Karunanayake-Anschlag: Attentat oder Unterwelt-Krieg?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 12. August 2015

Colombo – Galt das Attentat auf eine UNP-Wahlversammlung an der Bloemendhal Road vom 31. Juli, bei der auch Finanzminister Ravi Karunanayake anwesend war und bei der zwei Personen im Kugelhagel starben und elf weitere verletzt wurden gar nicht dem Top-Politiker?

Die Ermittlungen in dem Fall haben ergeben, dass in oder in der Nähe der Gruppe von UNP-Wählern vor dem UNP-Büro an der Bloemendhal Raod auch zwei notorische Unterweltfiguren zum Zeitpunkt des Anschlags anwesend waren. Einer der beiden stadtbekannten Ganoven war im vergangenen Mai des Jahres mit einem gefälschten Pass eingereist, nachdem er einige Zeit zuvor die Insel fluchtartig verlassen hatte.

Mehr und mehr kristallisiert sich also heraus, dass es sich bei dem Anschlag wohl um eine Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Banden handelt. Dennoch bleibt die Frage: was hatten diese Kriminellen bei einer Wahlveranstaltung zu suchen? Zufall? Oder werden diese fragwürdigen Gestalten von desperaten Politikern für „besondere Aufgaben“ bezahlt, wie es ein Polizeisprecher vermutet?

Mehrere Verdächtige seien derzeit in Haft und würden mittlerweile verhört, heißt es von der Kripo, und auch die beiden an dem Überfall beteiligten Hybrid-Autos wurden sichergestellt und würden nach Spuren untersucht.

Einer der in diesem Zusammenhang festgenommenen Männer steht bereits in einer anderen Sache demnächst wegen Mordes vor Gericht; der Mann war auf Kaution auf freiem Fuß.

Dabei geht es um die regelrechte Hinrichtung des SLFP-Abgeordneten Baratha Lakshamn Premachandra (Vater der umtriebigen Politikerin Hirunika Premachandra), der, so die Anklage, von seinem Parteifreund Duminda Silva, einem engen Vertrauten des Rajapaksa-Clans, und dessen Bodyguards auf offener Straße niedergestreckt wurde.

Die verzweifelten Versuche des Rajapaksa Regimes, den Fall in Bollywood-Manier unter den Teppich zu kehren, insbesondere, die damit verbundenen, von Gotabhaya Rajapaksa höchstpersönlich initiierten Nacht-und-Nebel-Überführung des angeblich schwer verletzten Silva in eine Klinik in Singapour direkt nach dem Mord, hat nicht nur in den srilankischen Medien für erhebliches Aufsehen und Wirbel (und ungläubiges Kopfschütteln) gesorgt.

Erst seit der Abwahl von Mahinda Rajapaksa im Januar kommt der Geschworenen-Prozess gegen Silva und elf seiner Spießgesellen in insgesamt 17 Anklagepunkten in die Gänge.

Gegen den ehemaligen SLFP-Abgeordneten Silva, dem auch Vergewaltigung einer Jugendlichen vorgeworfen wird, wird auch in Verbindung mit dem festgenommenen Drogenbaron „Wela Suda“ ermittelt – Silva soll einer der Hauptabnehmer der Drogen sein.

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