Salman Khan: Von Bollywoods Schoss in Bombays Knast

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 13. Mai 2015

MumbaiSo tief also fallen die Berühmten. Aus der luftiger Höhe des Starruhms, von Bollywoods lukrativem Schoß in eine der berüchtigten Gefängnisse von Bombay, aus dem Zenit des Ruhmes in den Tiefpunkt der Niedertracht. Die Rede ist von dem bekannten indischen Schauspieler Salman Khan, dem das Szenario blüht, von nun an morgens in einer schäbigen Zelle aufzuwachen, nachdem ihn ein Gericht in der vergangenen Woche zu fünf Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung, Fahrens unter dem Einfluss von Alkohol (und vermutlich Drogen) sowie Fahrerflucht verurteilt hat. Salman hat Berufung eingelegt, bis zum neuen Termin im Juli ist er unter Auflagen auf freiem Fuss – und dreht munter weiter, als sein nichts geschehen.

Salman, so glaubt das Gericht, hat vor 13 (!) Jahren sechs auf dem Gehsteig schlafende Obdachlose überfahren; ein Mann starb, die anderen, darunter Kinder, wurden schwer verletzt.

Unfälle können auch den Nüchternsten passieren und ein unbeabsichtigter Lapsus kann zu einer Tragödie führen. Es kann jedem passieren.

Aber was nicht geduldet werden kann, sondern einfach nur verdammt, ist die schockierende Art und Weise, mit der Salman Khan sich danach dazu entschied, seine elende Schurkerei  zu vertuschen.

Nachdem der Vorfall, der sich in der Nacht des 27. September 2002 ereignete, als er am Steuer seines Toyota Land Cruisers von der Straße abkam, halb eine Treppe hinauf zu einem Waschsalon raste, und dabei sechs Menschen überrollte, kam Salman Khan nicht auf die Idee, nachzusehen oder gar zu fragen, ob eines seiner Opfer Hilfe brauche. Stattdessen setzte er zurück und entfloh der grausigen Szene – den Unfall meldete er auch später nicht bei der Polizei. Als die Geschichte schließlich herauskam, behauptete er nach anfänglichem Leugnen, dass es sein Fahrer gewesen sei, der am Steuer gewesen sei; er machte lauthals und bei jeder Gelegenheit den „schlechten Chauffeur“ zum Sündenbock für sein Verbrechen.

Auch eine siebtes Opfer war Salman recht, um sicherzustellen, dass er weiterhin die Titelseiten von Bollywoods Film-Magazinen zieren kann als der Technicolor-Star der hinduistischen Filmindustrie. Salman sagte dem Gericht außerdem unter Eid, dass er an jenem Unglückstag keinen Tropfen Alkohol angerührt habe.

Doch das Gericht in Mumbai (ehemals Bombay) hörte gänzlich anderes von Zeugen. Und so glaubte der Richter dem Angeklagten nicht. Die Staatsanwaltschaft produzierte 27 Zeugen, darunter der Leibwächter des Schauspielers, die Angestellten einer Bar, Polizisten und einen Parkwächter. Sie alle schworen, dass Salman erstens sein Auto selbst gefahren hatte und dabei außerdem stockbetrunken gewesen war. Bei der Urteilsverkündigung sagte Richter Deshpande: „Sie fuhren selbst mit Ihrem Auto; und Sie standen massiv unter dem Einfluss von Alkohol.“

Der 50-jährige Schauspieler, der vorher bereits einmal für ein Jahr im Knast gelandet war, weil er im Jahr 1998 zwei als gefährdete geltenden indischen Antilopen mit einer Flinte abknallte, brach in Tränen aus, als er das Urteil hörte.

Lassen wir uns davon nicht täuschen: Salman hat es verdient. Er hat versuchte, seinen Fahrer zum Mörder zu machen. Er beeinflusste und erpresste den armen Mann, die Schuld auf sich zu nehmen. Er versuchte, seine Sünden dem Fahrer anzulasten und ihn seinen Platz einnehmen zu lassen, um dann für ihn in einer Gefängniszelle zu schmachten, während er selbst weiterhin vom Bett einer Bollywood Schönheit ins nächste springt und sich mit seinem in Zelluloid erkauftem Ruhm im Rampenlicht in Freiheit sonnt. Er log das Gericht an und versuchte, den Lauf der Gerechtigkeit zu pervertieren.

Was für ein Doppelleben führte dieser Mann in diesen letzten dreizehn Jahren – das wissen über seine eigene Schuld und gleichzeitig das ewige Lächeln des Filmstrahlemanns! Wäre es eine Filmrolle gewesen, er hätte dafür einen Bollywood-Oscar verdient. Aber die Wahrheit hat auch in seinem Fall am Ende gesiegt und die Gerechtigkeit triumphierte schließlich.

Selbst wenn das einmal aufgrund fehlender Beweise fehlschlägt, die Schuldigen vor Gericht zu bringen – die karmischen Gesetze in ihrer Unerbittlichkeit werden letztlich immer und absolut unvermeidlich für die Bestrafung der Schuldigen sorgen.

Vielleicht hatten die Rajapaksas tatsächlich keine Ahnung von diesen Hintergründen, als die diesen zwielichtigen Leinwanddarsteller nach Sri Lanka einluden, wo sie ihn wie einen Staatsmann feierten und durch das Land chauffierten, um den hiesigen Filmfans von ihm selbst erzählen zu lassen, wer bei den Präsidentschaftswahlen im Januar 2015 zu wählen sei.

Karma und Ironie, dass Salman auch in Sri Lanka in einen Unfall verwickelt sein soll, den das Rajapaksa Regime umgehend versuchte, zu vertuschen. Die neue Regierung lässt diesen Fall derzeit untersuchen.

Trotz all dieser unappetitlichen Einzelheiten gibt es natürlich immer noch unverbesserliche Fans, die behaupten, wer als Film-Held Millionen gemacht habe, könne kein schlechter Mensch sein. „Er ist unser Held und dieser Vorfall wird unsere Liebe zu ihm nicht zu ändern“, sagen sie.

Und da werden plötzlich Parallelen klar: Ist dies nicht die gleiche Haltung, die einige Srilanker gegenüber ihrem gefallenen Helden in der hiesigen Politik einnehmen? Indem sie – auch nachdem mittlerweile jedem klar sein sollte, welche Verbrechen von ihm und seinem widerlichen Clan verübt wurden – noch immer ihre politischen Hosiannas singen in einem tragischen-komischen Versuch, ihren vergangenen Helden auf den selbstgebastelten, schmuddeligen Thron zurückzuzerren?

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