Medienmogul Alles: Tsunami-Aufbauhilfe unterschlagen?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 20. April 2015

Colombo – Tiran Christopher Alles, umtriebiger wie undurchsichtiger Medienmogul und international tätiger Geschäftsmann, außerdem Abgeordneter der Democratic National Alliance, wurde von der Polizei über die Bereitstellung von Geld an die Tiger-Guerillas befragt. Polizeisprecher Ruwan Gunasekera sagte, Alles sei zwei Stunden lang von der Sonderermittlungseinheit (SIU) gegrillt worden. Diese Sondereinheit berichtet direkt an den amtierenden Polizeichef N.K. Illangakoon.

Schon vorher gab es eine Causa Allen. Dazu gab das Polizeipräsidium eine offizielle Erklärung heraus. Unter der Überschrift „Verdächtige, die Tsunami-Mittel unterschlagen haben festgenommen“ wurde berichtet, dass zwei Personen, die bei einer halbstaatlichen Organisation tätig waren, bereits festgenommen wurden. Diese Agentur ist die „Reconstruction and Developement Agency“ (Wiederaufbau- und Entwicklungs-Agentur  = RADA), mit dem Vorsitzenden Tiran Alles. Die Agentur funktionierte direkt unter dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa und befasste sich mit dem Wiederaufbau nach dem verheerenden Tsunami 2004 im damals von den Tamil Tiger Guerillas beherrschten Norden und Osten der Insel. Alles hat angeblich bereits zugegeben, dass er mit einem Guerillaführer namens „Poovannan“ verhandelt hatte. Und der ehemalige Präsident Rajapaksa hat durchaus „Erfahrung“ im Unterschlagen von Geldern für Tsunami-Opfer – nur knapp entging er 2005 einem Strafverfahren wegen der „vorübergehenden“ Unterschlagung von solchen Geldern.

In der Erklärung der Polizei heißt es: „Ein Unternehmen mit dem Namen RADA (Wiederaufbau- und Entwicklungs-Agentur) wurde im Rahmen der Genehmigung des Sekretariats des Präsidenten im Jahr 2006 gegründet, um Häuser für die Bewohner des Norden und Ostens zu errichten, die während des Tsunamis zerstört worden waren. Der Vorsitzende der Organisation ist der Abgeordnete Tiran Alles. „Unter der Haushaltszuweisung Nummer 803, hat das Finanzministerium (damals unter Rajapaksa) der RADA Geld durch das Büro des Präsidenten angewiesen und zur Verfügung gestellt.“

„Damit wurden zwei Unternehmen gegründet, die Häuser bauen sollten. Eines dieser Unternehmen – die „BMK Holdings“,  wurde mit Hilfe betrügerischer und gefälschter Dokumente registriert; das anderen Unternehmen, „Everest Civil Engineering“ wurde erst gar nicht registriert. Die Adressen der beiden Unternehmen sind ebenfalls in betrügerischer Absicht gefälscht. Auch das Geld wurde nie für den Hausbau genutzt, stellt die Polizei fest.

„Das Geld, das für die RADA genannte Organisation durch das Kabinett des Präsidenten Rajapaksa bewilligt wurde, landete schließlich bei einem Unternehmen, das sich „Oomps Textile Ltd.“ nennt. Der Geschäftsführer der Oomps Textile Ltd. ist auch der angebliche Geschäftsführer der BMK Holdings. es handelt sich dabei um eine Person namens Shanti Kumar Gajan Kumar. Der Vorstand der Gesellschaft besteht aus seiner Mutter und seinen Geschwistern.

Die polizeilichen Untersuchungen haben ergeben, dass das von Oomps Textil erhaltene Geld wiederum von dem Abgeordneten Tiran Alles sowie dem ehemalige LTTE-Mitglied Emil Kanthan abgegriffen wurde.

„Obwohl das Finanzministerium hat einen Betrag von insgesamt Rs. 645.000.000 zur Verfügung gestellt hatte, baute die RADA kein einziges Haus damit. Es stellt sich auch heraus, dass allein Rs. 125 Millionen von diesem Geld mit insgesamt neun Schecks dezimiert wurde.“

„Die RADA Organisation wurde bereits im Jahr 2006 von Shanti Kumar Gajan Kumar und seiner Mutter Anandi Shanti Kumar wieder aufgelöst; beide wurden inzwischen verhaftet und werden vor Gericht gestellt. Das Magistrats-Gericht hat ein Reiseverbot (heißt, es ließ die Pässe beschlagnahmen) von insgesamt fünf Mitgliedern des Direktoriums und des Vorstandes der RADA, darunter Tiran Alles.“

Kaum war die Erklärung abgegeben, rief Alles eine Pressekonferenz, um die Vorwürfe gegen ihn zu leugnen. Später beschuldigte er Minister Champika Ranawaka, einen Rachefeldzug gegen ihn gestartet zu haben. Zu den Vorwürfen selbst wollte sich Allen nicht äußern, dazu hat er demnächst bestimmt noch Gelegenheit – vor Gericht.

Minister Ranawaka konterte mittlerweile das Bild, das Unschuldslamm Allen der Öffentlichkeit gegeben hatte und durch seine Medien verbreiten ließ: „Wir haben gesicherte Informationen, dass Rs. 800 Millionen aus einem Staatsfonds in betrügerischer Weise an die LTTE übergeben wurden – zu einem Zeitpunkt, als unsere Kriegshelden dabei waren, ihr Leben zu opfern. Die Personen, die dafür verantwortlich sind, sollen ohne Rücksicht auf ihren sozialen Status bestraft werden… Wir werden unsere Kampagne gegen Korruption und Bestechung fortsetzen und wir haben keine Angst vor Drohungen. Der Rechtsweg wird dabei unbeirrt eingehalten werden. Die Leute, die den Terrorismus finanzierten, werden bestraft werden. Sie sind Verräter. Sie sind keine Gutmenschen, wie sie sich selbst gerne darstellen.“

Eine Quelle im Amt des Ministerpräsidenten bestätigte Medien gegenüber , dass Alles versucht habe, die Hilfe von Premier Ranil Wickremesinghe in der Sache zu bekommen. Wickremesinghe habe sich auch Unterlagen zu dem Fall vorlegen lassen. „Als er erfuhr, dass es auch um den Umgang mit den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) in diesem Zusammenhang geht, weigerte er sich rundheraus, in dieser Sache zu intervenieren,“ fügte die Quelle hinzu.

Auch der ehemalige Ministerpräsident der Provinz Uva, der Sohn des Parlamentssprechers Chamal Rajapaksa, Shasheendra Rajapaksa, muss sich ebenfalls peinlichen Befragungen der Police Financial Crime Investigation Division (FCID) stellen.

In diesem Fall geht es um die angeblich missbräuchliche Verwendung von zwei Luxus-Reisebussen des Auswärtige Amtes, die während des Commonwealth-Treffen (CHOGM) genutzt werden sollten.

Diese beiden Super-Luxus-Reisebusse, als Riesen-Wohnwagen mit allen modernen Annehmlichkeiten wie einer Küche, Bad, Schlafzimmer, Sofas, Fernsehern, Ventilatoren und Kühlschränken ausgestattet, wurden vor kurzem verlassen auf dem Parkplatz des Außenministeriums vorgefunden.

Offenbar wurden die Busse, anstatt CHOGM-Delegierte herumzukutschieren, von heimischen Politikern des Rajapaksa Regimes und deren Familien für Ausflüge genutzt.

So blöde, diese Familienausflüge im Internet zu dokumentieren, war jedoch nur der ehemalige Ministerpräsident Shasheendra Rajapaksa.

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