Ex-Inspekteur der Polizei zum Tode verurteilt

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 2. Dezember 2015

Colombo – Im repressiven System des Rajapaksa Regimes war er einer gefürchtesten Handlanger, ein gnadenloser Vollstrecker der Befehle seines Herren. Bis er sich verselbstständigte, eigene finsteren Geschäfte nachging und vom Rajapaksa Regimes prompt fallen gelassen wurde, wie die sprichwörtliche heiße Kartoffel.

Der einst übermächtige stellvertretende Generalinspekteur der Polizei, Vass Gunawardene wurde am vergangenen Freitag zum Tode verurteilt wegen der Entführung und des Mordes an dem Geschäftsmann Mohammed Shyam, den er zu erpressen versuchte.

Der Verurteilte nahm das Urteil mit stoischen Gesichtsausdruck entgegen; während der Untersuchungen und sogar während des Prozesses hatte er immer wieder gesagt, er werde seine Hintermänner entlarven – doch bislang schwieg Gunawardena.

Neben Vass Gunwardene wurde auch sein Sohn Ravindu, der nach Überzeugung des Gericht an der Tat unmittelbar beteiligt war, sowie vier weitere Personen, allesamt Polizisten, zum Tode verurteilt. Das srilankische Recht ermöglicht eine Verschärfung selbst dieses Urteils. Jeder Angeklagte wurde zusätzlich zur Verbüßung von bis zu 10-jähriger Kerkerhaft und zur Zahlung von Schmerzensgeld an die Hinterbliebenen des Opfer verurteilt.

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft umfasste 5 Bände zu je 1500 Seiten; das Urteil umfasst 802 Seiten. Das Schwurgericht bestehend aus dem Vorsitzenden Richter Lalith Jayasuriya, Kusala Sarojini Weerawardena und Amendra Seneviratne kam einstimmig zu dem Urteil. Insgesamt wurden 307 Zeugen befragt. Es wird erwartet, dass die Verurteilten versuchen werden, Berufung gegen das Urteil einzulegen.

Zwei Mitangeklagte entgingen dem Todesurteil, weil sie sich als Kronzeugen zur Verfügung gestellt hatten und dabei halfen, den zwielichtigen Fall zu lösen.

Die Todesstrafe unterliegt derzeit einem Moratorium, die Politik, allen voran Präsident Maithripale Sirisena denkt gerade laut darüber nach, ob die Ausführung in besonders schweren Fällen, beispielsweise bei Kindesmisshandlungen, wieder aktiviert werden solle. Anfang des Jahres wurden zwei neue Henker bestellt, sie werden derzeit trainiert.

Der ehemalige stellvertretende Generalinspekteur der Polizei Gunawardene war am 10. Juni unter Mordverdacht festgenommen worden und saß seither in U-Haft. Auf seine Spur waren die untersuchenden Beamten gekommen, nachdem sie vier Tage vorher die Mittäter festgenommen und verhört hatten. Auch soll ein stadtbekannter Drogenhändler, der insgeheim für die Polizei als Spitzel arbeitet, erste Hinweise gegeben haben.

Es ist das erste – und vermutlich nicht das letzte Mal – dass ein solch hochrangiger Ex-Beamte zur Höchststrafe verurteilt wurde. Der nächste hochrangige Beamte, der vor Gericht stehen könnte, ist der ehemalige Richter am Obersten Gericht, Sarath de Abrew. Er gilt als äußerst cholerisch, doch unter Mahinda Rajapaksa genoss er komplette Immunität. Nun wird ihm Vergewaltigung seines Hausmädchens vorgeworfen, die Anklage soll noch in dieser Woche erhoben werden, auch wenn Abrew sich mit allen ihm zur Verfügung stehend Mitteln gegen Anklage und Verurteilung zur Wehr setzt.

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