Kriegsverbrechen: Hat Wimal die Rajapaksas verraten?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 18. September 2016

Colombo – Wimal Weerawansa, der Abgeordnete der UPFA und Chef einer eigentlich bedeutungslosen Splitterpartei, ist einer der umstrittensten „Politicos“  Sri Lankas, jener populistisch-kriminellen Bagage, die seit zwei Jahrzehnten Sri Lanka heimsuchen.

Politicos, „lankanstyle“, das sind gewählte Provinzganoven und Bandenchefs, die schamlos ihre pseudo-demokratische Position wie mittelalterliche Granden nutzen und Gunst und Strafe nach Gusto unterm Wählervolk verteilen.

Diese Unkultur hat dazu geführt, dass in Sri Lanka selbst die Antikorruptionskämpfer korrupt sind.

Weerwansa ist einer der berüchtigsten Politclowns der Rajapaksa Ära gilt als das Großmaul unter den Populisten und er hat derzeit arg mit Imageproblem zu kämpfen. Dem ehemals glühenden Marxist und selbsternannten Rächer der Unterschicht, der selbst gerne in Luxus schwelgt und lebt, wird unter anderem Passfälschung für sich und seine Gemahlin vorgeworfen, wobei er sich und sie deutlich jünger machte beim (praktischen, diplomatischen) Zweitpass.

Die Gelegenheit zum Passfälscher bot sich in seiner Position als einflussreicher Minister für Wohnungsbau im Nepokratie-System der Rajapaksas. Auch als Wohnungsbauminister wußte Weerawansa seine Position zu nutzen. Zum Wohle seiner Verwandten, engen Bekannten und Anhänger, die er bevorzugt mit nigelnagelneuen Wohnungen bedachte, bezahlt zumeist aus den scheinbar unbegrenzte Fördertöpfen des hochdefizitären Rajapaksa Regimes, deren Prasssucht den Staatssäckel künftiger Generationen bis an die Grenzen belasten wird.

Seit die Untersuchungen gegen ihn und seine Mitläufer laufen – seiner Meinung nach natürlich nur schnöde Rache der neuen, demokratisch gesonnenen Regierung unter Präsident Maithripala Sirisena und Premier Rail Wickremasinghe – müssen er, sein Bruder und auch die Frau Gemahlin und weitere Helfershelfer täglich mit einer Festnahme bzw. Anklage rechnen, denn die neue Regierung scheint es ernst zu meinen mit ihrem Feldzug gegen die Korruption. Und das heißt fast immer gegen die Mächtigen in der vorherigen Regierung.

Gerne nutzt Weerawansa Sitzungen mit einflussreichen buddhistischen Prälaten, um – seiner Meinung nach – politisch Brisantes kundzutun.

Sein derzeitiges Lieblingsthema ist die geplante Rundumerneuerung der srilankischen Verfassung, ein mittlerweile arg gepatchworktes Werk, das nur letztlich nur Diktatoren als Steigbügel dienlich sein kann. Die unter Rajapaksa ruhmloser Ägide im hörigen Parlament durchgepaukten, angestückelten Teile, die einzig dazu dienten, der amtierenden Familie noch mehr Macht zuzuschanzen, dürften bei der neuen Fassung jedenfalls wegfallen.

Nach Weerawansas Meinung ist aber eine neue Verfassung ein Frontalangriff auf die „Sicherheit des Landes“.

Hintergrund dürfte in Wahrheit vielmehr sein, dass er selbst keinerlei politische Zukunft mehr unter einem wirklich demokratischen System hätte, was auch das endgültige Ende der Comebackpläne seines ehemaligen Chefs zur Folge hätte.

Was wiederum bedeuten würde, dass alle Versuche, die derzeitig intensiv verfolgten Korruptions-Untersuchungen und die daraus resultierenden, nicht nur peinlichen sondern auch hochkriminellen Ermittlungsergebnisse unter den Tisch zu kehren, wie es eben unter Rajapakas üblich war, ein für alle mal der Vergangenheit angehören.

Wimal Weerawansa und seine Konsorten wollten mit dem Prädikat „Achtung Staatsgefährdung voraus“ das auf ihre bislang üblich Weise in die Presse und damit unters Volk bringen. Also per Audienz.

Doch der wie üblich medienwirksam arrangierte Besuch beim einflussreichen Prälat des Malwatte Kapitels, Thibbatuwawe Sri Siddartha Sumangala Thera in der vergangenen Woche droht zum Desaster für ihn – und die Rajapaksas zu werden.

Großmaul Weerawansa hatte sein Hirn eindeutig und zum wiederholten Male anderswo hinterlassen.

