Hat Rajapaksa zweimal Tsunami-Spenden veruntreut?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 30. Juli 2015

Colombo – Noch vor weniger Monaten hätte, jeder, der dem damaligen Präsident Mahinda Rajapaksas solche Vorwürfe macht, um Leib und Leben fürchten müssen: Der mächtigste Mann im Staat soll bei einem Millionenbetrug beteilig gewesen sein, der Hunderte Tsunamiopfer um Hilfe beim Wiederaufbau gebracht haben. dies ist nur einer von unzähligen – angeblich über 7000 – Vorwürfen wegen Korruption, Amtsmissbrauch, Vorteilsannahme, Unterschlagung, ja sogar Mord gegen Rajapaksa und seine Familie.

Schon einmal hatte man Mahinda Rajapaksa ähnliche Vorwürfe gemacht; nur durch Schiebung und Tricksereien von „Freunden“ wie dem damaligen Obersten Richter Sarath N. Silva, bei der (durch und durch korrupten) Justiz konnte Rajapaksa im „Helping Hambantota-Skandal“ einem Prozess entgehen und so erst überhaupt 2005 als Präsidentschaftskandidat antreten. Ironischerweise hat sich der saubere Richter Silva mittlerweile bei der Öffentlichkeit für sein damaliges „Fehlurteil“ entschuldigt…

Der neuerlich Vorwürfe bezieht sich jedoch auf Vorgänge, die geschahen, nachdem Rajapaksa ins Amt gewählt worden war.

In diesem Zusammenhang wird sich der ehemalige Präsident und heutige UPFA Bezirkskandidaten von Kurunegala, Mahinda Rajapaksa von der dafür zuständigen Spezialabteilung der Polizei befragen lassen müssen. Nach der Wahl – man will Rajapaksa keinen Grund geben, sich über angebliche Ungerechtigkeiten zu mokieren.

Es geht bei den Vorwürfen um die Reconstruction and Development Agency (RADA = Wiederaufbau- und Entwicklungs-Agentur),  die dem damals neuen Präsidenten direkt unterstand und die von seinem Kumpel, dem ihm hörigen Medienmogul Tiran Alles geleitet wurde. Die RADA wurde zu dem Zweck gegründet, Tsunamiopfern vom 26. Dezember 2004 dabei zu helfen, ihre zerstörten Häuser wieder aufzubauen.

Zunächst wurde der RADA 1.959 Millionen Rupien zur Verfügung gestellt, in der Zeit ihres Bestehens hat sie insgesamt 2.431 Millionen ausgegeben. Die Frage ist: wofür? Denn soviel ist sicher: kein einzige Haus wurde für Tsunamiopfer wurde mit dem Geld erbaut.

Zwei leitende Angestellte der RADA sind im Rahmen der Ermittlungen bereits festgenommen worden, sie sind mittlerweile jedoch, gegen eine hohe Kaution und dem Entzug ihrer Pässe derzeit auf freiem Fuss. Der windige Geschäftsmann Tiran Alles hatte vorsorglich beim obersten Gericht eine einstweilige Verfügung gegen seine Verhaftung erreicht. Doch auch ihm wurde der Reisepass entzogen.

Die Polizei hat ungeachtet dieses skandalösen Urteils des Obersten Gerichts den Modus operandi der RADA-Bande ermittelt. Ein Polizeisprecher sagte dazu: „Die angeblichen Bauvorhaben wurden an Unternehmen weitergegeben, nämlich die ‚GS Builders‘, die ‚B & K Holdings Private Limited‘ sowie an eine ‚Everest Civil Engineering Services Limited‘. Es bestehen ernsthafte Zweifel darüber, dass diese Firmen überhaupt je existierten.“

B & K Holdings und Everest Civil Engineering Limited hatten zusammen Rs 169 Millionen erhalten, um Häuser in Trincomalee und Batticaloa zu konstruieren. Aber in keinem der beiden Bezirken wurden davon Häuser errichtet, „ein ein hoher Offizier, der an den Untersuchungen beteiligt ist.

„Der ehemalige Präsident,“ sagte er, „wird erst nach der Parlamentswahl befragt werden. Die Untersuchung kann ohne ihn nicht weiter gehen.“

Hartnäckig hält sich das Gerücht, wonach Rajapaksa der LTTE Geld bot, um zu erreichen, dass sie in den von der Terrorgruppe damals besetzten Gebiete im Norden der Insel zum Wahlboykott aufrufen sollte. Was prompt geschah, Rajapaksa konnte die Wahl 2005 mit großer Mehrheit für sich entscheiden, weil es aus dem Norden keine Stimmen gab.

Wurde die „Tsunami-Gelder“ etwa für die Bestechung der LTTE eingesetzt? Tiran Alles soll es gewesen sein, der die Verhandlungen mit der LTTE damals führte. Auch dieser Vorwurf gegen Alles wird derzeit untersucht.

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