Hamburg: LTTE-Scherge vor Gericht

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 18.Januar 2016

Hamburg – Insgesamt 81.160 Euro soll ein 53-jähriger Tamile der srilankischen Terror-Vereinigung LTTE (Befreiungstiger von Tamil Eelam) überwiesen haben. Seit dem 18. Januar steht Yogendran G., der seit 2007 deutscher Staatsbürger ist, vor dem Oberlandesgericht in Hamburg. Die Anklage lautet auf Unterstützung einer ausländischen Terror-Organisation in den Jahren 2007 bis 2009. Die LTTE steht in vielen Ländern noch immer auf den Listen gebannter Organisationen.

Militärisch wurde die Terrortruppe um den als charismatische bezeichneten Führer Velupillai Prabhakaran im Mai 2009 vernichtend geschlagen, fast alle aus der Führungsriege der LTTE kamen dabei ums Leben. Was später dem damaligen Präsident Mahinda Rajpakasa und der Armee unter Führung seines Bruders Gotabhaya den Vorwurf der Kriegsverbrechen einbrachte, der bis heute auf Klärung wartet, unter der deutlich demokratischer gesonnenen Nachfolger-Regierung unter Maithripala Sirisena.

Als Verantwortlicher des Bezirks „Nord 3“, zu dem Hamburg und Umgebung gehörten, habe er von den dort lebenden Exil-Tamilen von März 2007 bis Mai 2009 insgesamt 81 160 Euro an „Spendengeldern“ eingenommen und an das Tamil Coordination Committee (TCC) in Oberhausen (NRW) überwiesen, das als Frontorganisation der LTTE schon vor einigen Jahren enttarnt wurde, so die Anklageschrift. Das Geld diente der Finanzierung von Waffen und für Mittel zu weiteren Terroranschlägen der LTTE.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass diejenigen, die sich weigerten, zu spenden, zum Teil massive Repressalien und Bedrohungen befürchten mussten – auch für Angehörigen, die in den von der LTTE besetzten Gebieten in der alten Heimat lebten.

Bei der Verlesung der Anklage erwähnte der Staatsanwalt einige der spektakulärsten Anschläge der Befreiungstiger. Darunter den den Mord durch eine LTTE-Selbstmordattentäterin am indischen Premierminister Rajiv Gandhi am 21. Mai 1991, bei dem auch 18 weitere Menschen starben, die Ermordung des srilankischen Präsidenten Ranasinghe Premadasa und weiterer 24 Menschen am 1. Mai 1993 sowie ein Bombenattentat auf die Zentralbank in der Hauptstadt Colombo am 31. Januar 1996, der 91 Tote und 1400 Verletzte gefordert habe.

Die LTTE-Führung habe auch prominente tamilische Politiker töten lassen, Minister wie Parlamentsabgeordnete des Inselstaates im Indischen Ozean. Zwischen 1991 und 2009 hätten mindestens 457 Zivilpersonen durch die Anschläge auf zivile Einrichtungen ihr Leben verloren, oft durch Selbstmordattentäter, so der Anklagevertreter.

Der Angeklagte Yogendran G. schweigt bislang zu den Vorwürfen, sagte lediglich über einen Dolmetscher zur Person aus: Er lebe von seinen Einkünften als Mitarbeiter in einem Schnellimbiss sowie in einer Reinigungsfirma und wohne mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Hamburg.

Für den Prozess sind bis zum 7. März 2016 sieben weitere Verhandlungstermine angesetzt.

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