Verbrechen: Nur interne Untersuchung?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 27. Januar 2016

Colombo – Was ist nur los in Sri Lanka? Präsident Maithripala Sirisena äußert sich in einem Interview mit der BBC in bedenklicher Weise. Plötzlich will er von einer internationalen Beteiligung bei den anstehenden Kriegsverbrecher-Prozessen nichts mehr wissen. Sirisena steht offenbar unter innerparteilichem Druck, die sogenannte Rajapaksa-Fraktion ist noch tief im Staatsapparat verwurzelt und entsprechend mächtig.

Und Sirisenas Koalitionspartner und Premiere Ranil Wickremasinghe läßt zum tamilischen Thai Pongal Fest unvermutete eine politische Bombe hochgehen, indem er behauptet, wer nun noch immer im Krieg vermisst werde, der sei „wahrscheinlich“ tot. Gleichzeitig stellt er die von der UNO hochgerechnete Zahl von über 40.000 zivilen, zumeist tamilischen Kriegstoten in Frage und er will von geheimen Lagern im Lande, wo vermutlich noch immer LTTE-Kader festgehalten werden, nichts wissen.

Gleichzeitig sind all jene, denen Kriegsverbrechen vorgeworfen werden, noch immer auf freiem Fuß…

Einmal mehr ist es der britische TV-Sender Channel 4 der die Finger in die offenbar schwärenden Wunden legt; immerhin durfte dieses mal ein Team fast ungehindert in den Norden der Insel reisen. Das Land hat also definitiv eine positive Entwicklung, zurück in Richtung Rechtsstaat genommen, wie Ex-Präsidentin Chandrika Bandaranaike Kumaratunga feststellt.

In einem anschließenden Interview mit dem Sender macht der Premier eine denkbar schlecht Figur, verheddert sich in Widersprüchlichkeiten, wirkt fahrig und unkonzentriert.

Der UNHRC ist nun gefragt, dessen derzeitger Chef, Prinz Zeid Ra’ad Al Hussein demnächst die Insel besuchen wird – und der Sirisena Regierung hoffentlich gehörig die Leviten lesen und sie an ihre vor den Vertretern der Nationen gemachten Versprechen erinnern.

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