Rajapaksas zeigen der Welt, wie „Blamage“ geht

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 19. März 2014

Genf – Mit einer unglaubwürdigen Geschichte, einer echten Räuberpistole gleich, versuchte das Rajapaksa Regime die Festnahme von drei Aktivisten imNorden der Insel zu rechtfertigen, nachdem massive Protest von allen Seiten dagegen einprasselten. Die angebliche, nach wie vor bestehende Bedrohung durch die LTTE, ist der vom Regime vorgeschobene Grund für die Militarisierung des Landes, besonders des Nordens und des Ostens und die Aufrechterhaltung der Kriegsnotstandsgesetze (die seit einiger Zeit Anti-Terror-Gesetze heißen). Vor diesem Hintergund meldete sich die srilankische Delegation beim UNHRC zu Wort zu einer „Gegendarstellung“ – ganz nach dem Geschmack der Rajapaksas.

Die Geschichte, ähm „Gegendarstellung“ geht so: Ein gewisser K.P. Selvanayagam, Kampfname „Gobi“, gewiss ein „LTTE-Agent“, sei schon vor einiger Zeit ins Land gereist, um die Waffenlager, welche die LTTE kurz vor ihrer Niederlage überall im Norden in der Erde verbuddelt habe, zu aktivieren und wieder Kader anzuheuern, um den erneuten, bewaffneten Kampf für einen eigenen tamilischen Staat („Tamil Eelam“) neu zu starten. „Gobi“ habe es bislang vermieden, verhaftet zu werden. Bei den Ermittlungen sei es der Terrorist Investigations Division (TID) gelungen, ein verstecktes Waffenlager aufzuspüren mit 3 Handgranaten, einer 2,5 Kilo Claymore-Mine sowie Munitioin für einen Raketenwerfer. Eine Informant habe dann die Ermittler zum Haus von Balendran Jeyakumari in Killinochchi gewiesen. Prompt sei man (mit einer Hunderschaft von Polizei und Armee!) angerückt, habe das Haus in Dharmapuram umzingelt und der gesuchte Gobi habe auf die Polizei geschossen und dabei einen Beamten verletzt. Trotz der Umzingelung sei Gobi geflohen.

Das Haus von Balendran Jeyakumari und ihrer 13-jährigen Tochter sei dann durchsucht worden, wobei man wundersamerweise ein Minenortungsgerät gefunden habe. Daraufhin sei Jeyakumari festgenommen worden und in das Straflager in Boosa (im Süden der Insel) verbracht worden, ihre Tochter sei in Obhut von Bewährungshelfern für jugendliche Straftäter (!). Ach ja, und die beiden Menschenrechtsaktivisten Ruki Fernando und Pater Praveen Mahesan habe man auch gleich unter dem Terror-Präventionsgesetz festgenommen, weil sie ebenfalls irgendwie damit zu tun hätten.

Die srilankische Delegation vergass auch nicht zu erwähnen, dass das ganze natürlich unter den bestehenden (drakonischen) Anti-Terror-Gesetzen völlig legal sei (Menschen ohne Anklage als „Terroristen“ oder wahlweise „Mutterlandsverräter“ für unbestimmte Zeit festzuhalten, und sie auch zu foltern nämlich).

So weit, so merkwürdig. Man würde lauthals lachen, wenn es nicht so einen mörderisch ernsten Hintergrund hätte. Diese unwürdige Tragik-Komödien-Aufführung sorgte nicht nur für weitere Proteste, unter anderem von Deutschland und Dänemark sondern stieß vermutlich auch die restlichen Staaten vor dem Kopf, die noch immer versucht hatten, die neue Resolution gegen das Regime ein wenig abzuschwächen.

Großbritannien verwarnte das Regime gar unmissverständlich und sah sich, zusammen mit den USA in ihrer unmissverständlichen Haltung gegenüber dem Regime exakt durch diesen Vorfall mehr als bestätigt.

Proteste auch von so gut wie allen Menschenrechtsorganisationen weltweit. Man höre und staune: sogar die größte Oppositionspartei UNP protestierte einigermassen zeitnah.

Schließlich sah das Regime ein, dass man damit nicht durchkommen würde und beugte sich – wie immer bislang, wenn der internationale Druck zu groß wird. Die Hoffnung von Sri Lankas Regime, die Resolution abzuwenden, oder zu verwässern dürfte sich mit dieser dümmlichen Aktion in Luft aufgelöst haben. Die Resolution wird kommen, ob Sri Lankas Regime das nun gut findet oder nicht, und sie wird hart sein und Sanktionen mit sich bringen. Wie diese aussehen könnten, zeigt das Beispiel Krim-Besetzung. Reiseverbote und Konteneinfrieren kann Wunder wirken, auch bei Sri Lankas Führungsebene…

Zumindest für die Angehörigen von zwei der Inhaftierten geschah dann ein anderes Wunder. Am frühen Morgen des 19. März, gegen 01.30 wurde vermeldet, dass man die beiden Menschenrechtler Ruki Fernando und Pater Praveen Mahesan (mitten in der Nacht?) dem Haftrichter vorgeführt hatte, der sie umgehend entlassen habe.

Das Ende dieser Geschichte?

Zumindest hat das Regime erreicht, dass nun die Angst unter der zivilen Bevölkerung des Nordens umgeht. Jeder, der sich bei der windigen „Kommission zur Festellung der Vermissten“ gemeldet und nicht das unverblümt geboteten Angebot angenommen hat, gegen eine einmalige Zahlung von seinen Ansprüchen abzutreten, muss nun befürchten, Besuch von Polizei und Armee zu bekommen. Und: Balendran Jeyakumari ist noch immer in Haft.

Und „Gobi“? Der läuft, so es ihn überhaupt gibt, immer noch frei herum auf der Suche nach versteckten Waffen und einer LTTE, die vor fünf Jahren vom Regime für tot erklärt wurde. Oder aber, er sitzt beim Tee mit „K.P.“, Karuna, Devanada, Pillayan und Verteidigunsstaatssekretär Gotabhaya Rajapaksa zusammen und kungelt in dieser illustren Runde aus, wie man mit den versteckten Waffen der LTTE noch ein wenig Geld machen könnte…

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