Wahl 2005: Rajapaksas LTTE Deal im Rampenlicht

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 14. Dezember 2015

Colombo – Die Entscheidung der Sirisena-Regierung, eine Untersuchung zu initiieren über das angebliche Absaugen von Millionen von Rupien aus den Staatskassen unter Rajapaksa vor und nach der Präsidentschaftswahl 2005 wird von vielen in Sri Lanka regelrecht gefeiert.

Denn die Frage bedarf endlich der Klärung: Hat Mahinda „Ich-bin-immerhin-Kriegsheld“ Rajapaksa seine erste Wahl zum Präsidenten erschwindelt und erlogen – und sich dabei ausgerechnet vom erklärten Staatsfeind LTTE die Steigbügel halten lassen?

Der ungeheuerliche Vorwurf: Rajapaksa soll damals veranlasst haben, dass erhebliche Gelder direkt an die LTTE und in deren Waffenkäufe fließen, die sich im Gegenzug dazu verpflichtet haben soll, Rajapaksa und dessen Wahlkampf zu unterstützen.

Schon jetzt, noch vor Beginn der Untersuchung ließ sich der Ministers für Massenmedien, Gayantha Karunathilake, zu der Aussage hinreißen, dass, sobald die Untersuchung abgeschlossen seien, das ganze Land wissen würde, wie die Rajapaksas, die sich stets als Super-Patrioten geben, die LTTE durch Milliarden von Steuergeldern den Rücken stärkten.

Innerhalb der Regierung hatte Finanzminister Ravi Karunanayake und eine Gruppe von UNP-Hinterbänklern den Vorschlag eingebracht, dieser unglaublichen Affäre, deren unappetitlichen Einzelheiten schon lange die Runde machen, kriminalistisch untersuchen zu lassen.

Die streng geheime Transaktion wurde zuerst vom Wahlkampfleiter des ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa bei der Präsidentschaftswahl 2005 publik gemacht, dem mittlerweile verstorbenen Abgeordneten Sripathy Suriyarachchi, den offenbar das Gewissen plagte.

Er offenbarte bereits am 26. Juli 2007 im Parlament Details der angeblichen Multi-Millionen-Rupien-Transaktion an den Staatsfeind LTTE. Mit seiner Aussage distanzierte er sich auch von seiner Partei, der SLFP, deren Parteivorsitzender damals Mahinda Rajapaksa war. Am 9. Februar 2008 kam Suriyarachchi (angeblich) bei einem Autounfall ums Leben.

Laut dem Leiter des Wahlkampfes von Rajapaksa verlief der schräge Deal wie folgt: Kurz nachdem Rajapaksa zum Kandidaten gekürt worden war, berief er seine Berater ein und verkündete, dass er Kontakt zur LTTE suche, um auszuhandeln, was es koste, den UNP-Gegenkandidaten Ranil Wickremasinghe (heute Sirisenas Premier), der sich im Norden großer Beliebtheit erfreute, zu verhindern.

Kurze Zeit später hätten sich in einer Gesprächsrunde zusammen gefunden: Sripathy Suriyarachchi, des Präsidenten Sekretär Lalith Weeratunge, der Staatssekretär der Finanzen, Dr. P.B. Jayasundara sowie Präsidentenbruder und Wirtschafter Wirtschaftsminister Basil Rajapaksa auf der einen Seite, der Medienmogul Tiran Alles auf der anderen Seite. Neben Alles: ein „Bekannter“ von ihm, ein gewisser Emil Kanthan, ein bekennender LTTE-Unterstützer und vermutlich Mitglied des LTTE-Geheimdienstes.

Das Thema der illustren Runde, die sich in Alles Büro an der Rosemead Place traf, war klar umrissen: Wie könnte die LTTE dabei helfen, Rajapaksa bei den bevorstehenden Wahlen die Präsidentschaft verschaffen?

Ranil Wickremasinghe verlor 2005 nur um einen Hauch von 186.000 Stimmen. Hätte er die Stimmen der Tamilen im Norden der Insel bekommen, hätte er mit Abstand gewonnen.

Doch wie von der LTTE versprochen, obsiegte Mahinda Rajapaksa und trat umgehend zusammen mit seinem ganzen Clan an, um eine familiengesteuerte Kleptokratie zu gründen.

Beim Gespräch in der Runde, so berichtete der Abgeordneten Sripathy Suriyarachchi dem Parlament, habe LTTE-Fürsprecher Emil Kanthan vorgeschlagen, dass man die Wähler des Nordens, von denen die meisten direkt unter der tödlichen Fuchtel der LTTE lebten, sehr wirksam daran hindern könne, ihr Recht wahrzunehmen.

Basil Rajapaksa habe geradezu begeistert Kanthan wissen lassen, er könne sich dafür „alles wünschen“. Kanthans Wunsch war sehr konkret, er kam ohen Verzögerung. Die LTTE brauche schnell 180 Millionen Rupien um eine Ladung Schnellboote zu bezahlen. Basil Rajapaksa habe sofort zugestimmt, diese Summe schnellstmöglich als erste Anzahlung zur Verfügung zu stellen, so Suriyarachchi. Kanthan bekam sein Geld in cash, in mehrere Koffer gestopft.

Den Rest des Geldes bekam die LTTE durch die Agentur für Wiederaufbau und Entwicklung (RADA  = Reconstruction and Development Agency) sowie durch zwei Baufirmen im Norden, die angeblich von LTTE-Loyalisten abgeschöpft wurden. Die RADA sollte Häuser für Tsunami-Opfer bauen – für mindestens 1.200 Familie.

Heute weiß man: die RADA hat kein einziges Haus je tatsächlich gebaut. Das Geld dafür aber floß. Insgesamt weitere 100 Millionen Rupien, aus dem Staatssäckel an die RADA, dann an das Jayalanka Housing Project, von dort weiter an zwei Baufirmen: B&K Holdings (Pvt.) Ltd. in Vavuniya und Everest Civil Engineering Services, ebenfalls in Vavuniya; das Städtchen war damals fest in der Hand der LTTE.

Geleitet wurde und wird diese RADA übrigens von jenem Tiran Allles, der damals mit seinem „Bekannten“ von der LTTE als Gastgeber der Runde fungierte. Mit allerlei juristischen Tricks ist er bisher seiner Festnahme entgangen. Er selbst war es, der nach einem Bombenanschlag auf sein Haus die Vorwürfe des SLFP-Dissidenten Suriyarachchi bestärkte – fühlte sich Alles etwa vom ehemaligen Partner-in-Crime bedroht; dachte Alle etwa, Rajapaksa stecke hinter dem Bombenanschlag auf sein Leben?

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