UNHRC verurteilt Bedrohung von Zeugen durch Rajapaksas

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 25. September 2014

Genf – Das Amt des Hohen Kommissars für Menschenrechte (OHCHR) der Vereinten Nationen hat am Donnerstag die Bedrohung und Belästigung von Personen und Gruppen bedauert und verurteilt, die sich an der vom UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) beauftragte internationale Untersuchung mutmaßlicher Kriegsverbrechen während Sri Lankas Bürger Krieg beteiligen.

Bei der Sitzung am Donnerstag gab die stellvertretende Hochkommissarin für Menschenrechte, Flavia Pansieri ein mündliches Update, und sagte dabei, dass das derzeitige Klima der Einschüchterung und Bedrohung in Sri Lanka eine echte Herausforderung für die Untersuchung des Menschenrechtsrats-Experten-Teams sei.

„Die anhaltende Kampagne der Bedrohungen, Belästigungen und Einschüchterung sowie der Repressalien gegen staatliche und nicht-staatliche Akteure durch staatliche Kräfte, die wir seit März gegen Gruppen der Zivilgesellschaft, Menschenrechtsverteidiger und Opferorganisationen beobachten, die sich an der internationalen Untersuchung beteiligen, ist äußerst bedauerlich“, sagte sie bei der Vorstellung des Berichtes.

„Dies Drohhaltung gegenüber Zeugen untergräbt auch die Aussichten für Sri Lankas eigene, inländischen Untersuchungen, wo Zeugen- und Opferschutz uns seit langem ein wichtiges Anliegen sind“, stellte Pansieri fest, während sie gleichzeitig feststellte, dass die srilankische Regierung dem Parlament einen Gesetzesentwurf zum Schutz der Opfer und Zeugen von Straftaten im August 2014 vorgelegt habe.

Pansieri sagte, das OHCHR werde sorgfältig den Gesetzesentwurf und die zwingende Einhaltung der internationalen Standards prüfen, jedoch werfe bereits eine vorläufige Analyse des Gesetzesentwurfs eine Reihe von Bedenken auf.

Pansieri räumte ein, dass die Gründung einer Präsidentenkommission zur Untersuchung von Fällen von Entführungen sowie dem Verschwindenlassen von Oppositionellen zu eine wichtige Initiative der Regierung sei und würdigte die Einladung von sechs internationalen Experten als Beratergruppe der Kommission, auch wenn noch nicht klar sei, was deren eigentliche Aufgabe dabei sei.

Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapaksa hatte die Kommission gegründet, um Verschleppungen, die zwischen Januar 1983 und Mai 2009 geschahen, zu untersuchen. Internationale Experten sehen in der merkwürdigen Eingrenzung des Mandats schon einen Beleg dafür, dass die Kommission und ihre Untersuchung manipuliert werden.

Das OHCHR sagte, man sei alarmiert von der Eskalation des religiösen Extremismus und der zunehmenden Angriffe auf islamische und christliche Minderheiten, die weitgehend von militanten buddhistischen Gruppen geführt werden.

Die stellvertretende Hochkommissarin sagte  auch, dass das OHCHR ein engagiertes Team eingestellt habe, um sie mit der Durchführung der umfassenden Untersuchung zu beauftragen und die Ermittler würden sich mit dem OHCHR-Team zu Beginn des kommenden Monats treffen, um die Methodik und die Fortschritte in der Untersuchung zu überprüfen, aber auch, um eine Koordinierungsgruppe der Sonderverfahren-Mandatsträger zu koordinieren.

Allerdings hat die Regierung Sri Lankas wiederholt „kategorisch und vorbehaltlos“ die entsprechende UN-Resolution 25/1 zu Sri Lanka abgelehnt und den Untersuchungs-Prozess als „voreingenommen“ bezeichnet, zuletzt in Person von Mahinda Rajapaksa beim Klimagipfel der UN in New York, der seine Redezeit missbrauchte, um gegen die UNHRC-Untersuchung zu wettern.

Der neue Hohe Kommissar für Menschenrechte, Prinz Zeid Ra’ad Zeid Al-Hussein hat sich am Rande des UN-Gipfels in New York mit dem srilankische Minister für Auswärtige Angelegenheiten in dieser Woche getroffen, um ihm zu sagen, dass trotz der Weigerung der Regierung mit der Untersuchung des OHCHR zusammen zu arbeiten, die Untersuchung selbst fortgesetz werden würde und der Menschenrechtsrat umgehend über Ergebnisse unterrichtet werden würde. Gleichzeitig bedaure man die Weigerung Sri Lankas, die Untersuchung zumindest zuzulassen, so der Prinz.

Auch Flavia Pansieri bedauerte nochmals die Haltung der srilankischen Regierung und sagte, dass die Untersuchung  eine einzigartige Gelegenheit biete, eine genaue Aufzeichnung der Muster von Menschenrechtsverletzungen zu entwerfen und die damit verbundenen Verbrechen aufzuzeigen, die von beiden Seiten in der zweiten Periode des Konflikts begangen wurden.

Doch genau daran scheint die srilankische Regierung kein Interesse zu haben.

