Lasantha: Gotabhaya orderte Abhören des Mordopfers

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 4. November 2016

Colombo – Ein Dokument, das der Online-Zeitung Colombo Telegraph zugespielt wurde, legt nahe, dass die Telefone des ermordeten Herausgebers des Sunday Leaders, Lasantha Wickrematunge, abgehört wurden.

Die dienstliche Anweisung, angeblich nötig, weil die „nationale Sicherheit“ auf dem Spiel stehe, erging nur wenige Wochen vor dem Mord an Wickrematunge. Unterzeichnet hat die Anordnung der damalige stellvertretende Generalinspekteur der Polizei, Keerthi Gajanayake – auf direkte Anordnung seines Vorgesetzten, dem Präsidentenbruder und Staatssekretär der Verteidigung, Gotabhaya Rajapaksa.

Auf dem Schreiben sind auch die Nummern von teils hochrangigen Politikern der Opposition vermerkt – doch nur Lasantha wurde ermordet (am 10. Januar 2009). Die Order wurde am 10. September 2008 erlassen.

Aufgelistet ist auch die Telefonnummer des damaligen Führers der Opposition, des heutigen Premiers Ranil Wickremasinghe – das verdeutlicht, dass das Abhören weniger wegen Sicherheits-Bedenken, denn aus politischen Gründen erfolgte. Gotabhaya Rajapaksa war es, der den srilankischen Sicherheitskräften, so auch den Geheimdiensten, die technischen Möglichkeiten besorgte, Telekommunikation abhören zu können.

Was die Polizei mit den solchermassen gesammelten Daten wollte, ist eine der Fragen, die es nun zu beantworten gilt.

Neues gibt es auch im Fall des ehemaligen Geheimdienstlers Ilandarige Jayamanne, der sich erhängte hat und einen Abschiedsbrief hinterließ, in dem (angeblich er selbst) behauptete, er habe Lasantha Wickrematunge getötet. Mittlerweile haben Ermittlungen ergeben, dass der Mann zur Tatzeit in Pinnawela weilte, über 100 Kilometer weit vom Tatort entfernt. Auch passen die Fingerabdrücke nicht zu denen des oder der Täter, die am Fahrzeug des auf offener Straße ermordeten gefunden wurden.

Mittlerweile ist auch klar, dass es eine motorisierte Spezial-Einsatz-Einheit gab, vermutlich unter direktem Befehl des damaligen Verteidigungsministers Rajapaksa, die in einem umfunktionierten Warenlager am Tripolis Marktplatz in Colombo ihren Sitz hatte. In unmittelbarer Nähe gab es noch eine ähnlich Einrichtung – die ebenfalls direkt unter Gotabhaya Rajapaksa angesiedelte „elektronische Schnüffel-Einheit“.

Auf die Spur dieser ebenso illegalen wie klandestinen Einrichtungen waren die Ermittler gekommen, weil mit den bei dem Mordanschlag benutzten 5 Mobiltelefone allesamt mit Personen aus diesen beiden Gebäuden telefoniert worden war.

Alle bislang in dem Fall Verdächtigen sind Angehörige der Polizei bzw. des Geheimdienstes des Landes.

Der noch von Gotabhaya Rajapaksa eingesetzte, zwilichtige Geheimdienstchef Tuan Suresh Sallay, wurde erst vor wenigen Tagen von Präsident Sirisena persönlich seines Postens enthoben, nach massiven Protesten von Angehörigen der Zivilgesellschaft, die dem Schlapphut unterstellten, den Präsidenten gezielt mit Fehlinformativen zu füttern.

Sallay soll noch immer mit allen möglichen Mittel versuchen, die Hintermänner des Attentats an Wickrematunge zu decken, die er selbst in seinem letzten Artikel an den höchsten Stellen des damaligen Regimes vermutete.

Sallay soll auch hinter einer hochkriminellen Bande stecken, die sich selbst „Aava Gruppe“ nennt und die derzeit im  Norden der Insel ihr Unwesen treibt und (politische) Unruhe stiftet.

Angeblich soll Gotabhaya Rajapaksa den Befehl gegeben haben, die kriminelle Gruppe zu reaktivieren, die angeblich schon während des Krieges als Saboteure in dem von der LTTE besetzten Gebieten unterwegs war.

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