Mordfall Thajudeen: Alle zeigen auf die Rajapaksas

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 9. August 2015

Colombo – Der Fall des Wasim Thajudeen, eines prominenten Rugby-Spielers, der nach jüngsten Ermittlungen zunächst entführt, dann brutal gefoltert und ermordet wurde, könnte zum endgültigen Fall des Ex-Präsidenten Rajapaksa und seines verbrecherischen Clans führen.

Obwohl weder Rajapaksa noch seine Familienangehörigen bislang direkt verdächtigt wurden, deuten viele Finger auf sein ehemaliges Regime im Mord an dem Rugbyspieler. Und aus so manchem Fingerzeig ist mittlerweile handfester Beweis geworden.

Die unter Rajapaksa entmannte Polizei, soviel ist zumindest jetzt schon klar, hat eindeutig versucht, den Mord als Unfall zu vertuschen. Nun ist eine der wichtigsten Fragen: auf wessen konkrete Anweisung hin? Denn ohne politischen Einmischung wäre es wohl nicht zu solchen „Ermittlungsergebnissen“ gekommen, wie sie ursprünglich präsentiert (und unter den Teppich gekehrt) wurden.

So wurde ein wichtiger Beweis, der Fund der Geldbörse des Opfers, fast zwei Kilometer von der „Unfallstelle“ entfernt, völlig außer Acht gelassen. Ebenso wie die Verletzungen an der verkohlten Leiche Thajudeens, die auf schwere Folter vor seinem Tod hinweisen.

Letzte Sicherheit soll nun eine Exhumierung der Leiche geben, die am Montag vorgenommen werden soll. Zwischenzeitlich steht das Grab unter strenger polizeilicher Überwachung…

Nach dem Machtwechsel vom Januar rollte die Kripo die Ermittlungen in Thajudeens Tod wieder auf, dieses Mal ohne politischen Druck – und lieferte prompt erschreckende Ergebnisse. Die für Montag angesetzt Exhumierung soll nun zweifelsfrei beweisen, was aus den bisherigen Untersuchungsergebeissen eigentlich schon hervorgeht, die jedoch unterschlagen wurden.

Inzwischen konnte das Fahrzeug sichergestellt werden, in dem Thajudeen vor seinem Tod entführt worden war. Inoffizielle Quellen besagen, dass es sich dabei um ein Fahrzeug des Roten Kreuzes handelt, das nach dem Tsunami in Sri Lanka eingesetzt wurde und anschließend der Siriliya Stiftung überreicht wurde. Diese ließ das Fahrzeug umspritzen, nicht aber offiziell registrieren.

Die ehemalige „First Lady“ Shiranti Rajapaksa, Vorsitzende der Siriliya Stiftung, musste sich im Fall von zwei anderen Fahrzeugen (die vormals von der Welthunger Organisation benutzt wurden), und die ebenfalls nicht registriert waren, schon mehreren Verhören unterziehen. Wurden all diese Fahrzeuge für kriminelle Tätigkeiten benutzt?

Für weitere Schockwellen im politischen Geschehen Sri Lankas sorgte die Gerüchte wonach die Freundin des Opfers, sich am Telefon mit anhören musste, wie ihr Verlobter gefoltert wurde. Mit einem hochdotierten Job bei der diplomatischen Vertretung Sri lankas in Australien wurde die Freundin zum Stillschweigen verpflichtet. Im Zuge des Rückrufes von diplomatischem Personal, das unter Rajapaksa für Gefälligkeiten mit diesen Posten belohnt worden war, wurde auch Thajudeens ehemalige Freundin zurückbeordert. Inzwischen wird sie verhört.

Der Auslöser des Dramas, so gesellschaftliche hochstehende Kreise in Colombo, soll der zweite Sohn des Ex-Präsidenten, Yoshita, gewesen sein. Auch der ein Rugbyspieler. Er soll ein Auge auf die Freundin Thajudeens geworfen haben und nach dessen Tod auch kurzzeitig mit ihr zusammen gewesen sein. Steckt Yoshita Rajapaksa hinter dem Mord und dem anschließend missglückten Vertuschungsversuch?

Der erste, der öffentlich dies Skandalkanone gegen die Rajapaksas abschoss, war Anfang der vergangenen Woche der Führer der JVP, Anura Kuamra Dissanayake, der bei einer Wahlveranstaltung öffentlich sagte, was viele offenbar glauben, nämlich dass die Söhne des Ex-Präsidenten hinter dem Mord und dessen Vertuschung steckten. Dissanayake verlangte von der Polizei, die Untersuchung zu forcieren.

Nur Tage später feuerte ein Regierungssprecher die nächste Salve in Richtung der Familie des Ex-Präsidenten ab. An dem Thajudeen-Mord sollen mindestens drei Angehörige der Präsidentialen Sicherheitskräfte (Presidential Security Division = PSD) beteiligt gewesen sein.

Der Präsident selbst, der gegen die ihm gegenüber gemachten Vorwürfe gerne mit der Androhung von Diffamierungsklagen antwortet, hatte sich bislang nicht zu dem Fall geäußert, erst einen Tag vor der geplanten Exhumierung meldete er sich zu Wort. Das auffällige Schweigen wurde jedoch von Pseudoanwalt und Sohn Namal Rajapaksa in einem Interview mit der BBC gebrochen. Thajudeen sei ein Mitglied seiner Familie gewesen und ein „Bruder“, so Rajapaksa Junior.

Die Apologeten des Präsidenten versuchen nun auf einer ihm gewidmeten Website (Mahinda.info) die Mär vom Unfall-Tod des beliebten Rugby-Spielers wieder zu beleben. Wobei die Exhumierung von Rajapaksa-freund und UPFA-Kandidat Dilan Perera kurioserweise als „haram“ bezeichnet wird. Perera, der sich bisher nicht gerade als Muslimfreund Meriten verdient hat, will auf diese Weise wohl versuchen, die kriminalistische Untersuchung in politischen Profit umzuwandeln und gleichzeitig den durchsichtigen Versuch starten, diese Exhumierung zu verhindern.

Wie ein politischer Kommentator anmerkte: Mit solchen Freunden brauche Rajapaksa wahrlich keine Feinde mehr…

Ein weiterer Mann, der sich in diesem Abstrusen Fall verdächtig gemacht hat, ist der damals im Mai 2012 die Untersuchung leitende Polizeibeamte Anura Senanayake. Senanayake gilt als enger Vertrauter des Ex-Präsidentenbruders Gotabhaya Rajapaksa, der schon damals wegen seines oft fragwürdigen Verhaltens im Dienst unter (stiller) Kritik stand. Senanayake wurde Anfang des Jahres in den Ruhestand geschickt. Es gilt als sicher, dass auch er sich einer peinlichen Befragung im Zusammenhang mit der Vertuschung des Mordes an Wasim Thajudeen stellen muss.

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