Sri Lanka geht ab sofort aktiv auf die Diaspora zu

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 13. Juni 2015

Colombo – Der Zug der Regierung, sich aktiv mit der weltweit verteilten und entlang ethnischer Linien zerstrittenen Diaspora auseinanderzusetzen, ist devinitiv ein Schritt in die richtige Richtung – auch und gerade, weil die Radikalen im Lande, aber auch die von außerhalb aufheulen. Das Außenministerium unter Mangala Samaraweera hat sich dazu ein jährliches Festival ausgedacht, das helfen soll, die alten Wunden zu heilen und das gleichzeitig eine Plattform für eine sinnvolle Interaktion zwischen Regierung und Dispora-Gemeinschaften erleichtern soll.

Die neue Sprecherin des Außenministeriums, Mahishini Colonne, sagte dazu, dass die Sirisena-Regierung künftig mit Diaspora alle Ethnien meinen und ansprechen werde. Bislang, unter dem Rajapaksa Regime, war das Wort Dispora nur auf die tamilische gemünzt und ähnlich einem Schimpfwort benutzt worden.

Außenminister Samaraweera wurde zitiert, dass er gedenke, ab sofort einen ständigen Dialog gerade mit jenen Teilen der tamilischen Diaspora abzuhalten, der der Sri Lanka unter Rajapaksa eher feindlich gegenüber eingestellt war. Um den guten Willen Sri Lankas zu unterstreichen, wurde erst kürzlich wieder die legale Möglichkeit für seine Bürger eingeführt, Pässe zweier Staaten zu erhalten. Bislang mussten sich Aspiranten dafür einem persönlichen Interview mit dem Staatssekretär der Verteidigung, Präsidentenbruder und mutmasslicher Kriegsverbrecher Gotabhaya Rajapaksa stellen. Außerdem, so wird gemunkelt, seien dazu erhebliche Summen Geldes notwendig gewesen.

Samaraweera folgt mit seinem Vorstoß den Empfehlungen der Gelernte Lektionen und Versöhnungs-Kommission (LLRC), die einen entsprechenden Vorschlag in ihren Empfehlungen abgegeben hatte. Altbekannt ist die Tatsache, dass es während, aber auch nach dem Krieg unter den Rajapaksas einen erheblichen „Brain-Drain“, also ein Abwanderung der Intelligenzia des Landes gegeben hat.

Als ein prominentes Beispiel dafür hatte Premier Ranil Wickremasinghe erst kürzlich den Governeur der Centralbank Sri Lankas genannt, Arjuna Mahendran, der unter dem Rajapaksa Regime nach Singapur geflohen war und dort Karriere gemacht hatte. Diesen Abfluss von Wissen und Werten will Samaraweera stoppen – und wenn möglich – umkehren.

Einen ersten Erfolg kann Samaraweera bei seinen Bemühungen möglicherweise schon bald verbuchen. Wie zu vernehmen, wollen zumindest die als „gemässigt“ geltenden LTTE-Nachfolger wie das Global Tamil Forum eine gemeinsame Erklärung unterschreiben, in der sie dem fatalen Separatismus und der Gewalt (der LTTE) endgültig entsagen. Dies nach nur ein paar wenigen, direkten – und zunächst heimlichen – Treffen, bei denen auch der ehemalige Friedensunterhändler Eric Solheim dabei war.

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