Beugt sich Sirisena radikalen Kräften?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 30. Januar 2016

Colombo – Beim Interview mit dem arabischen Nachrichten-Sender Al Jazeera wollte der srilankische Präsident Maithirpala Sirisena von „Kriegsverbrechen“ nichts wissen, selbst wenn die von seinem Vorgänger eingesetzte Paranagama-Kommission davon spricht, dass es Vorfälle während des Krieges gab, die daruf hinweisen. Der Präsident beruft sich darauf, dass dieser Bericht zwar im Parlament vorgestellt wurde, nicht jedoch „in der Öffentlichkeit“, er somit „nicht offiziell“ sei. Alles, was Sri Lanka vom UN-Menschenrechtsrat vorgeworfen werde, seien lediglich „Verstöße gegen die Menschenrechte“, behauptete er schlankweg gegenüber Al-Jazeera-Reporterin Hoda Abdel-Hamid, die brav ihre Fragen vom Blatt las und zu selten und zu wenig nachhakte.

Sirisena scheint der Meinung zu sein, sein Land habe das Mandat, allein, ohne internationale Hilfe Kriegsverbrecher/Menschenrechtsverbrechen aburteilen zu können – damit steht er zumindest international allein da, auch wenn er im Interview noch so sehr darauf pocht, nur Freunde ein der Welt zu haben. UN-Chef Ban Ki Moon fühlte sich umgehend bemüssigt, Klarheit zu schaffen.

Auch sei der Kampf gegen die grassierende Korruption, die unter seinem Vorgänger zur regelrechten Blüte trieb, im vollen Gange, noch in diesem Jahr werde es „Ergebnisse“ geben.

Man darf gespannt sein, denn bislang ist, trotz unzähliger Vorwürfe, die in die Öffentlichkeit gelangten, noch kein einziger der korrupten Schergen des Rajapaksa Regimes verurteilt. Auch in Sachen Nepotismus hat Sirisena eine eigenwillige Interpretation.

Klar wird spätestens nach diesem Interview, dass Sirisena vor der radikalen singhalesischen Minderheit kuscht, die sich derzeit um den geschassten Ex-Präsidenten und dessen korrupte Schergen sammelt, um seine Partei, die Sri Lanka Freedom Party (SLFP), erneut zu spalten. Was im Moment und wahrscheinlich auch bei den nächsten Kommunalwahlen nur einem zugute kommt: Premier Ranil Wickremasinghe und seiner UNP.

Der zeigt schon mal, was er sich derzeit trauen kann: im Parlament ließ er eine geharnischte Rede vom Stapel, in der er die Medien im Lande anprangerte, die offenbar noch immer von Rajapaksa & Co. in Lohn und Brot stehen und nichts anderes vor hätten, als Unruhe und Rassismus zu verbreiten, so der wütende Premier.

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