Lasantha Mord: Armee-Spion weiter in U-Haft

Von der LTTEwatch-Redaktion 30. September 2016

Colombo –  Stück für Stück, wie in einem Gerichtskrimi von John Grimsham, koomt die Wahrheit um den gewaltsamen Todes des Journalisten und Blattmachers Lasantha Wickrematunge ans Licht des Tages.

Die Untersuchungshaft des Offizieres des Armee-Nachrichtendienstes, Premananda Udalagama, wurde heute  im Zusammenhang mit der Ermordung des Sunday Leader Gründers und Chefredakeurs Lasantha Wickrematunge bis zum 13. Oktober verlängert. Ihm wird eine massgebliche Beteiligung an dem feigen Attentat vorgeworfen. Udalagama gilt als enger Vertrauter des Rajapaksa-Clans, vor allem von Gotabhaya, dem ehemaligen Staatssekretär der Verteidigung, unter dessen direktem Befehl er stand.

Udalagama war im Juli von der Kripo in Verbindung mit der von Präsident Sirisena angeordneten erneuten Untersuchung der Ermordung von Wickremantunge verhaftet worden.

Mittlerweile wurde er bei einer Gegenüberstellung auch als Täter identifiziert, der den ehemalige Herausgeber der Zeitung Rivira, Upali Tennakoon zusammen geschlagen hatte – im gleichen Monat, in dem Wickremantunge ermordet wurde. Teenakoon wurde bei dem Überfall schwer, seine Frau nur leicht verletzt; beide leben seither im Ausland.

Udalagama wurde auch als die Person identifiziert, die den Fahrer Wickremantunges nach dessen Tod gewaltsam entführt und massiv bedroht hatte. Der Fahrer hatte den Fehler begangen, Bar-Bekanntschaften gegenüber zu behaupten, er wisse, wer für den Mord an Lasantha Wickrematunge stecke. Kein geringerer als der Präsidentenbruder Gotabhaya persönlich.

Unter großen Polizeiaufgebot und ebenso großem Medienansturm wurden die sterblichen Überreste Wickremantunges vergangene Woche nach einem Gerichtsbeschluss exhumiert.

Das Gericht folgt damit den Erkenntnissen in dem Bericht der Kripo (CID), wonach es Unstimmigkeiten beim Autopsie-Bericht des damals zuständigen Amtsarztes gibt, der u.a. eine Schusswunde als Todesursache angab. Eine Kugel wurde jedoch nie gefunden.

Die Ergebnisse der erneuten  Autopsie werden voraussichtlich in einem Monat vorliegen.

Wickremantunge wurde im Januar 2009 auf dem Weg zu Arbeit auf offener Straße inmitten einer damals überall in Colombo üblichen Sicherheitszonen getötet. Unter den Rajapaksas, die Wickremantunge in seinem letzten Artikel beschuldigte, Schuld zu sein, sollte er ermordet werden, wurden die Untersuchungen an dem weltweit Aufsehen erregenden Fall verschleppt, Zeugen starben, Dokumente und Beweise verschwanden.

Wickremantunge galt als schärfster Kritiker der Rajapaksas, den er schon früh vorwarf, eine nepotistische Diktatur aufbauen zu wollen. Der Mord an ihm deutet in die höchsten Spitzen des damaligen Staatsapparats.

Möglicherweise ausschlaggebend für den Mord an Wickremantunge war ein Artikelserie, mit der seine Zeitung, The Sunday Leader, die Machenschaften von Gotabhaya Rajapaksa, sowie eines engene Verwandten, Udayanga Weeratunga (damals Botschafter SLs in der Ukraine, von der Polizei derzeit auch wegen eines Mordfalles dringend gesucht) bei einem Deal um ausgemusterte MiG27 Jagdbomber für die eigene Luftwaffe aufdeckte und wie die beiden sich die eigenen Taschen dabei füllten.

Eine Anklage in dieser Sache steht Gotabhaya Rajapaksa wohl ebenso noch bevor, wie die jetzt im Fall einer „schwimmenden Waffenkammer“ auf dem Schiff Avant Garde erhobene. Gotabhaya, der Bruder des Ex-Präsidenten und seine Mitangeklagten sollen u.a. einen schwunghaften „off shore“ Waffenhandel betrieben und Milliarden von Rupien kassiert haben.

Gegen eine bisherige Rekordsumme an Kaution kamen die Verdächtigten nach einer ersten Anhörung vorläufig auf freien Fuß.

Bei Delikten dieser Art und vor allen in diesem Umfang eigentlich nicht üblich – und wohl ein Nachhall der einstigen Macht der abgesetzten Rajapaksas, der zur Schau gestelltes Lächeln bei den sich häufenden richterlichen Anhörungen immer gequälter wirkt…

Die einstigen Machthaber selbst scheinen immer noch nicht glauben zu wollen, dass sie tatsächlich für ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden sollen.

 

 

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