Versteckte sich Lasanthas Mörder in Berlin?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 3. Oktober 2016

Colombo – Der Armee-Nachrichtenoffizier Premananada Udalagama, der wegen des dringenden Verdachts der Beteiligung am Mord an Chefredakteur und Herausgeber Lasantha Wickrematunge zur Zeit in U-Haft ist, wurde kurz nach dem Mord nach Deutschland geschleust.

Die Kripo berichtete, dass für Udalagama an der srilankischen Botschaft in Berlin ad hoc ein Posten geschaffen worden war – durch das Verteidigungsministerium, das damals von Präsidentenbruder Gotabhaya geleitet wurde.

Der damalige Nachrichtendienstchef, Kapila Hendawithana (und Amtsnachfolger Gotabhaya Rajapaksas), hatte beim Außenministerium Flugtickets für Udalagama, seine Frau und deren beiden Kinder beantragt, weil er in Deutschland eine „wichtige Person“ schützen solle. Der Antrag wurde zunächst abgelehnt.

Erst auf Intervention „eines ranghohen Beamten“ des Verteidigungsministeriums (Gotabhaya selbst? – denn ohne sein Wissen ging damals nichts in „seinem“ Ministerium. Die Red) übernahm das Außenministerium (damals unter dem ehemaligen Rechtsprofessor G.L. Peiris) die Flugkosten. Udalagama trat seinen Posten in Berlin an – bei freier Kost und Logie für sich und die seinen.

Die Kripo berichtete auch, dass sie auf der Suche nach dem fehlenden Ordonnanzbuch des Soldaten Udalagama sei. Das „Daily Occurrence Book“ (DOB) muss von jedem Soldaten der Armee ständig griffbereit sein; darin werden alle Tätigkeiten, Befehle und Tagesorder eingetragen. Udalagam behauptet, er habe sein DOB bereits der Kripo übergeben.

Nach der in der vergangenen Woche vom Gericht verordneten Obduktion des Leichnams von Lasantha Wickrematunge tauchen erneut Zweifel auf, dass der Redakteur erschoßen wurde. Stattdessen geht man mittlerweile davon aus, dass ein mit Spannfeder getriebenes Bolzenschußgerät, das bei der Schlachtung von Nutztieren Einsatz findet, die Mordwaffe war – möglicherweise ein deutsches Fabrikat.

Die srilankische Kripo hat bereits mehrere dieser in Sri Lanka verbotenen Geräte zum forensischem Abgleich bei den Herstellern bestellt.

Der nach dem Anschlag auf Lasantha Wickrematunge behandelnde Notarzt, Prof. Mohan Silva, hatte keine Schusswunde feststellen können, im späteren Autopsiebericht von Amtsarzt Dr. K. Sunil Kumara war jedoch die Rede von einer solchen.

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