LTTE: Flugzettel im Norden wollen „Heldentag“ zurück

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 25. November 2015

Jaffna – Der 26. November ist eine Tag, den viele Tamilen nicht vergessen können, andern nicht vergessen wollen. Es ist dies der Geburtstag des Gründers der LTTE, Velupillai Prabhakaran, dessen Tod im Mai 2009 auch das finale Ende des fast 30 Jahren währenden Bürgerkrieges in Sri Lanka markiert. Zu Lebzeiten ließ der als charismatisch geltende Chef-Terrorist Prabhakaran, der ohne mit der Wimper zu zucken, hunderte junger Mädchen mit Bomben um den Bauch in den Tod schickte, an diesem Tag den „Helden Tag“ feiern, an dem der wachsenden Zahl derer gedacht wurde, die bei der Umsetzung seiner Utopie von „Tamil Eelam“, dem eigenen tamilischen Kleinst-Staat im Norden der Insel, ihr Leben gelassen hatten.

Mit dem Ende des Krieges kam unter dem Rajapaksa Regime das strenge Verbot, an diesen Tag auch nur  zu erinnern. Jegliche Hinweise auf den „Tag der Helden“, jegliche Feierlichkeit, auch stille, trauernde um Angehörige, wurde vom übermächtigen Sieger aus dem Süden verboten, Verstöße gegen das „Denkverbot“ drakonisch geahndet. Strafbar ist es nach wie vor, an diesem Tag auch nur eine Kerze ins Fenster zu stellen.

Seit der diebische Rajapaksa-Clan mehr und mehr im Orkus der Geschichte, seine Mitglieder aber vor Gericht und hinter Gitter landen – ein schmerzlich langsamer Prozess, denn der Clan-Chef und Ex-Diktator, der heutige Provinzabgeordnete Mahinda Rajapaksa wehrt sich mit Klauen und Zähnen dagegen – hat sich die Lage im Norden deutlich entspannt.

Auch wenn von wirklicher Versöhnung noch lange nicht die Rede sein wird.

Der „Heldentag“ ist nach wie vor verboten in Sri Lanka. Und doch tauchten bereits am 20. November Handzettel auf, die auf den selbstgemachten, makabren „Feiertag“ hinweisen. Die Polizei will daraus kein großes Ding machen, verständlich, denn „De-Eskalation“ ist das Wort der Stunde, und behauptet einfach, keinen dieser Zettel überhaupt bemerkt zu haben. Einfach in die andere Richtung zu sehen, das hat der Polizei das Rajapaksa Regime eingebläut, das funktioniert, so scheint’s auch heute noch bestens. Beschämend, traurig, schlimm ist das, ein Hinweis auf den miserablen Zustand von Polizei und Justiz im Lande, auch wenn es in diesem Fall dem „guten Zweck“ dienen soll.

Auch in anderen Ländern, in denen die LTTE als verbotene terroristische Organisation gilt, müsste eine solche Veranstaltung als Glorifzierung von Terroristen umgehend strafrechtlich verfolgt werden. Wurde sie in der Vergangenheit nicht oder nur sehr zaghaft. In Kanada, Deutschland, Frankreich, Australien und anderswo, dort, wo sich große tamilische Exilantengruppen zusammenfinden, fand ungehindert von den örtlichen Behörden dieser bizarre Gedenktag alljährlich statt.

Im Lichte der Aufhebung des Banns von insgesamt acht großen tamilischen Dispora-Organisationen, die bisher in Sri Lanka geächtet wurden wegen ihrer Verbindung zur LTTE, wird es spannend sein zu beobachten, was diese Organisation ihren Abertausenden von tamilischen Mitgliedern empfehlen, für den 27. November 2015: entweder still der Toten zu gedenken und in Familienkreis zu trauern oder mit Pomp und Trara a lá Prabhakaran die „Märtyrer“ zu feiern und so eine erneute Eskalation zu provizieren und somit der zaghaften Annäherung an die volatile und unter dem Druck der singhalesischen Hardliner stehenden Sirisena-Regierung einen Tritt zu verpassen.

Und damit den Hardliner um den merh und mehr in der Bedeutungslosigkeit versinkenden Ex-Präsidenten scheinbar Recht zu geben.

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