Journalisten Morde: Vigneswaran beklagt Untätigkeit

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 8. November 2016

Colombo –  Der Ministerpräsident der überwiegend von Tamilen bewohnten Nördlichen Provinz Sri Lankas, C. V. Vigneswaran, hat beklagt, dass die srilankische Regierung das Töten oder gewaltsame Verschwinden tamilischer Journalisten nicht untersuche, sondern nur Fälle, in denen singhalesische Journalisten die Opfer sind.

Der resolute und meinungsstarke Vigneswaran sprach auf einer Veranstaltung in Karaveddi bei Jaffna, bei der dem tamilischen Journalisten und Chefredakteur der tamilischen Publikation „Thinakkural“,  V.Thanabalasingam eine Auszeichnung für sein Lebenswerk übergeben wurde.

Vigneswaran, ehemals Richter, sagte, dass er diese Frage auch aufgeworfen habe, als der zuständige srilankische Minister (für Recht und Ordnung), Gayantha Karunatilake Jaffna im März besuchte; bislang habe er weder Antwort auf seine Frage bekommen, noch sei etwas in diese Frager geschehen.

Vigneswaran wies in seiner Laudatio an V.Thanabalasingam darauf hin, dass seit der Ermordung des für die BBC arbeitenden tamilischen Journalisten Nimalarajan in Jaffna vor 16 Jahren mehr als 40 Journalisten aus Sri Lanka getötet worden seien oder einfach verschwanden. Nur in zwei Fällen handle es sich nicht um Tamilen. Und nur diese beiden Fälle würden derzeit untersucht.

So ganz richtig ist Vigneswarans Feststellung indes auch nicht.

Gerade wurde im Fall des verschleppten und mutmasslich getöteten (singhalesischen) Karikaturisten Prageeth Eknaligoda die letzten beiden Verdächtigten auf Kaution aus der Haft entlassen, und auch im Fall des ermordeten Herausgebers es Sunday Leader, Lasantha Wickrematunge muss davon ausgegangen werden, dass die im Januar erst wieder aufgenommenen Untersuchungen erneut von interessierter Seite behindert werden.In beiden Fällen sind Angehörige des militärischen Geheimdienstes die Hauptverdächtigen.

Auch in anderen Kriminalfälle wird gemauschelt und geschoben, um die Schuldigen zu decken.

„Als die jetzigen Führer des Landes 2015 die Macht übernahmen, versprachen sie, das Töten und Verschwinden von Journalisten zu untersuchen. Aber wir haben bis jetzt wenig bis gar keine Hoffnung, dass diese auch tatsächlich untersucht werden“, sagte Vigneswaran.

Der Chief Minister stellte dies im Zusammenhang auch die Behauptung auf, dass die gegenwärtige Sirisena-Wickremesinghe-Regierung zwar versuche, den Eindruck zu erwecken, dass man offen mit der tamilische Frage umgehe, man in Wahrheit aber „indirekt und in geheimer Weise“ Tamilen weiterhin unterdrücke. Als Beispiel nannte Vigneswaran die noch immer anhaltende Anwesenheit von mindestens 100.000 Armee-Angehörigen in der Nördlichen Provinz, welche die Bewegungsfreiheit der tamilischen Bevölkerung stark einschränkten und noch immer wertvolles Ackerland besetzt hielten.

Laut Vigneswaran knebelt die Regierung die Tamilen des Nordens und des Ostens auf viele subtile Weisen, was auch in Bezug auf die neue Verfassung gelte, in der es nur „nach den Vorlieben der regierenden Mächte“ gehe.

Die Techniken der Einschüchterung hatten sich nicht geändert, so Vigneswaran. Wer die legitimen Beschwerden der Tamilen äußere, der werde schnell als „Terrorist“ oder „Extremist“ abgestempelt. Auf diese Art werde eine Unkultur der Angst gefördert.

Vigneswaran appellierte an die tamilischen Medien, die Probleme der Tamilen „kühn aber diplomatisch“ eine Stimme zu geben.

Er sagte, dass die Medien dabei stets dem journalistischen Ethos von V.Thanabalasingam folgen sollten, dessen Texte, auch wenn sie hart in der Sache seien, stets fair und auf sozialem Verantwortungsbewusstsein basierten.

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