Das OHCHR bekräftigte seine Forderung nach einem „grundlegenden und weitreichenden“ Prozess in Sri Lanka, der Rechenschaftspflicht für sowohl die anhaltenden als auch die Verletzungen der Menschenrechte in der Vergangenheit garantiere. „Sri Lanka muss mit sich und seiner Vergangenheit ins Reine kommen – die Straflosigkeit muss beendt werden, um eine Versöhnung zwischen den Gemeinschaften zu erreichen und die Rechtsstaatlichkeit zu stärken.“

Die Hohe Kommissarin appellierte abschließend erneut an die Behörden, in vollem Umfang an der Untersuchung mitzuarbeiten, ebenso mit den einschlägigen Sonderverfahren bezüglich Sri Lankas; dies sei mittel- wie langfristig im Interesse aller Menschen in Sri Lanka.

Nachstehend der mündliche Zwischenbericht zur Menschenrechtssituation Sri Lankas im originalen Wortlaut, wie vom OHCHR übermittelt.

Summary of oral update on Sri Lanka presented by Deputy High Commissioner for Human Rights Flavia Pansier:

The Government published its last update on implementation of the LLRC recommendations in July. It reported on further progress in implementing the national trilingual language policy, social cohesion initiatives, resettlement of IDPs, release of detainees, and reconstruction and development activities in the northern and eastern provinces.

One important initiative was the establishment of a Presidential Commission of Inquiry to investigate cases of abduction and disappearance between January 1983 and May 2009 of persons resident in the north and east of Sri Lanka. The mandate of the Commission has been extended to 25 February 2015 and broadened to include investigations into the adherence of both Sri Lankan forces and the LTTE to principles of international humanitarian law. 

The President also invited six international experts to act as an advisory group to the Commission, although at this time the nature of their involvement it not yet clear. Independent observers have, however, raised concerns with the line of questioning by the commissioners and counsel, the quality of translation services, and the lack of counselling support for victims.  Families of the disappeared have also reported on harassment and pressure by police, military and intelligence prior to and at the time of the hearings.

This Council had requested the Government to publish the reports of other domestic investigations.  This has not yet happened, nor has there been any further outcome in other emblematic cases reported by the former High Commissioner.

New mass grave sites have continued to be discovered, but exhumations and investigations have proceeded slowly.

Meanwhile, OHCHR has set up a dedicated team to carry out the comprehensive investigation mandated by the Human Rights Council.

As you know, H.E. Mr Martti Ahtisaari, Ms Silvia Cartwright and Ms Asma Jahangir have been invited to play an advisory role to the OHCHR team.  They met with the OHCHR team earlier this month to review the methodology and progress in the investigation, and also consulted a coordinating group of Special Procedures mandate-holders.

On 5 July, the Minister of External Affairs of Sri Lanka informed High Commissioner Pillay that the Government “categorically and unreservedly rejected the resolution 25/1 on Sri Lanka and would not engage in any related process”. 

The High Commissioner met the Minister of External Affairs in New York this week, who indicated nevertheless that cooperation with OHCHR and the Council will continue. We very much regret the Government’s position on the resolution and encourage it to keep its channels open.

Indeed, this investigation is a unique opportunity to establish an accurate record of patterns of human rights violations and related crimes alleged to have been committed by both sides during the latter period of the conflict.

In this context, the ongoing campaign of threats, harassment, intimidation and reprisals by both state and non-state actors since March against civil society groups, human rights defenders and victims’ organisations, including those engaging with the international inquiry, is deplorable.  On 4 August, in Colombo, a private meeting of civil society actors, the diplomatic community and families of the disappeared was disrupted by protestors (including Buddhist monks), reportedly representing families of missing armed service personnel. And during a security operation in March, some human rights defenders were detained under the Prevention of Terrorism Act on suspicion of engagement with former LTTE cadres.

This climate of intimidation and threat constitutes a real challenge for the investigation mandated by the Human Rights Council. It also undermines the prospects for Sri Lanka’s own domestic investigations, where witness and victim protection has long been a major concern.  I note in this regard that the Government submitted to Parliament the Assistance to and Protection of Victims of Crime and Witnesses Bill in August 2014.  OHCHR will carefully study this draft legislation and its compliance with international standards, but already a preliminary analysis raises a number of concerns.

We are also deeply alarmed by the escalation in religious extremism and increasing attacks against Muslim and Christian minorities, largely led by militant Buddhist groups.  One of the worst incidents of sectarian violence in Sri Lanka’s recent history occurred last June, in the town of Aluthgama.  No prosecutions of those responsible have taken place to date.  I urge the Government to ensure strong action against the individuals responsible for such attacks and to send signals of its commitment to protect minority communities.

Notwithstanding the commendable progress the Government has made in resettlement and reconstruction, a more fundamental and far-reaching accountability process which addresses both past and ongoing violations, is indispensable for Sri Lankans to come to terms with their past – to end impunity, to achieve reconciliation between communities, and to strengthen the rule of law.  I therefore appeal once again to the authorities to cooperate fully with the investigation, as well as with the relevant Special Procedures, in the long-term interest of all people in Sri Lanka.

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