Lasantha Mord: Regierung unzufrieden über Untersuchung

Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion aus The Sunday Leader vom 8. März 2015

Von Nirmala Kannangara

Colombo –  Die kriminialistische Untersuchung der brutalen Ermordung des Gründungsredakteurs der Zeitung Sunday Leader Lasantha Manilal Wickrematunge werde unter einem neuen Offizieres-Team der srilankischen Kriminalpolizei (CID) wieder aufgenommen, sagte der Minister für öffentliche Ordnung, Katastrophenmanagement und Christliche Angelegenheiten, John Amaratunge.

Minister Amaratunge sagte, er sei „unglücklich“ darüber, wie die Untersuchung der Verdächtigen im Mordfall Wickrematunge von der CID unter dem früheren Regime behandelt wurde und fügte hinzu, dass mit einem neuen CID-Team, das vor kurzem ernannt wurde, „einen schnellen Durchbruch in der Lösung des Mordes“ erwarte.

„Wir wissen heute, dass höhere Beamte des früheren Regime an diesem Mord beteiligt waren, und dass das auch der Grund dafür war, warum die Polizei nicht die gebotenen Massnahmen durchführte, um den Fall zu klären. Die Art, wie die CID die Untersuchung handhabte, war schlicht entsetzlich. Es gab unnötige Verzögerungen und das neue CID-Team wird neue Beweise suchen und finden“, sagte Minister Amaratunge.

Auf die Frage, ob die CID auch die Anzeige des ehemaligen Ministers Mervyn Silva bezüglich der Wickrematunge Tötung dabei beachten würde (Silva hatte offen behauptet, Gotabhaya Rajapaksa habe den Mord befohlen) , sagte Minister Amaratunge, dass er dazu keinerlei Kommentar geben werde; er sagte jedoch dass, er persönlich jegliches Detail über den Mord von der Frau des ermordeten Herausgebers, Sonali Samarasinghe Wickrematunge, begrüßen würde.

„Es ist Sonali, die mehr zu den Angreifern sagen kann, die sie an jenem schicksalhaften Tag verfolgten, und wir möchten gerne Ihre Sicht der Dinge über diesen Vorfall wissen. Da sie nicht mehr im Land ist, möchten wir sie hiermit einladen, uns Informationen zu diesem Vorfall auch über das Telefon zu geben und uns und der CID dabei zu helfen, den oder die Mörder schnellstmöglich zu verhaften“, sagte Amaratunge.

Gefragt, warum die CID nicht auch den damaligen Sprecher des Verteidigungsministeriums, den späteren Regierungssprecher und Medienminister Keheliya Rambukwella verhöre, der bei einer Pressekonferenz am 28. Januar 2009 erklärt hatte, dass er und Präsident Rajapaksa „die Identität der Mörder“ kennen und dass der Präsident am folgenden 15. Februar 2009 die Namen bekannt geben würden (was nie geschah… Anm. der Red.) , sagte Minister Amaratunge, dass er keinerlei Kenntnisse von einer solchen Erklärung Rambukwellas habe. Sollte man aber feststellen, dass Rambukwella dies gesagt habe, dann werde er die CID informieren, und die notwendigen Maßnahmen würden ergriffen.

„Wenn Rambukwella eine solche Aussage machte, muss auch er befragt werden. Wir werden der Sache auf den Grund gehen und alle Beweise ans Tageslicht befördern – auch, weil wir wissen, dass einige Prominent in diesem Mord beteiligt sind,“ sagte Minister Amaratunga.

Obwohl sechs Jahre sind seit dem feigen Mord an Wickrematunge vergangen sind, die Polizei bislang keinen Durchbruch in der Aufklärung vermelden können.

Am Morgen des 8. Januars 2009 wurde Lasantha Wickrematunge am hellichten Tag auf dem Weg in sein Büro in Attidiya  auf offener Straße in Hals und Kopf gestochen. Die Ironie dabei: die Gegend lag damals in einer der vielen „Hochsicherheitszonen“, in der Nähe des Luftwaffenstützpunkt Ratmalana und war scharf bewacht.

Wickrematunge erlag den schweren Verletzungen des Gehirns am selben Nachmittag im  Lehrkrankenhaus Kalubowila in Colombo Süd. Sein Tod galt als unersetzlichen Verlust von (Presse-)Freiheit im Allgemeinen und an investigativen Journalismus in Sri Lanka im Besonderen. Nach dem Tode Wickrematunges wussten kritische Journalisten in Sri Lanka, woran sie sind.

Wickrematunge war ein lautstarker Kritiker von Machtmissbrauch und Korruption der damaligen Rajapaksa Regierung, er wurde mehrfach eingeschüchtert. Die Zeitung wurde mehrfach wegen Bombenanschlägen auf die Druckerpresse versiegelt, um ihn an der Durchführung investigativer Berichterstattung über Vetternwirtschaft, Korruption, Nepotismus und Machtmissbrauch im Land zu hindern.

