Wird Thajudeen zum Verhängnis für die Rajapaksas?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 23. April 2016

Colombo – Neue Besen kehren gut. Diese Binse zeigte sich unmittelbar nach der Wahl des neuen General-Inspekteurs der Polizei Sri Lankas.

Schon die Wahl des 34. Polizeichefs des Landes war ein Novum für Sri Lanka. Präsident Sirisena hatte drei Namen von hochrangigen Offizieren als mögliche Kandidaten benannt, bestimmen aber durfte ein 10-köpfiges Gremium (Constitutional Council = CC), bestehend aus Ministern, Abgeordneten sowie Vertretern der Zivilgesellschaft, vor dem diese Kandidaten vorsprechen mussten.

Die Wahl fiel schließlich auf Pujitha Jayasundra – was vielen Anhängern des Nepotisten und Ex-Präsidenten Mahinda Rajapaksa den Angstschweiß auf die Stirn getrieben haben wird; der Mann gilt als integer und als aufrechter Polizist. Rajapaksa und seine Handlanger hatten inständig gehofft, dass die Wahl auf den ehemaligen Sicherheitschef des Ex-Präsidenten, S.M. Wickremasinghe fallen würde.

Doch für Wickremasinghe wurden vermutlich genau diese enge Verbindung zur Familie des Ex-Despoten zum Malus, denn unter seinem Kommando stand seinerzeit auch der berüchtigte „Captain Tissa“, einem Mann, der als „Hitman“ der Rajapaksas verdächtigt wird, eine ganze Reihe von Straftaten im Auftrag der herrschenden Familie begangen zu haben. Auch gegen andere Mitglieder dieser persönlichen Sicherheitstruppe Rajapaksas unter Wickremasinghe sind derzeit Untersuchungen im Gange, u.a. wegen Erpressung, Entführung und Auftragsmord sowie Geldwäsche.

Unmittelbar nach der Wahl seines Konkurrenten um den Posten des General-Inspekteurs kündigte Wickremasinghe.

Unmittelbar nach seiner Wahl hielt Jayasundra eine Pressekonferenz – seine erste und letzte, wie er betonte. Künftig werde nur der offizielle Sprecher der Polizei von Sri Lanka vor die Presse treten und auch nur dann, wenn es wirklich etwas zu sagen gebe. Außerdem tat er kund, dass künftig jeder, der gegen das Gesetz verstoße, damit zu rechnen habe, polizeilich verfolgt zu werden, unabhängig von gesellschaftlichem Rang und Namen. Ein Selbstverständlichkeit – bislang allerdings nicht in Sri Lanka. Und ein deutlicher Rüffel an seinen Vorgänger, der sich in seinen Aktionen zu oft dem Willen des herrschenden Rajapaksa Regimes gebeugt hatte.

Dass 57-jährige Jayasundra ein Mann der Tat ist, ließ sich schon tags darauf feststellen. Im Fall des ermordeten Rugbyspielers Wasim Thajudeen kam es endlich zur lange Zeit immer wieder hinausgezögerten Festnahme eines der Hauptverdächtigten im Fall Thajudeen.

Dem Polizeioffizier Sumith Champika Perera wird im Falle des ermordeten Thajudeen die Vernichtung sowie das verfälschen von Beweismitteln vorgeworfen.

In ersten Verhören soll der Polizist gestanden haben, er habe all dies auf direkte Anweisung seines Vorgesetzten Anura Senanayake getan, einem engen Vertrauten von Ex-Präsident Rajapaksa, der ihn persönlich und anwies, was zu tun und zu berichten sei, angeblich einmal sogar mit prominenten Mithörern am Telefon: den damaligen Staatsekretär der Verteidigung, Präsidentenbruder Gotabhaya Rajapakasa, sowie den ältesten Sohn des Ex-Präsidenten, Namal Rajapaksa, der ebenfalls als einer der Verdächtigen im Fall Thajudeen gilt.

In Sri Lanka wird nun damit gerechnet, dass als nächster der berüchtigte Ex-Polizei-Chef Anura Senanayake festgenommen wird – auch diese Order steht schon lange aus. Mal sehen, ob er dann auch so „singt“ wie sein ehemaliger Untergebener. Ebenfalls kurz vor der Verhaftung steht wohl auch der Amtsarzt, der seinerzeit die Unfall-Version mit medizinischen Pseudofakten unterstützte und der ebenfalls wichtige Indizien, die nicht ins offiziell gewünschte Bild paßten, verschwinden ließ.

Wenn sich die bisherigen Vermutungen der Polizei erhärten lassen, könnte der Fall Thajudeen zum finalen Debakel für die Familie des Ex-Präsidenten werden.

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