Kanada: Richter rette Ex-LTTE-ler vor Abschiebung

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 16. April 2015

Ottawa – Ein kanadische Bundesrichter hat die von der kanadische Regierung verhängte Abschiebung eines mutmasslichen srilankischen Kriegsverbrechers zurück in seine Heimat kassiert – mit dem Hinweis darauf, dass das Leben und Gesundheit des Mannes, einem ehemaligen LTTE-Mitglied, dort ernsthaft gefährdet sei. Dies berichtet die kanadische Zeitung National Post.

Bundesrichter Sean Harrington widersprach damit der Beurteilung der kanadischen Einwanderungsbehörde wonach für den Mann kein persönliches Risiko bestehe, würde er nach Sri Lanka überstellt.

Der Fall betrifft Puvanesan Thurairaja, der als Steuereintreiber für die tamilischen Rebellen der LTTE in Sri Lanka arbeitete, bevor er sich nach Großbritannien absetzte. Großbritannien lehnte seinen Asylantrag jedoch ab, in Kanada kam er anschließend mit einem gefälschten Pass an, der jedoch der Prüfung der kanadischen Einwanderungsbehörden nicht standhielt.

„Thurairaja ist kein Opfer, wie er sich darstellt, sondern ein Täter“, schrieb Richter Harrington in seinem Urteil, das online veröffentlich wurde. „Trotzdem unterliegt er kanadischen Schutz, weil seine Rückkehr nach Sri Lanka ihn einer Gefahr für Leib und Leben aussetzen würde.“

Thurairaja hatte für die LTTE-Steuerabteilung gearbeitet, die einen Großteil dieser Einnahmen zur Führung ihres Krieges gegen die srilankische Armee nutzte. Er wusste sehr wohl, so der Richter, dass die LTTE gegen Menschenrechte verstosse – schließlich begründete er damit seinen Asylantrag in Großbritannien. Richter Harrington ordnete an, dass die Einwanderungsbehörde ihre Risikoeinschätzung für den Mann noch einmal evaluiere.

Der Verbleib eines ehemaligen LTTE-Mitgliedes, das im Februar 2014 nach Sri Lanka abgeschoben wurde, ist ungewiss. Nach seiner Ankunft ward er nicht mehr gesehen. Vielleicht hat dieser Fall zu den Bedenken des Richters geführt.

Während des Konfliktes in Sri Lanka, betrieb die LTTE ein für sie lukratives Fundraising-Netzwerk in Kanada mit der Basis in Toronto, wo viele der Exil-Tamilen (aber auch Singhalesen) Sri Lankas leben. Wer nicht freiwillig zahlte, wurde dazu gezwungen. Kanada war eines der ersten Länder, das gezielt gegen die sogenannten Frontorganisationen der LTTE vorging und deren Konten einfror. Der Krieg endete 2009, als die srilankischen Regierungstruppen die Tamil Tigers militärisch auslöschten und fast ihr gesamtes Führungspersonal getötet wurde.

In Sri Lanka gibt es seit dem 8. Januar diesen Jahres einen neuen Präsidenten. Maithripala Sirisena, hat unter anderem anlässlich seines Antritts gesagt, dass er plane, eine von der Weltöffentlichkeit lange schon erwartete Untersuchung der Vorwürfe von Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen, die während des Bürgerkrieges begangenen wurden, zu starten.

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