Nach dem Attentat wurden vier Polizeiteams benannt, um die Ermittlungen durchzuführen. Schon bald wurden zwei Verdächtige präsentiert, die „mutmassliche Verbindungen“ zu dem Attentat hatten. Die beiden wurden in Gewahrsam genommen, zusammen mit Wickrematunges Handy, das direkt nach dem Angriff kurzfristig verschwunden war.

Pitchai Jesudasan, einer der beiden Verdächtigen, starb in Haft während der zweite Verdächtige, Kandegedara Piyawansa,  später von der Polizei aus Mangel an Beweisen freigelassen.

Piyawansa, ein ehemaliger Militärgeheimdienstoffizier, wurde gegen Kaution im Jahr 2010 freigelassen, nachdem er in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung gesagt hatte, er wolle eine Erklärung zu dem Fall abgeben. Die Erklärung gab er im Büro des Richters unter Ausschluß der Öffentlichkeit ab. Danach durfte der Mann auf Kaution das Gericht verlassen – er wurde bis heute nicht mehr belangt. Auch ist der Inhalt seiner Erklärung nicht bekannt.

Obwohl Anwälte, die Wickrematunges Interessen vertreten, mehrere Versuche unternahmen, eine beglaubigte Kopie Piyawansas Aussage zu bekommen, wurde dies in der Vergangenheit stets abgelehnt. Die CID hatte sich darauf berufen, dass diese Erklärung erst der (politische inegesetzten) Polizeiführung übergeben werden müsse, bevor  weitere Untersuchungen durchgeführt werden könnten.

Der Fall wurde schließlich an die Anti-Terrorismus Abteilung der Kriminalpolizei (TID) übergeben. Weitere, wiederholte Anfragen von den Anwälten Wickrematunges,  eine Kopie der Aussage Piyawansas von der TID zu bekommen, wurden ebenfalls abgelehnt. Nun wurde behauptete, dies würde den Stand der Ermittlungen behindern.

Die Polizei konnten bislang keine Festnahmen im Zusammenhang mit den Verdächtigten in der Ermordung vorweisen.

Direkt nach dem Vorfall, so hieß es von der Polizei später, habe man die öffentliche Unterstützung für die Klärung des Mordes gesucht. Doch laut dem damaligen Polizeisprecher SSP Ranjith Gunasekera, habe die Öffentlichkeit nicht kooperieren mit der Polizei, so dass die Polizei sich auf Indizien und wissenschaftliche Beweise beschränken musste.

Nach Minister Keheliya Rambukwellas Erklärung, dass er und Präsident Mahinda Rajapaksa die Identität der Wickrematunge Mörder kennen und dass der Präsident diese am 15. Februar (angeblich) bekannte machen würde, richtete die Frau des ermordeten Chefredakteurs, Sonali Samarasinghe Wickrematunge ein Schreiben, datiert vom 15. März 2009, an den Chef der Polizei, in dem sie ihn auffordert, eine Erklärung von Minister Rambukwella aufzunehmen, um die Identität der Mörder ihres verstorbenen Mannes festzustellen. Doch die Anforderung blieb unerfüllt.

In Sonalis Brief heißt es weiter: „Trotzdem über sechs Wochen vergangen sind, seit Mr. Rambukwellas Aussage wurden keinerlei weitere Aussagen gemacht, noch wurden irgendwelche Verdächtigen genannt oder festgenommen.“

Weiter stellt sie fest, dass, obwohl mehr als zwei Monate vergangen waren, seit ihr Mann getötet  wurde, gebe es keinerlei glaubwürdigen Durchbruch, es gebe weder Verdächtige, noch eine Mordwaffe  und auch der Post-Mortem-Bericht sei nicht, wie angekündigt veröffentlicht worden.

Als damals die Polizei von den Medien angesprochen wurde, um herauszufinden, ob sie Rambukwella wegen seiner Aussage im Zusammenhang mit der Ermordung von Wickrematunge befragt hätte, behauptete der damalige Polizeisprecher SSP Ranjith Gunasekera, dass die Polizei nicht das Recht habe, einen Minister wegen einer öffentliche Erklärung zu befragen.

„Das ist nur eine Erklärung von einem Minister, die er auf einer Pressekonferenz gemacht hat. Obwohl Wickrematunges Frau hat einen Antrag an die IGP (Leitung der Polizei) gestellt hat, eine Aussage von Minister Rambukwella aufzeichnen, besteht keine Notwendigkeit, dies zu tun, da es sich um eine einfache Erklärung von ihm handelt. Es wäre die Aufgabe von Journalisten, den Minister über dieses Thema zu befragen, aber es ist nicht die Pflicht der Polizei, dies zu tun.“

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