Noch bevor er seine Meinung zur sicherheitsrelevanten Auswirkung der neuen Verfassung kundtun konnte, dass sie nur den seperatistischen Bemühungen der Tamilen erleichtern würde, (im Grunde der alte, mittlerweile mehr als nur unglaubwürdige Polit-Schnack der Rajapaksas) hub der Ehrwürdige in Orange an und ermahnte Weerawansa in mehr als deutlichen Worten, doch seinen Schnabel zu halten und zumindest abzuwarten, bis der Entwurf der neuen Verfassung vorliege, der derzeit von verschiedenen, dafür eingesetzten Kommissionen erarbeitet wird.

Mehrfach, so der ehrwürdige, politische aversierte Prälat, hätte sowohl Präsident wie Premier bestärkt, dass die neue Verfassung alles andere als staatsgefährdet sein werde, deren Entwurf man in naher Zukunft erwarte. Also, so der ehrwürdige Prälat, warum würde er, Weerawansa, dann versuchen Panik zu schüren über etwas, was noch nicht einmal vorliege?

Im Übrigen, so der Prälat, sei das, was er, Weerawansa, in diesem Zusammenhang öffentlich von sich gebe, ganz sicher im höchsten Masse gefährlich für die innere Sichert des Landes.

Selten, so die anwesenden Presseleute, habe man Wimal Weerawansa so baff erlebt.

Setzte dessen Hirn auch an dieser Stelle aus?

Wimal änderte schlagartig die Taktik und blubberte los: Der ehrwürdige Prälat möge doch seine Position zu dem Thema nocheinmal überdenken.

Außerdem sei es eine Dummheit der Sirisena-Regierung, die von den Truppen seit dem Ende des Krieges 2009 gegen die LTTE besetzten Ländereien im Norden und Osten an deren rechtmässige, zumeist tamilische Besitzer zurückzugeben.

„Zum Beispiel,“ sprach Wimal Weerawansa, „kürzlich ist ein Armeelager in der Nähe von Kilinochchchi (der ehemaligen ‚Hauptstadt‘ der LTTE) aufgelöst und der Grund an die Besitzer übergeben worden. Wenn die jetzt anfangen zu graben, dann werden sie viele Leichen finden, denn dort begrub man die toten LTTE-Kader.“

Und? So wird der Prälat eventuell an der Stelle gefragt haben.

„Dann läuft Sri Lanka Gefahr, dass man das für Massengräber hält und dann könnte das als Beweis für die Kriegsverbrechen der Rajapaksa-Brüder Gotabhaya (agierender Oberbefehlshaber und de-Facto VerteidigungsKriegsminister)  und Mahinda (nomineller Oberbefehlshaber, Über-Präsident) deuten.“

Und würden die beiden (ungerechterweise!) verurteilt, so Weerawansa weiter, dann könnte in Sri Lanka eine Situation wie im Kosovo und Serbien entstehen, wo es nach Kriegsverbrechen zur Teilung des Landes kam, so Weerawansa weiter.

So völlig irre die Argumentationskette des Wimal Weerawansa auch sein mag, so offenbart damit zum ersten Mal ein führendes Mitglied des ehemaligen, geschassten Rajapaksa Regimes die Existenz von Massengräbern.

Gibt es diese Massengräber, gibt es dasjenige im ehemaligen Armeelager von Kilinochchi wirklich, und wird es ausgehoben, dann wird die moderne Forensik Beweise erbringen, zweifelsohne.

Zu wessen Gunsten diese ausfallen, das ist noch die große Frage, die Menschenrechtler, die sich mit Sri Lanka Krieg gegen die terroristische LTTE beschäftigen, seit vielen Jahren beschäftigt.

Wimal Weerawansa aber hat seinem ehemaligen Chef einmal mehr einen Bärendienst geleistet. Und vermutlich eine Lawine losgetreten, die nicht nur ihn überrollen wird.

Weerawansa und Seinesgleichen zeigen sich auch nach einem Jahr des neuen  Regierungsstils beratunsgrestistent. Sie wollen die Zeichen der neuen Zeit nicht erkennen. Er und seine wahren Herren, der Rajapaksa Clan, können nur in einem politischen Klima der Angst und der Gesetzlosigkeit überleben, wie es Rajapaksa als Präsident zu erzeugen wußte. Dieses Klima sowie deren Brutstätten schwindet jedoch mit jedem Tag mehr.

Das nepotistische Wolkenkucksheim, das ein ehemals gottgleicher Ex-Präsident Rajapaksa noch immer absurderweise mit Zähnen und Klauen verteidigt, hat wohl keine Chance mehr auf ein Comeback bei der srilankischen Bevölkerung, die trotz der bedenklich vielen Anfängerfehler der Sirisena-Wickremasinghe Regierung  erkannt hat, dass eine (noch nicht ganz) korruptionsfrei Demokratie nach westlichen Vorbild immer noch mehr Vorteile für jeden bietet, als es unter den Rajapaksas und deren durch und durch korruptem System je der Fall war.

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