Neue Beweise für Folter durch Sri Lankas Sicherheitskräfte

Von der LTTEwatch-redaktion vom 29. September 2014 mit Material von UCANEWS.com

London – Neue Hinweise sind aufgetaucht, dass Sri Lankas Sicherheitskräfte Folter und noch immer sexuelle Gewalt gegen ethnische Tamilen Jahr verübt – dies, laut einer in Großbritannien ansässigen Menschenrechtsgruppe.

In einem Bericht, der am vergangenen Mittwoch veröffentlicht wurde, veröffentlicht Freedom from Torture (Freiheit von Folter = FFT), dass Ärzte 40 neue Fälle von Folter und sexuellen Missbrauch in der Nachkriegszeit dokumentieren konnten. Opfer waren sowohl Männer als auch Frauen.

„Die überwiegende Mehrheit dieser Fälle sind ethnische Tamilen und der Schlüsselfaktor, der zu ihrer Inhaftierung und Folter führte, scheint eine echte oder wahrgenommene, Verbindung zu den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) zu sein“, so der Bericht.

„Unsere Ärzte sehen aus erster Hand, das gezielte Folter weiterhin in Sri Lanka an der Tagesordnung ist“, so Dr. Julia Cohen, Chef-Ärztin der FFT, in einer Pressemitteilung. „Wir behandeln Menschen mit physischen und psychischen Folgen der Folter-Techniken, wie zum Beispiel Würgen bis kurz vor der Erstickung und sexuelle Folter … [sowie] ‚Branding‘ mit heißen Metallstangen – eine Technik, die auch gewährleistet, dass ein Individuum leicht von den Behörden zu identifizieren ist.“

Abhi, deren Name geändert wurde, um ihre Anonymität zu schützen, wurde für etwas mehr als eine Woche im Februar 2013 festgegehalten. Sie wurde von Sri Lankas berüchtigter Kriminalpolizei in einem „dunklen Raum verbracht, wo sie nackt ausgezogen, verhört und geschlagen wurde“ laut ihren medizinischen Bericht, in den Dateien der FFT. „Im Laufe der nächsten sechs Tage, wurde sie mit Drähten geschlagen, sexuell missbraucht, vergewaltigt, mit Benzin durchtränktem Tuch erstickt und mit dem Tode bedroht.“

Bei der Pressekonferenz der FFT-Interpreter, sprach  Abhi selbst über den Missbrauch, den sie erlitt.

„Ich habe viele Narben auf meinem Körper. Es gibt Zigarettebrandlöcher über meinem ganzen Rücken und auch auf der Brust, „ sagte sie. „Die ganze Zeit werden in Sri Lanka tamilische Frauen vergewaltigt, Menschen verschwinden einfach oder werden offen ermordet.“
Abhi ist jetzt in Großbritannien, wo sie wauf das Ergebnis ihres Asylantrags wartet.

„In gewissem Sinne ist es gut, dass ich hier bin … weil in Sri Lanka mein Leben in Gefahr ist. Aber ich fühle mich noch nicht sicher, und ich finde es sehr schwierig, mich zu entspannen,“ sagte sie.

Im Februar 2012 veröffentlichte Human Rights Watch (HRW) einen vernichtenden Bericht mit einer detaillierte Aufrechnung von über 75 Fällen angeblicher Vergewaltigung und sexuellem Missbrauchs von tamilischen Männer und Frauen, verübt durch Mitgliedern der srilankischen Armee, der Polizei sowie Pro-Regierungs-paramilitärischen Gruppen.

„Vergewaltigungen in Haft bleiben ein ernstes Problem“ in Sri Lanka“, sagt auch der Süd-Asien-Direktorin von HRW, Meenakshi Ganguly.

Die kleine südasiatische Nation hat wiederholt Forderungen nach einer internationalen Untersuchung der Kriegsverbrechen, die vermutlich während der Finalphase des Bürgerkrieges von beiden Kriegsparteien begangenen wurden. Im März verabschiedete der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen eine Resolution zur Durchführung einer Untersuchung der Straftaten, die sowohl von der Regierung Sri Lankas als auch der LTTE begangen wurden, doch Präsident Mahinda Rajapakse erklärte, dass die Regierung es nicht zulassen werde, dass UN-Ermittler in das Land einreisten.

Susan Munroe, Geschäftsführer der FFT, sagte, das Amt des Hohen Kommissars für Menschenrechte (OHCHR) der Vereinten Nationen sollte „einen Schwerpunkt auf die laufenden Folter“ in ihrer Untersuchung Sri Lankas legen.

„Die forensische Berichte unserer Ärzte deuten stark darauf hin, dass Folter immer noch ein sehr großer Teil der Repressions-Maschinerie der srilankischen Regeirugn ist –  fast fünf Jahre nach dem Ende des Konflikts. Dies kann nicht ignoriert werden“, sagte Munroe.

Sri Lankas Kabinett-Sprecher Keheliya Rambukwella wies die Vorwürfe von Folter und Missbrauch – wie üblich – zurück.

„Dieser Bericht ist völlig voreingenommen und [FFT] hat ihre eigenen Pläne. Sie haben anti-srilankischen Elemente bei sich und erzeugen weiterhin übermäßigen Druck auf Sri Lanka durch das Erheben von haltlosen Anschuldigungen“, sagte er gegenüber ucanews.com.

Rambukwella behauptet auch, dass die „Regierung von Sri Lanka sehr eng mit [der] UN arbeitet“ trotz der Weigerung, externe Ermittler ins Land einreisen zu lassen.

Ganguly sagte, dass Sri Lankas Regierung habe „nicht nur die Ko-operation mit einer OHCHR-Untersuchung“ abgelehnt, sondern auch eine regelrechte Kampagne gestartet bei „der Einschüchterung von Menschenrechtsaktivisten“ im Vordergrund steht. So will das Regime verhindern, dass Srilanker vor dem OHCHR-Untersuchung aussagen.

„Einige dieser Aktivisten wurden festgenommen und verhört, andere bedroht“, sagte sie. „Das hat eine abschreckende Wirkung auf diejenigen, die ihr Zeugnis teilen möchten.“

„Sicherlich ist es aber so, wenn die Regierung nichts zu verbergen hat, warum sollte sie dann eine unabhängige Untersuchung, die ihre Behauptungen untermauert, nicht begrüßen?“

A.E.G, ein tamilischer Aktivist, der in der ehemaligen Konfliktzone arbeitet, und darum bat, seinen vollen Namen zu verbergen, sagte, es gebe „viele Beschwerden“ bezüglich Folter und sexuellem Fehlverhaltens der Sicherheitskräfte in der Nordprovinz.

„Hunderte von Ex-Kombattanten leben nach ihrer Rehabilitation mit der Angst“, sagte er. „Wir alle wissen, dass wir keine Gerechtigkeit von dieser Regierung erhalten werden. Aber wir haben den Glauben und Hoffnung an eine internationale Untersuchung.“

Seit 2009 hat FFT insgesamt 160 Fälle von Personen medizinisch dokumentiert, die gefoltert wurden seit der Bürgerkrieg in Sri Lanka beendet wurde. Fast ein Viertel aller Überweisungen an die Organisation sind Staatsangehörige Sri Lankas.

Von den neuen Fällen datieren 13 aus 2013, 10 aus 2012, sieben von 2011, zwei aus 2010 und acht gehen zurück bis 2009. Klar sei auch, dass dies nur einen Bruchteil der vermuteten Fälle darstelle – wo es Betroffenen gelang, das Land zu verlassen.

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