Monsun in SL: Erdrutsche fordern weitere Todesopfer

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 19. Mai 2016

Colombo – Die Hoffnungen darauf, dass es unter den 130 Vermissten bei den verheerenden Erdrutschen, die Sri Lanka trafen, Überlebende geben könnte, verblasste am Donnerstag schlagartig. Die Zahl der bestätigten Todesfälle stieg mittlerweile auf 58, Tausende unmittelbar betroffenen Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Es regnet weiter – und auch die Erde ruscht weiter.

Die von den Sicherheitskräften des Landes geleiteten  Rettungsmaßnahmen mit schwerem Gerät aber auch mit Mannschaften, die sich mit Schaufeln und Spaten durch die aufgeweichten Erdmassen auf der verzweifelten Suche nach Verschütteten wühlen, werden durch die andauernden Regenfälle stark behindert.

Der seit letzten Sonntag andauernde Starkregen hat bislang mindesten
300.000 Menschen auf der ganzen Insel aus ihren Häusern vertrieben, wie offizielle zur Verfügung stehende Daten zeigen.

Hilfsorganisationen versuchen in Colombo mit Booten Hunderte von Menschen ins Trockenen zu bringen, die durch steigende Flusswasser bedroht sind. Selbst das Parlamentsgebäude in Sri Jayawardenepura (Kotte) steht tief im Wasser.

Die Katastrophenmanagement-Behörde (peinlicherweise noch mit einem Video des korrupten Ex-Präsidenten auf der Startseite) bestätigte, dass etwa 300.000 Menschen im ganzen Land von der Katastrophe betroffen seien und mittlerweile auf 610 auf höher gelegenerem Land eingerichtete sogenannte „sichere Orte“ verbracht wurden, wo sie versorgt werden. Als Sammelstelle für Fluopfer würden auch höher gelegene Tempel dienen, hieß es.

Die Regierungs-Truppen und Marine setzen auch militärische Boote und Hubschrauber bei den Rettungsmaßnahmen ein. Die Wassermassen haben zahllose Flüsse im Land ihre Ufer übertreten lassen und seit Sonntag für Überschwemmungen und Erdrutsche in 19 von 25 Bezirken des Landes verursacht.

Überschwemmungen und Dürre sind zyklisch in Sri Lanka, das von einem südlichen Monsun von Mai bis September heimgesucht wird, während ein nordöstlichen Monsun von Dezember bis Februar andauert. In den letzten Jahren haben sich die Schlechtwetter-Perioden deutlich verlängert, während die Trockenperioden große Dürren mit sich brachten. Einige Experten sehen darin deutliche Anzeichen eines Klimawandels in Sri Lanka – der drastische Auswirkungen haben könnte.

In den gebirgigen Regionen der Insel leben viele Menschen, die am Rande des Existenzminimums in der Teeindustrie tätig sind. Diese Ärmsten der Armen bauen ihre Hütten, wo sie Platz finden, auch an Hängen, deren Bäume für ihre Hüten gerodet werden. Der Lös- und Lehmboden dieser abgeholzten Wälder ist anfällig für Wasser und diesem schutzlos ausgeliefert – das geradezu ideale Szenario für verheerende Erdrutsche, die immer wieder viel Opfer in Sri Lanka fordern.

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Anmerkung der Redaktion:

Wenn Sie, liebe LTTEwatch-Leser und besonders die Angehörigen der tamilischen Diaspora in der Welt, denen sich aus der Katastrophe die Chance ergibt, etwas wirklich Großzügiges zu tun – wenn Sie also spenden möchten, was wir ausdrücklich begrüßen, dann achten Sie bitte darauf, an welche Organisation Sie das tun!

Nach dem Tsunami versiegten viele Gelder. Zum Beispiel in den Taschen des ehemaligen, mittlerweile geschassten und der massiven Korruption bezichtigten Ex-Präsidenten Mahinda Rajapaksa und dessen ebenso weitverzweigten wie raffgierigen Clans. Rajapaksa nutzte Hilfsgelder, die für Tsunami-Opfer seines Wahlbezirks bestimmt waren, um seinen Wahlkampf zu finanzieren…  Der Stoff für ganze Bücher.

Bitte wählen Sie sorgfältig, und bitte lassen Sie, solange es keine gesetzlich eindeutig verankerte öffentliche Bilanzpflicht für heimische Hilfsorganisationen gibt, diese außen vor!

Internationale Organisationen, die ein einsehbares Rechenschafts-Berichts-System haben, sind bereits vor Ort und tätig, dem Vernehmen nach wird auch die deutsche Regierung mit Hilfsmassnahmen reagieren. Wenn Sie persönliche Bekannte in Not haben, spenden Sie persönlich!

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