Glasgow: Massive Proteste gegen Rajapaksa erwartet

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 19. Juli 2014

Glasgow – Wenn am 23. Juli im schottischen Glasgow die 20. Commonwealth Games eröffnet werden, sollten sie eigentlich vom turnusgemäßen Oberhaupt des Commonwealth eingeläutet werden – derzeit wäre das Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapaksa.

Doch der hat schlechte Erfahrungen mit Besuchen der britischen Insel gemacht. Zuletzt musste er 2012 fluchtartig England verlassen, weil protestierende Tamilen seine Festnahme wegen mutmasslich von ihm befohlener Kriegsverbrechen verlangten. Ob er kommt, ist unklar, sicher ist, dass mehrere Abgeordnete quer durch alle Parteien, aber auch Menschenrechtsorganisatinen verlangen, Mahinda Rajapaksa explizit auszuladen.

Sollte Rajapaksa doch nach Glasgow kommen, ist ihm auch diesesmal zahlreicher Empfang sicher. Nur haben sich die Dinge geändert, diesesmal werden nicht nur die tamilischen Angehörigen der Dispora, darunter auch einige Hardcore-LTTE-Freunde, sondern auch Muslime (u.a. wg. Aluthgama) und Singhalesen (u.a. wg. Rathupaswela) der srilankischen Diaspora gegen Rajapaksas Besuch protestieren.

Denn gerade von letzteren, bislang in Treue fest zu Regierungschef, weshalb man auch die mutmasslichen Kriegsverbrechen nicht so krumm nahm, wird dafür verantwortlich gemacht, dass Sri Lankas Image in den Keller gerauscht ist, seit Mahinda und sein Clan an der Macht sind.

Korruption, Bestechlichkeit, Kriegsverbrechen und die Morde und das Verschwindenlassen von Regimekritikern, die zunehmenden Machtlosigkeit der Justiz, den Missbrauch des Buddhismus, um mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben und das Töten von Protestierenden, die verlangten, dass die Umweltverschmutzung eines Rajapaksa-Freundes sofort aufhöre, weil es sie vergiftet; die Rajapaksa haben den Bogen überspannt, und ihr vermutlich unrühmliches Ende selbst eingeläutet.

Sri Lanka wurde wegen der schlimmen Situation der Menschenrechte und wegen der Weigerung des Regimes, Kriegsverbrechen ordentlich zu untersuchen, dreimal vom UN-Menschenrechtsrat abgemahnt, nun ist eine externe Untersuchung im Gange. Also genau das, was man in Sri Lanka nie wollte. Entsprechend hilflos-wütend sind nicht nur die offiziellen Reaktionen auf die UN-Untersuchung, sondern auch die des Mannes auf der Strasse gegenüber dem Regime, das es soweit kommen ließ.

Sri Lanka, so viel ist sicher, ist unter den Rajapaksas zum Unrechtsstaat geworden – und das bringt alle freiheitsliebenden Srilanker auf die Straße.

Zumindest dort, wo sie wegen ihres Protestes nicht um Leib und Leben fürchten müssen.

***

Nachtrag vom 22. Juli 2014, 21:45

 

Rajapaksa sagt Teilnahme an Commonwealth Games ab

Mohan Samaranayake, einer der Sprecher des Präsidenten, sagte gegenüber der internationalen Presse, dass die Absage Rajapaksas, der als turnusmässiger „Ehrenvorsitzender“ des Commonwealth die Spiele feierlich eröffnen sollte, nicht wegen der erwarteten Demonstrationen sei.

Samaranayake sagte weiter, eine Teilnahme sei nicht geplant gewesen.

 

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