30.000 $ für gefährliche Reise nach Kanada

Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion aus The Globe & Mail vom 29. Oktober 2016
 
Vor einem kanadischen Gericht wird wird der Fall der MV Sun Sea verhandelt. Skrupellose Tamilen nutzten die Angst ihrer Landsleute nach dem Krieg, um sie auszubeuten und mit falschen Versprechungen nach Kanada zu locken. Der Prozess dürfte so manche unangenehme Wahrheit über selbsternannte tamilische Freiheitskämpfer ans Tageslicht bringen. Der Bericht ist übersetzt aus der kanadischen Zeitung The Globe & Mail.
          
Vancouver – Ein srilankischer Mann, der vor sechs Jahren auf einem Migrantenschiff in Kanada ankam, sagt aus, er habe $ 5.000 für die Überfahrt bezahlt und er habe verzweifelt darum gebeten, an Bord zu kommen.

Dhushandh Gandhi machte diese Aussage in einem Fall von Menschen-Schmuggel, der am Obersten Gerichtshof von British Colombia am vergangenen Donnerstag verhandelt wurde.

Kunarobinson Christhurajah, Lesly Emmanuel, Nadarajah Mahendran und Thampeernayagam Rajaratnam werden unter dem Immigrations- und Flüchtlingsschutzgesetz angeklagt, sie sollen die Reise-Organisation übernommen haben. Prozess begann letzte Woche in Vancouver.

Die MV Sun Sea kam im August 2010 in British Columbia an mit 492 Sri Lanka Tamilen an Bord – 380 Männer, 63 Frauen und 49 Kinder.

Herr Gandhi erklärte dem Gericht, das er $ 5.000 gezahlt hatte, um seinen Platz auf dem Frachtschiff zu sichern. Er sagte, dass er zusätzliche $ 25.000 zu zahlen hatte, wenn er erst in Kanada seßhaft geworden war. Die Forderung nach den weiteren 25.000 aber sei bislang ausgeblieben.

Herr Gandhi sagte, dass die Minderheit der Tamilen in Sri Lanka nicht richtig behandelt würden und dass Rassismus auf der Tagesordnung stünde.

Der Jahrzehnte andauernde Bürgerkrieg zwischen separatistischen Kamillen im Norden und der Mehrheit der Singhalesen im Süden endete im Jahr 2009, als die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) von Regierungskräften vernichtend besiegt wurden.

„Es war eine schreckliche Zeit, eine Tamile in Sri Lanka nach 2009 zu sein, nicht, dass es vorher gut war, aber danach war es noch schlimmer“, sagte Anwalt Sandy Ross, der Herrn Emmanuel vertritt.

Herr Gandhi stimmte diesem Punkt zu und auch darin, wie verzweifelt die Tamilen Sri Lankas     versuchten, das Land zu verlassen, weil sie glaubten, ihr Leben sei gefährdet.

Herr Gandhi bezeugte, er sei auch verzweifelt, dass er schaffe, an Bord des Schiffes zu kommen. Er sagte, er sei in dem Glauben gekommen, er würde eine eigene Kabine auf dem Schiff bekommen, was letztlich nicht das Fall gewesen sei.

Die Anklage, sagte in ihrem Eröffnungsplädoyer bei der Eröffnung des Falles letzte Woche, dass die (kassierende) Besatzung des Schiffes sowie „Personen von Bedeutung“ auf Deck über Wohnräume, einen Waschraum sowie über eine Küche verfügten. In der Anklage heißt es weiter,  dass Frauen und Kinder unter Planen auf dem Deck des Schiffes ausharren mussten, während die männlichen Passagiere auf dem Boden unter Deck schliefen.

Die Krone sagte auch, dass das Schiff lediglich dazu ausgerichtet sei, eine maximale Besatzung von 13 Personen aufzunehmen und fügte hinzu, dass es nicht konstruiert wurde, um eine so große Anzahl von Passagieren zu transportieren und ebenso wenig dazu geeignet, auf Große Fahrt zu gehen.

Herr Gandhi sagte, dass die Reise relativ glatt verlaufen sei. An einem Punkt der Reise habe es Maschinenstörung gegeben, was eine Stopp von drei oder vier Tagen verursacht habe. Dann sei es der Mannschaft gelungen, das Boot wieder zum Laufen zu bringen.

Die Reise habe etwas mehr als fünf Wochen gedauert. Das Schiff legte mit 493 Personen an Bord ab, ein Passagier starb auf dem Weg und wurde auf See bestattet.

In der Anklageschrift heißt es weiter, dass einige der Passagiere schon vor der Abfahrt mehrere Monate auf dem Boot gelebt hatten, bevor es im Juli 2010 von Thailand loslegte.

Herr Gandhi sagte, dass diejenigen, die schon lange an Bord des Schiffes gewesen waren, unruhig wurden, und an einem Punkt hätten sie eine Revolte ausgelöst und an die Tür der Kapitänskajüte geschlagen.

Die MV Sun Sea wurde von den kanadischen Behörden kurz nachdem es in nationale Gewässer fuhr aufgebracht und an Land geschleppt.

Die Anklage stellte fest, dass keine der Personen an Bord der MV Sun Sea befindlichen Personen die erforderlichen Reisedokumente zur legalen Einreise nach Kanada mit sich geführt hätten. Kapitän und somit verantwortlich für das Schiff und seine Fracht soll laut Anklage Lesly Emmanuel sein.

Christhurajah soll eine in Thailand einflussreiche Person gewesen sein, der einigen der Passagiere vor der Reise Unterkünfte vermietete (zum Teil zu horrenden Preisen).

Die Angeklagten Mahendran und Rajaratnam werden verdächtigt, als Agenten gearbeitet zu haben, die selbst nicht an Bord des Schiffes waren, aber geholfen haben und Vorkehrungen trafen. Mahendran und Rajaratnam haben gültige kanadische Pässe.

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