergebnis ihn davon überzeugte, dass Senanayake ruhig hinter Gittern und bestensfalls im Gefängniskrankenhaus bleiben darf. Gegen den Arzt, der festgestellt haben will, dass Senanayake haftuntauglich sei, wurde mittlerweile ein Verfahren eingeleitet wegen des Verdachts der ärtztlich beeideten Falschaussage und der Bestechlichkeit.

Könnte durchaus sein, dass der ehemalige oberste Polizist des Landes mürbe wird, angesichts seiner strikten Behandlung, und dass er umfassend aussagt.

Mehrere Anträge auf Kaution durch Senanayakes Anwälte wurden wegen des dringenden Tatverdachts des U-Häftlings und der möglichen Vertuschungsgefahr durch Bedrohung und Beeinflussung von Zeugen abgelehnt.

Im Zusammenhang mit dem Fall Thajudeen steht offenbar auch die Festnahme des ehemaligen obersten Gerichtsmediziners von Colombo, Dr. Ananda Samarasekera, unmittelbar bevor, der dies mittels allerlei juristischen Winkelzügen bisher verhindern konnte.

Der Gerichtsmediziner hatte nach der Obduktion des frischen Leichnams Thajudeens erklärt, dieser sei durch einen Autounfall ums Leben gekommen. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass Samarasekera auf Anweisung „von oben“ zu seiner Darstellung der Todesursache gelangte. Später ließ der Pathologe Teile der Leiche verschwinden – in den Kühlräumen einer privat geführten Mediziner-Akademie, an der er Dozent tätig war.

Nach der Exhumierung des Leichnams Tahjudeens Anfang des Jahres war festgestellt worden, dass Teile fehlten und dass es sich bei der Todesursache um Mord mit vorangegangener Folterung handelt. Nach einem Hinweis wurden die fehlenden Leichenteile in den Kühlräumen der Akademie gefunden.

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