Eine Hochzeitsreise ins Folterland Sri Lanka

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 22. November 2016

Toronto – Ein Mann aus Toronto, der während seines Aufenthalts in Sri Lanka gefangen und gefoltert wurde, muss für die von ihm erlittenen Missbräuche entschädigt werden, urteilte der UN-Menschenrechtsausschuss.

Die Entscheidung fordert Sri Lanka auf, die Verantwortlichen zu verfolgen und „einen angemessenen Ausgleich zu leisten“. Kläger ist Roy Samathanam, ein Kanadier, der vor Jahren eine Beschwerde beim kanadischen Komitee für  internationale Menschenrechte eingereicht hatte.

Samathanam, 46, nannte das in Genf erlassene Urteil „gerecht“ in einer Erklärung, die am Montag vom kanadischen Zentrum für Internationale Justiz veröffentlicht wurde, das mit ihm zusammen die Beschwerde eingereicht hatte.

Der Fall ist als eine weitere Rüge an Sri Lanka zu sehen, das sich seit langem dem Vorwurf gegenüber sieht, dass die Sicherheitskräfte des Landes nicht nur während des langen Bürgerkriegs, der 2009 mit der Niederlage der separatistischen Befreiungstiger von Tamil Eelam-Rebellen endete, sondern auch noch danach Folter und Misshandlung ausüben.

Samathan, der aus dem von Tamilen dominierten Norden der Insel stammt, war ursprünglich aus Sri Lanka während des Bürgerkrieges geflohen, hatte in Kanada Asyl bekommen. Während einer kurzen Waffenruhe im Jahr 2007 wollte er zurück ins Land, um zu heiraten. Doch daraus wurde zunächst nichts. Zwar konnte er ohne Schwierigkeiten einreisen, zusammen mit 600 gebrauchten Handies, die er für einen Geschäftsfreund aus Singapur besorgt hatte. Doch eines nachts wurde er von der Polizei im Haus eines Verwandten regelrecht überfallen und verschleppt.

Nachdem Samathanam sich standhaft weigerte, das von den Beamten geforderte Bestechungsgeld zu zahlen, wurde er in ein Haftzentrum für Terrorismusuntersuchungen gebracht, wo er als „kanadischer Tiger“ gebrandmarkt und fortgesetztem Missbrauch ausgesetzt wurde. Der Befehl, der seine Inhaftierung ermächtigte, beschuldigte ihn, „in einer Weise handeln, die der nationalen Sicherheit schadet.“

Zuerst wurde Samathnam beschuldigt, „High-Tech-Kommunikation und Radar-Ausrüstung“ für die tamilischen Rebellen der LTTE zu importieren, später wurde beschuldigt, die Ermordung von politischen VIPs  geplant zu haben.

Während er in Haft war, wurde er fortgesetzt in schmerzhaften Positionen gefesselt, geschlagen, getreten, mit Gewehrkolben und mit Plastikrohren geschlagen, mit dem Tode bedroht und man sagte ihm, man werde seine künftige Frau verhaftet und vergewaltigen, würde er nicht gestehen.

Samathanam plädierte unter diesem Druck schließlich auf „schuldig“ des „illegalen Imports von elektronischem Gerät und bezahlt eine Geldstrafe. Er kam erst im April 2011 nach Kanada zurück, wo er sich in Behandlung begab und gleichzeitig Klage einreichte beim kanadischen Unterhaus-Komitee für internationale Menschenrechte.

Die Vorwürfe, Sri Lankas Sicherheitskräfte bei Polizei und Armee hätten nicht nur während des Konflikts Grausamkeiten begangen, wurden von der Regierung immer wieder zurückgewiesen.

Doch eindeutige Videos und Fotos sowie Aussagen von Opfern belegen, dass willkürliche Festnahmen, Folter und Vergewaltigung zur Tagesordnung gehörten – und wohl noch immer gehören.

Advertisements