Lasantha Mord: Falsches Geständnis nach Selbstmord

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 16. Oktober 2016

Colombo – Während die Untersuchungen im Mordfall des ehemaligen Chefredakteurs und Herausgebers des Sunday Leaders, Lasantha Wickrematunga erstmals Fortschritte machen, wird es immer deutlicher, dass es noch immer Kräfte in Sri Lanka gibt, welche die Ermittlungen konterkarieren – oder dies zumindest nach Kräften versuchen.

Die örtliche Kripo untersucht derzeit in diesem Zusammenhang den angeblichen Selbstmord von Ilandarige Jayamanne (51), eines ehemaligen Angehörigen der Armee, der vergangenen Freitag erhängt in der Küche seines Hauses aufgefunden wurde. An seinem Sarong befestigt fand man einen Abschiedsbrief, in dem steht, dass er, Jayamanne, der Mörder Wickrematunges sei und nicht sein „Freund Malinda“.

Der wegen Verdachts der Beteiligung am Mord inhaftierte Geheimdienstler Premananda Udalagama, soll auch wegen anderer Delikte angeklagt werden.

Doch es gibt Unstimmigkeiten und Auffälliges: Zum einen ist es fraglich, ob jemand, der Selbstmord begeht, wirklich den Nerv hat, die Abschiedsnote an den eigenen Kleider zu befestigen.

Der 22-jährige Sohn sagte gegenüber den untersuchenden Beamten, die Handschrift sehe zwar der seines verstorbenen Vaters ähnlich, er könne es jedoch nicht mit Sicherheit sagen.

Merkwürdig ist auch, dass der Jayamanne den Namen des (angeblichen) Freundes nicht weiß. Im Abschiedsbrief nennt er ihn „Malinda“, doch der Rufname von Premananda Udalagama ist „Ananda“.

Wickrematunge wurde 2009 ermordet, Jayamanne schied jedoch bereits 2007 aus der Armee aus. Die Beamten konnten außerdem feststellen, dass Jayamanne kurz vor seinem Selbstmord – vom 11. bis zum 13. Oktober – zwei Tage lang verschwunden war, niemand wußte, wo er sich aufhielt – oder mit wem er sich traf.

Mittlerweile haben weitere Untersuchungen ergeben, dass sämtliche Telefonkontaktdaten Jayamannes gelöscht worden waren. Nun erhofft man sich Auskünfte vom zuständigen Provider. Die Polizei will herausfinden, mit wem sich Jayamanne vor seinem Tod getroffen hat und wer veranlasste, dass die Telefondaten gelöscht werden.

Srilankische Menschenrechtsaktivisten haben seit längerem den amtierenden Chef des militärischen Geheimdienstes, Tuan Suresh Sallay in Verdacht, die Untersuchungen nicht nur im Mordfall Wickrematunge zu sabotieren und fordern dessen Absetzung von Präsident Sirisena, der sich kürzlich in einer irritierenden Rede plötzlich dagegen gewandt haben soll, dass hohe Militärs wegen ihrer mutmasslichen Beteiligung an Verbrechen von der Kripo untersucht bzw. vor Gericht zitiert werden.

Sirisenas Rede hat große Unruhe ausgelöst, nicht nur bei Menschenrechstaktivisten, sondern auch bei der Kripo und deren Antikorruptionseinheit, aber auch in der Justiz selbst.

Einige der ehemaligen Minister (und Parteigenossen Sirisenas), die wegen Bestechlichkeit und Korruption angeklagte sind, feixten bereits, der Präsident sei endlich zur Besinnung gekommen…

Doch Sirisena ging es offenbar nur darum, vorher über prominente Festnahmen informiert zu werden. Nun soll es ein spezielles Kommitee richten – und dafür sorgen, dass der Präsident „Bescheid“ weiß.

Wickrematunge wurde nur wenige Tage bevor er vor Gericht ein Aussage machen sollte ermordet. Seine Aussage hätte vermutlich den damaligen Staatssekretär der Verteidigung, Gotabhaya Rajapaksa schwer belastet in einen noch immer nicht geklärten Fall von Korruption. Dabei gibt es um die Beschaffung von Kampfflugzeugen. Ein weiteres Mitglied des Rajapaksa Clans ist in diesen sog. MiG-Deal verwickelt, er wurde kurz vorher als Botschafter Sri Lankas in die Ukraine bestellt, woher die schrottreifen gebrauchten Flieger stammten.

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