Der ultimative Verrat des Mahinda Rajapaksa

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 4. Februar 2016

Colombo – Eine Schlüsselfigur des ehemaligen LTTE Geheimdienstes, der international gesuchte Emil Kanthan alias Anton Chamil Lakshmi Kannan, hat sich bereit erklärt, mit den srilankischen Behörden zu ko-operieren und ins Land zurück zu kehren, um Aussagen zu machen. Bedingung dafür, so sein Anwalt, sei die Zurücknahme der internationalen Fahndung und freies Geleit; das wurde Kanthan offenbar gewährt. Innerhalb von 14 Tagen soll er nun nach Sri Lanka kommen und sich den Behörden stellen.

Für den wegen der Festnahme seines zweitältesten Sohnes sichtbar angeschlagenen und nur noch wirres Zeug von sich gebenden Ex-Präsident Malinda Rajapaksa ist das unvermutete Auftauchen Emil Kanthans möglicherweise der Strohhalm, der den Rücken des Kamels bricht. Denn mit einer Aussage Kanthans steht sein weiterer, tiefer Fall bevor – dieses Mal vom gefeierten Kriegshelden zum ultimativen Landesverräter.

Von Emil Kanthan wird erwartet, dass er Details zu einem schmutzigen Deal auspackt, der sich im Jahr 2005 zutrug. Damals soll Rajapaksa der LTTE über jenen Emil Kanthan Geld angeboten haben – im Gegenzug möge die LTTE in den von der Terrortruppe damals besetzten Gebieten im Norden und Osten der Insel dafür sorgen, dass die Menschen dort ihre Stimme nicht an seinen damaligen Widersacher bei den anstehenden Wahlen geben. 2005 trat Mahinda Rajapaksa gegen den heutigen Premier, Ranil Wickremasinghe an, der aller Voraussicht nach die Wahl gewonnen hätte – wäre es mit rechten Dingen zugegangen.

Die Schlüsselfigur bei diesem Deal war der damalige Finanzmanager der LTTE, Anton Chamil Lakshmi Kannan alias Emil Kanthan. Der srilankischen Öffentlichkeit wurde der Name erstmals im Zusammenhang mir dem RADA-Skandal bekannt.

Die RADA (Reconstruction and Development Agency) unter Leitung des damaligen Parlamentariers und Rajapaksa-Vertrauten Tiran Alles, sollte eigentlich Häuser in den vom Tsunami zerstörten Teilen des Nordens und Ostens bauen. Stattdessen gingen die Gelder, die der damalige Präsident Rajapaksa persönlich dafür bewilligte, über diverse Scheinfirmen an die LTTE, die damit Waffen kaufte. Die erste Tranche von 180 Millionen Rupien soll Präsidentenbruder Basil Rajapaksa direkt an Kannan/Kanthan übergeben haben.

Weitere 757 Millionen Rupien ließ Rajapaksa in der Folge an RADA, bzw. den Erzfeind im Norden auszahlen, die dafür seinen Sieg bei den Wahlen sicherten und wirksam verhinderten, dass die etwa 600.000 Tamilen des Nordens und Ostens für den gemässigten Ranil Wickremasinghe stimmten, der die Wahlen 2005 knapp verlor.

In dem schmutzigen Deal sind neben Präsidentenbruder Basil auch diverse andere, hochrangige Beamte des Rajapaksa Regimes involviert. Schon im Jahr 2007 kamen Einzelheiten des Deals ans Licht – durch den Sunday Leader. Doch die Geschichte hatte keinerlei Konsequenzen, sieht man von den Repressalien gegen die mutige Autorin ab, die in der Folge das Land aus Angst um ihre Leben verlassen musste und bis heute im Exil lebt.

Auch 2010, als Tiran Alles sich mit Rajapaksa überwarf und der Presse gegenüber weitere Einzelheiten es Deals erzählte, bzw. damit die Geschichte damit erst bestätigte, geschah nichts.

Erst nach den letzten Wahlen am 8. Januar 2015 kam der Stein ins Rollen, als die JHU (Jathika Hela Urumaya) eine Anzeige in der Sache bei der Polizei erstattete.

Wenn Kanthan/Kannan tatsächlich Beweise für diesen Deal des damaligen Staatsoberhauptes mit dem Staatsfeind LTTE abliefert, sieht es schlecht aus für Mahinda Rajapaksa, der sich stets als „Terroristen-Ausrotter“ gerierte. Es dürfte auch klar sein, dass Rajapaksas Partei, die SLFP, damit ihre Glaubwürdigkeit endgültig verliert.

Die UNP und deren Chef Ranil Wickremasinghe dürften sich schon die Hände reiben, denn ein Sieg bei den anstehenden Kommunalwahlen dürfte ihnen nicht mehr zu nehmen sein. Mit einer Mehrheit bräuchte er keinerlei Rücksicht mehr zu nehmen auf die Mitläufer und Schergen des Rajapaksa Regimes, die noch immer und immer verzweifelter versuchen, die Uhr zurück zu drehen.

Rajapaksas schmutziger Kanthan/Kannan/LTTE-Deal, der ihm einst die Präsidentschaft einbrachte, erweist sich im Nachhinein als echter Kantersieg – für seine Gegner.

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